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Ein handschriftlicher Brief und 45 Euro wurden im Briefkasten des Maisacher Rathauses eingeworfen. Kämmerin Angelika Braunmüller kümmert sich um die Post der Bürgerin, die anonym bleiben wollte. 

Maisach

Tilgung auf besondere Art: So wird man die Pro-Kopf-Verschuldung los

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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  • Tobias Gehre
    Tobias Gehre
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Ein besonderer Fall von Schuldentilgung hat sich in Maisach abgespielt: Eine Bürgerin hat ein Kuvert mit 45 Euro anonym in den Briefkasten des Rathauses geworfen – genau die Summe, die die Gemeinde als Pro-Kopf-Verschuldung angibt. Jetzt habe zumindest sie ihre Schulden beglichen, meinte die Frau. Sie hoffe auf Nachahmer.

Maisach – Auf die Idee gebracht hatte die Frau wohl ein Artikel des Fürstenfeldbrucker Tagblatts Anfang des Jahres: „So stehen die Kommunen finanziell da“ war der Text überschrieben. Es fand sich auch eine Übersicht aller Landkreis-Kommunen mit der Angabe der Pro-Kopf-Verschuldung. Maisach steht bei dieser Position mit 44 Euro – die anonyme Spenderin hatte um einen Euro aufgerundet – recht gut da. Die höchste Pro-Kopf-Verschuldung hat mit 714 Euro die Stadt Germering, im Landkreis sind es durchschnittlich 413 Euro.

Nicht mit Schulden ins neue Jahr gehen

Der handschriftliche Brief, der im Maisacher Rathaus einging, ist nur mit „eine Bürgerin“ unterschrieben. Darin steht, dass man nicht mit Schulden ins neue Jahr gehen solle. Deshalb begleiche die anonyme Absenderin ihr persönliches Minus. Und die Frau fügt hinzu: „Der Bürgermeister und ich würden sich freuen, Nachahmer zu haben.“ Soll heißen: Würde jeder Maisacher 44 Euro zahlen, wäre die Gemeinde schuldenfrei.

Das wird bestimmt nicht passieren, da ist man sich im Rathaus sicher. Trotzdem freute man sich. Das Geld landete schließlich bei Kämmerin Angelika Braunmüller. Die Finanzexpertin der Kommune sieht es als nette Geste. Zur Schuldentilgung wird das Geld aber nicht verwendet. Das wäre viel zu kompliziert. „Wenn wir unsere Darlehen außerplanmäßig tilgen, müsste die Gemeinde eine Vorfälligkeits-Entschädigung zahlen.“ Deswegen sei ein solcher Schulden-Abbau nicht praktikabel.

Die 44 Euro pro Kopf seien übrigens nur „fiktive Schulden“. Die Pro-Kopf-Verschuldung sei aber eine gute Kennzahl, um sich mit anderen Kommunen zu vergleichen. Außerdem fließen die Zahlen ans Landesamt für Statistik. Die Behörde kann daraus einen bayernweiten Durchschnitt ermitteln.

So was hat es nie gegeben

Dass ein Bürger aus der Kommune „seine Schulden“ bezahlen möchte, ist übrigens ein Novum für Kämmerin Angelika Braunmüller. „Ich bin seit 29 Jahren bei der Gemeinde. Aber so etwas hat es bis jetzt nicht gegeben“, sagt sie. Spenden gebe es zwar hin und wieder schon – die seien dann aber für konkrete Projekte, wie etwa für eine Veranstaltung an einer Schule. Für die 45 Euro der unbekannten Gönnerin hat man im Rathaus mittlerweile eine Verwendung gefunden: Das Geld fließt in den Sozialfonds der Gemeinde und kommt damit bedürftigen Bürgern zugute.

Weil sich die Verwaltungsspitze des Rathauses nicht direkt bei der Bürgerin bedanken kann, wird im nächsten gemeindlichen Mitteilungsblatt ein kleiner Artikel über diese Schuldentilgung der besonderen Art veröffentlicht. Darin bedanke man sich bei der anonymen Geberin für die Begleichung der Schulden, heißt es vorab. Und man gebe natürlich auch gerne im Mitteilungsblatt an alle Bürger weiter, dass die Frau den Maisachern ein gutes neues Jahr wünsche.

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