Projekt kostet fast zehn Millionen Euro 

Südumfahrung Maisach: Jetzt wird gebaut

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Nach vielen Jahren voller Kämpfe geht es jetzt los: In der zweiten Januarwoche beginnen die Bauarbeiten für die Maisacher Südumfahrung auf dem Nordteil des alten Flugplatzes. Die Gesamtkosten für die neue Staatsstraße betragen rund 9,66 Millionen Euro.

Maisach Schon seit Anfang November wird im Bereich des Flora-Fauna-Habitat- (FFH)-Geländes gearbeitet: Die Karl-Gruppe ist auf ihren Flächen verstärkt mit dem Rückbau beschäftigt. Der Investor schafft damit die Voraussetzungen für den möglichen Bau einer Trabrennbahn. Zugleich werden die benötigten Ausgleichsflächen entsiegelt.

Von vielen ehemaligen Abstellflächen für Flugzeuge ist bereits der pechhaltige Belag abgefräst und der Beton entfernt worden, wie Amtsleiter Peter Eberlein im Gemeinderat berichtete. Das darunter liegende Material sei im ganz oberen Bereich belastet, weiter unten aber nicht mehr so stark. Das lasse die Entsorgungskosten sinken. Wie stark der Boden im Bereich der künftigen Südumfahrung kontaminiert ist, werde sich noch zeigen müssen: Der Taxiway wurde früher gebaut als die Aufstellflächen.

Kampfmittelexperten und Archäologen

Für die endgültigen Beschlüsse zur Umfahrung hatte Bürgermeister Hans Seidl (CSU) eine Sondersitzung anberaumt – und seinen Vorgänger Gerhard Landgraf dazu eingeladen. Auch dieser beobachtete mit Genugtuung, dass alle vier Beschlüsse einstimmig fielen. Die reinen Baukosten für die Umgehung betragen rund 2,7 Millionen Euro brutto. Der Auftrag ging an eine Firma aus Gilching (Kreis Starnberg).

Das Angebot des Betriebs hatte für Verwunderung im Bauamt gesorgt, da der nächste Bieter mit seinem Preis 23 Prozent darüber lag. Doch bei Gesprächen mit den Verantwortlichen stellte sich heraus, dass die Gilchinger Firma nächstes Jahr einige Baustellen hat, bei denen sie viel Auffüllmaterial braucht. Daher waren für Bodenabtrag und -entsorgung in Maisach sehr niedrige Summen angesetzt worden – die (nicht kontaminierten) Mengen vom alten Flugplatz werden flugs anderswo eingebaut.

Die Karl-Gruppe arbeitet bereits, weil ihre Flächen schon in ihrem Besitz sind. Die Gemeinde dagegen hat noch nicht alle Verträge mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) geschlossen. Dennoch hat die Kommune ab 1. Januar Bauerlaubnis auf dem Flugplatz.

Schon in der zweiten Januarwoche geht es mit den Arbeiten los. Dann beginnen Fachleute mit der Kampfmittelsondierung. Im Zweiten Weltkrieg wurden über dem Flugplatz viele Bomben abgeworfen. Wie viele Trümmer und Blindgänger damals und nach dem Krieg entfernt wurden, wisse man nicht, sagte Bauamtsleiterin Michaela Meinhold. Vor allem der östliche Teil des Flugplatzes sei eine so genannte Kampfmittelverdachtsfläche, da der Taxiway erst nach dem Krieg Richtung Westen verlängert worden sei. Nichtsdestotrotz sondieren die Experten das ganze Gebiet, also rund 80 000 Quadratmeter. Das kostet 20 000 Euro brutto. Für eine mögliche Räumung wird mit weiteren Kosten von rund 20 000 Euro gerechnet.

Zeitgleich mit der Sondierung will die Baufirma mit dem Abfräsen der Flächen und dem Bodenabtrag beginnen. Doch bevor damit gestartet wird, Beton mit einer Art Abrissbirne zu zerschlagen, müssen eventuelle Bombenreste/Blindgänger entfernt sein.

Beim Bau werden etwa 16 000 Tonnen teerhaltiger Straßenaufbruch anfallen. Den entsorgt eine Firma für rund 1,3 Millionen Euro brutto. Amtsleiter Peter Eberlein erklärte im Gemeinderat, dass diese Kosten von der Bima übernommen werden – Stichwort Verursacherprinzip. Die Summe wird, so wurde es verhandelt, vom Kaufpreis abgezogen, den die Gemeinde der Bima für die Flächen zahlt.

Fördergelder wegen Verkehrsentlastung

Bevor dann wirklich die neue Straße auf einem Teil des bisherigen Taxiways gebaut werden kann, müssen noch die Archäologen ran. Ihre Untersuchungen und Grabungen kosten rund 113 000 Euro.

Insgesamt – einschließlich Grunderwerb – kostet die Südumfahrung rund 9,66 Millionen Euro. Etwa 1,2 Millionen Euro dieser Summe sind nicht förderfähig – der Rest aber schon, weil mit der Inbetriebnahme der neuen Staatsstraße laut Gutachten eine deutliche Verkehrsentlastung für Maisach einhergeht. Der Fördersatz wird sich zwischen 60 und 80 Prozent bewegen, genau steht das noch nicht fest.

Bürgermeister Seidl sprach vom teuersten Projekt in der Geschichte der Gemeinde Maisach und erinnerte daran, dass die Umfahrung von Gernlinden damals nur rund fünf Millionen Mark gekostet habe. „Aber die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommune macht die Südumfahrung möglich.“

Bürger fordert Lärmschutzwall

In der Aktuellen Viertelstunde der Gemeinderatssitzung, noch vor den Beschlüssen zum Bau der Südumfahrung, meldete sich ein Bürger zu Wort. Er fragte, warum der früher eingeplante Lärmschutzwall nun doch nicht realisiert werde: „Wir Maisacher südlich der Bahnlinie genießen die Ruhe seit Ende des Flugbetriebs. 

Mit der Umfahrung wird es lauter werden, das ist uns klar. Aber ein Lärmschutzwall würde helfen.“ Amtsleiter Peter Eberlein bestätigte dem Mann, dass noch im Jahr 2010 ein Wall vorgesehen war. Allerdings nur etwa zwei Meter hoch und daher eher als Sicht- denn als Lärmschutz. Denn Gutachten hatten ergeben, dass ein Lärmschutz aufgrund der zu niedrigen Belastung nicht notwendig ist. Den Wall hätte man nur gebaut, um das andernorts am Flugplatz abgetragene Material ortsnah verwenden und eine optische Barriere zur Wohnbebauung schaffen zu können. „Das wäre nur Kosmetik gewesen.“ 

In einem europäischen Naturschutzgebiet sei ein Wall außerdem nicht zulässig, so Eberlein. Hintergrund ist folgender: Zum Schutz seltener Vogelarten – etwa der Feldlerchen, die Bodenbrüter sind – dürfen keine erhöhten Ansitzwarten für Greifvögel geschaffen werden. Daher habe die Gemeinde später – nach Hinweisen der Regierung – den Wall gestrichen. „Mittlerweile sind die Pläne dreimal ohne Wall öffentlich für alle Bürger zur Einsicht ausgelegen.“ Und es gibt noch ein Problem: Für einen gebauten Wall – faktisch ein Eingriff in FFH-Gebiet – hätte die Gemeinde weitere Ausgleichsflächen vorweisen müssen. Und die sind sowieso schon knapp. Wenn nicht genug Ausgleichsflächen nachgewiesen worden wären, wären alle Pläne Makulatur gewesen

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