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Ruth Strähuber zeigt die Stelle, an der sie glaubt, den Wolf gesehen zu haben.

„Das ist kein Hund“

Wolf vor den Toren Münchens? Rätsel um Spuren und Sichtung

Ist im Landkreis Fürstenfeldbruck ein Wolf unterwegs? Tierliebhaberin Ruth Strähhuber ist sich sicher, eines der Raubtiere bei Unterlappach gesehen zu haben.

Rottbach– Dienstagvormittag, Ende Januar: Die Wolken hängen grau und schwer am Himmel als Ruth Strähhuber mit ihrem Araber-Wallach Buran und einer Freundin eine Runde durch die hügelige Landschaft um ihre Heimatgemeinde Rottbach dreht. Es ist ein Tag wie jeder andere für die Besitzerin eines Reitstalls. Bis zu jenem Moment.

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Die Pferde stapfen mit ihren Reiterinnen gerade den Hang bei Unterlappach hinunter, als eine seltsame Kreatur aus einem Feld springt. „Das ist kein Hund“, denkt sich die 47-Jährige. Das Fell grau-rot, kräftige Statur und dann diese Bewegungen. Strähhuber muss sofort an den Film denken, den die Tierliebhaberin im Wildpark Poing über die Wölfe gedreht hat. „Das gibt’s doch nicht. Kann das tatsächlich sein?“, schießt es ihr durch den Kopf. Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht. Das unbekannte Tier schießt über eine Wiese, überwindet mit einem großen Satz den Lappach-Bach und verschwindet im Schilfgürtel vor einem Wäldchen.

Diese Spuren hinterließ das Tier

Ratlosigkeit macht sich breit. Gefolgt von der Erkenntnis, womöglich gerade Sensationelles beobachtet zu haben. Doch was werden die Leute sagen? Ja klar, ein Wolf. Und dann stapft der Yeti mit Aliens durchs Unterholz. Strähhuber sieht schon eine Welle aus Häme und Spott über sich hereinbrechen. Für sie steht fest: Sie muss ihre Beobachtung beweisen. Dabei kommt der Tierfreundin ihr Kunststudium zu Gute. Wieder zu Hause rührt sie Gips an, fährt zurück und gießt die Spuren des unbekannten Tieres damit aus. „Das war schon ein bisschen unheimlich“, sagt Strähhuber. Schließlich könnte der Wolf ja noch im Schilf lauern.

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Und auch die folgende Nacht verbringt die 47-Jährige mit einem mulmigen Gefühl. Die Schafe – auf dem Reiterhof leben außerdem noch Gänse, Hühner, Schweine und Ziegen – haben Nachwuchs bekommen. Strähhuber bleibt über Nacht bei den Lämmern. In Gedanken aber ist sie immer noch beim Wolf. Kann er die Lämmer wittern? Ist er noch da? Hat er Hunger?

Die mit Gips ausgegossenen Abdrücke

Letzteres kann man wohl mit Sicherheit bejahen. Denn sollte sich Strähhubers Beobachtung bewahrheiten, war bei Unterlappach ein im Wortsinn einsamer Wolf unterwegs. Und als Rudeltier ist der Jagderfolg alleine alles andere als gewiss. Dem Tier dürfte also kräftig der Magen knurren.

Wölfe in Bayern: Viel Aufregung, wenige Nachweise

Ungewiss ist auch die Herkunft des Tieres, sollte es denn wirklich ein Wolf gewesen sein. Wölfe können aus den Alpen oder aus dem Nordosten nach Bayern einwandern, erklärt ein Sprecher des Landesamts für Umwelt (LfU) auf Nachfrage. Bei der Behörde ist auch das sogenannte Wolfsmanagement des Freistaats angesiedelt, das sich für ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Mensch und Wolf einsetzt. Dass Ruth Strähhuber tatsächlich einen der großen Beutegreifer erblickt hat, hält der Experte für unwahrscheinlich. Der Pfotenabdruck eines großen Hundes ist kaum von dem eines Wolfes unterscheidbar. Im Nordwesten Münchens sei bisher noch nie ein Wolf nachgewiesen worden. In diesem Fall gibt es keine eindeutigen Belege, wie etwa ein Foto des Tieres oder genetisches Material.

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Hinterlassenschaften von Tieren gibt es in der Umgebung genügend – allerdings von anderen Wildtieren. Regelmäßig ackern Wildschweine zum Beispiel die Felder von Landwirt Hubert Müller aus Oberlappach um. Da käme der Wolf, auf dessen Speisekarte auch Schwarzwild steht, doch gerade recht, oder? „Ich weiß nicht. Mir wäre es schon lieber, wenn er weiterziehen würde“, sagt Müller.

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Das sieht auch Kreis-Bauernobmann Georg Huber so. Gerade für Kollegen mit Weidetieren wäre die Rückkehr des Raubtieres ein Problem. Im Oberland werde das Thema bereits heiß diskutiert. Möglich ist aber auch, dass die Rückkehr weiter auf sich warten lässt. Wie die Wolfsberatungsstelle am LfU mitteilt, ist am Montag vergangener Woche an der B 2 im Westen ein Tier gefunden worden, das für einen Wolf gehalten wurde. Es lag am Straßenrand und war verendet. Es handelte sich nach Überprüfung de facto um einen Hund. 

Auch im Isartal will eine Frau kürzlich erst einen Wolf entdeckt haben. Die Experten sind sich aber noch nicht sicher. Jetzt ist das Räsel um den Wolf in Garmisch-Partenkirchen gelöst.

tog/st

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