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Maisachs Bürgermeister Hans Seidl ist zweimal die Woche auf der Baustelle.

Gemeinde verhandelt mit Grundeigentümern

Südumfahrung Maisach: Enteignung abgewendet

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Die Vorbereitungen für den Bau von Maisachs Südumfahrung laufen seit der zweiten Januarwoche. Und das obwohl die Gemeinde noch gar nicht im Besitz aller erforderlichen Grundstücke ist. Bürgermeister Hans Seidl (CSU) erklärt die Hintergründe und warum der schnelle Start notwendig war.

Auf Teilen des Taxiways wird Maisachs Südumfahrung entstehen. Um die Natur im Flora-Fauna-Habitat zu schützen, sind rechts und links der Baufläche Zäune aufgestellt, insgesamt acht Kilometer lang.

Maisach – Konkret geht es um Grundstücke westlich des alten Flugplatzes von insgesamt neun privaten Grundeigentümern. Die Gemeinde braucht den Grund, um die Umfahrung an die Staatsstraße 2054 und die Alte Brucker Straße anzubinden. In solchen Fällen verhandelt der Bürgermeister mit den Eignern. Doch es kam zu keiner Einigung. Um trotzdem mit dem Bau beginnen zu können, stellte die Gemeinde Mitte Dezember im Landratsamt Antrag auf Enteignung und sofortige Besitzeinweisung. Mitte Januar trafen sich alle: die Gemeinde-Spitze und ihr Anwalt, die Eigentümer, die sich gemeinsam von einer Kanzlei vertreten lassen, und Mitarbeiter der Enteignungsbehörde im Landratsamt.

„Ziel aller war und ist eine gütliche Einigung“, sagt Seidl. Die Gemeinde wollte keine verbrannte Erde hinterlassen, zügig mit dem eigentlichen Bau der Straße beginnen und die Unsicherheit einer Besitzeinweisung vermeiden. Denn dann hätte der Bau zwar starten können, die Flächen hätten aber immer noch den Privatleuten gehört und man hätte sich auch in diesem Verfahren auf einen Preis einigen müssen. Und die Grundeigentümer hätten gegen die Besitzeinweisung klagen können. Bei einer Einweisung hätten die Eigentümer zudem das Risiko gehabt, dass der Preis pro Quadratmeter sinkt.

Die Gemeinde Maisach bietet 25 Euro pro Quadratmeter

„Das Landratsamt hat uns bestätigt, dass wir ein sehr wohlwollendes Angebot gemacht haben“, berichtet Seidl. Die Gemeinde bietet 25 Euro pro Quadratmeter, zudem eine Nachentschädigung, sollten die Flächen, um die es jetzt geht, irgendwann in der Zukunft teilweise zur Erweiterung des Gewerbegebiets an der Frauenstraße genutzt werden. Von der Wertsteigerung würden dann nachträglich die jetzigen Eigentümer profitieren. Der am Verfahren beteiligte Gutachterausschuss hatte für die jetzt fraglichen Grundstücke 20 Euro/m2 angesetzt.

Zum Vergleich: Die Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) hat ihre Flächen auf dem Flugplatz für unter 25 Euro an die Gemeinde verkauft. Die Nutzung dieser Flächen ist aber auch eingeschränkt durch das umliegende Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. Landwirtschaftlicher Grund ist in Maisach – je nach Qualität – für zehn bis zwölf Euro zu haben.

Für die Gernlindener Umfahrung musste die Gemeinde damals auch Grund ankaufen. Sie zahlte 40 Mark pro Quadratmeter für Straßenflächen, 30 Mark für umliegende Flächen. „Das waren wahnsinnige Preise zu dieser Zeit“, sagt Seidl. „Und das hat die Grundstückspreise im ganzen Landkreis kaputtgemacht.“

Daher versuche die Gemeinde nun, nicht zu hoch zu gehen. Denn auch in Zukunft muss sie Flächen ankaufen und kann keine astronomischen Summen zahlen.

„Wir sind auf einem guten Weg“, berichtet der Rathauschef von den Verhandlungen. Die Eckpunkte der gütlichen Einigung stünden fest, es gehe nur noch um Details. „Und wir haben uns auf ein Paket geeinigt, das garantiert, dass wir keine zeitliche Verzögerung haben.“ Noch im Februar sollen alle Verträge unterschrieben werden.

Doch warum haben die Bauarbeiten schon angefangen (siehe Artikel unten), bevor die Gemeinde alle Grundstücke gesichert hatte? Bürgermeister Seidl spricht von mehreren „Zwangspunkten“. Um die staatlichen Zuschüsse nicht zu verlieren, musste begonnen werden. „Wenn bei uns nichts vorangeht, hätte man ein anderes Projekt vorgezogen.“ Zudem dürfen Rodungen laut Naturschutzgesetz nur bis 28. Februar stattfinden. Wichtigester Grund für den schnellen Start waren die Kosten: Durch eine Ausschreibung der Arbeiten im Herbst mit Baubeginn zum Jahresanfang habe sich die Gemeinde gute Preise gesichert. Denn ab März/April steigt die Auftragsdichte bei den Baufirmen – und dann steigen auch die Preise.

Sportclub bekommt weiteres Feld

Nördlich des ehemaligen Flugplatzgeländes soll der SC Maisach einen dritten Rasenspielplatz bekommen. Er ersetzt den kleineren Bolzplatz. Damit das Projekt realisiert werden kann, hatte der Gemeinderat eine Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht. Jetzt hat das Gremium den neuen Plan ohne Gegenstimme beschlossen. Damit steht dem Projekt nichts mehr im Weg. Wegen der nahen Wohnbebauung fand eine schalltechnische Untersuchung statt. Training und Spiele mit Zuschauerbeteiligung (Jugendspiele) sind auf dem Rasenspielplatz zu folgenden Zeiten erlaubt: Montag bis Samstag ohne Einschränkung von 8 bis 20 Uhr. Das gilt auch für die Nutzung des Parkplatzes. Training ist sogar bis 22 Uhr erlaubt.

Licht an neuer Straße

Im Zuge des Neubaus der Südumfahrung muss Licht her: Die Gemeinde sorgt für die Beleuchtung der beiden neuen Kreisel, der Anbindung der Alten Brucker Straße und der Unterführung für den Geh- und Radweg. 145 000 Euro kostet das. Der Gemeinderat bewilligte die Auftragsvergabe ans Bayernwerk. Auch für die Riedlstraße, wo das neue Gemeindezentrum entsteht, wurde die Beleuchtung beschlossen. Dagegen stimmte Ursula Gessner (Grüne), die gegen das gesamte Bauprojekt ist. 

Mehr zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck finden Sie hier.

Kampfmittel-Räumdienst Ort: So geht es mit den Bauarbeiten weiter

Die Arbeiten auf dem Nordteil des alten Flugplatzes gehen rasch voran. Noch im Februar soll mit dem eigentlichen Bau der Südumfahrung begonnen werden. In den vergangenen beiden Wochen waren Fachleute mit der Kampfmitteluntersuchung beschäftigt. 

Sie haben den Untergrund mittels Sonden abgesucht. Markiert wurden elf Verdachtsflächen, vier davon auf dem Taxiway, auf dem die künftige Straße entsteht. Diese vier Stellen werden bei der seit dem gestrigen Freitag laufenden Kampfmittelräumung besonders viel Arbeit machen. Sie liegen vier bis fünfeinhalb Meter tief unter dem Beton und müssen mühsam ergraben werden. Bombe oder Schrott unter Beton Was genau zutage kommt, wisse niemand, sagte Baumatsleiterin Michaela Meinhold bei einem kurzen Bericht zum Stand der Bauarbeiten im Gemeinderat. „Es gibt sehr viele große Funde. 

Da könnte eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg drin sein. Aber vielleicht ist es auch nur Schrott, mit dem ein Bombenloch verfüllt wurde.“ Die Kampfmittelräumung soll bereits innerhalb der nächsten Woche abgeschlossen sein. Auch mit dem Abfräsen der Asphaltflächen dürfte man dann fertig sein. Nächster Schritt: Der Taxiway wird links und rechts abgeschnitten, weil für die Umfahrung nicht die ganze Breite der ehemaligen Flugzeugstraße benötigt wird. Der Beton wird mit einer Ramme zu beiden Seiten zertrümmert und abtransportiert. Nach der Kampfmittelräumung dürfen die Archäologen auf die unbefestigten Flächen. Die Baufirmen kommen derzeit noch über ein Tor an der Staatsstraße 2345 bei Gernlinden auf den alten Flugplatz. Sie wollen so schnell wie möglich eine bessere (also breitere) Zufahrt. 

Die Umsiedlung der Rehe

Daher wird die Südumfahrung von Ost nach West gebaut: Es beginnt mit der Räumung nahe der S 2345 für die Anbindung durch einen Kreisverkehr. Dann arbeiten sich Maschine und Mensch Richtung Westen vor. Im Osten wird auch deshalb angefangen, weil die Gemeinde dort schon im Besitz aller erforderlichen Grundstücke ist – im Westen fehlen noch Flächen (siehe oben). 

Auf dem Gelände der Karl-Gruppe, auf dem eine Trabrennbahn entstehen könnte, sind fast alle früheren Strukturen verschwunden, berichtet Rathaus-Amtsleiter Peter Eberlein: „In drei Monaten wird alles weg sein, Wege und Shelter.“ Um das FFH-Gebiet zu schützen, ist es durch Zäune von den Bauflächen abgetrennt. Die Absperrung durfte aber nur 1,20 Meter hoch sein, damit sie Raubvögeln nicht als Ansitzwarte dient. Denn die Bodenbrüter im FFH-Gebiet müssen vor ihren natürlichen Feinden geschützt werden. Nun ist noch wichtig, alle der etwa 20 Rehe ins südliche Areal zu bringen. Im Gemeinderat hieß es, die Tiere könnten über die niedrigen Zäune springen. 

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