+
Die Kreuzigungsgruppe im Fackelschein: Ortsarchivar Stefan Pfannes (2. v.r.) unternimmt mit den Teilnehmern eine Reise in die Zeit der Kirchenwächter.

Rundgang in Maisach

Auf den Spuren der Kirchenwächter

Mit Fackeln und Laternen haben am Freitagabend rund 50 Teilnehmer eine Reise in die Maisacher Geschichte unternommen. Mit Kulturreferent Stefan Pfannes wandelten sie auf den Spuren der Kirchenwächter.

Maisach Hellebarde, Dreispitz, Horn und Laterne – so stellt man sich einen Nachtwächter vor, der in der Dunkelheit nach dem Rechten im Ort sieht. Zwar trägt Ortsarchivar und Kulturreferent Stefan Pfannes nicht die Garderobe der damaligen Sicherheitsleute. Mit spannenden, lustigen und auch skurrilen Geschichten bringt er die Teilnehmer aber dennoch zum Staunen.

50 Fackeln haben die Veranstalter besorgt und gehofft, zumindest 20 verteilen zu können. Am Ende sind alle vergeben und die Gruppe startet am Rathausplatz ihre Reise in die Vergangenheit Maisachs.

„Man wollte sichergehen, dass niemand Schabernack treibt.“

Pfannes berichtet von der über 1200-jährigen Geschichte des Ortes. So gehörte die Kirchenwacht – früher unabdingbar, heute höchstens eine nostalgische Tradition – damals in vielen Gemeinden zum Alltag. Ein Kirchenwächter ist eine besondere Form des Nachtwächters, erklärt der Kulturreferent. Während die Dorfbewohner die Messe in der Kirche besuchten, war deren Hab und Gut ein gefundenes Fressen für Spitzbuben und Schurken aller Art. „Man wollte sichergehen, dass niemand Schabernack treibt“, sagt Pfannes.

Der weitere Weg führt die Gruppe am Rathaus vorbei und zur nahegelegenen Kirche St. Vitus. Dort räumt Pfannes mit der ein oder anderen Legende auf. Wie etwa der, dass lange Zeit vermutet wurde, Kaiser Ludwig von Bayern läge auf dem Maisacher Friedhof begraben. Auch vor der Kreuzigungsgruppe an der Rückseite des Chors macht der Kulturreferent Halt. Der stürmische Wind der vergangenen Tage hatte sich zum Glück weitgehend gelegt. So taucht der Schein der Fackeln die Szene in ein mystisches Licht.

Kirchenwächter hielten auch nach Feuer Ausschau 

Allerdings waren die Wächter damals nicht nur für die Sicherheit im Ort zuständig. Bei ihren Rundgängen hielten die Hüter auch nach Bränden Ausschau. Je eher sie ein Feuer bemerkten, desto besser konnte es bekämpft und mitunter eine Katastrophe vermieden werden.

Inzwischen ist die Gruppe am Schwimmbad angelangt. Das hatte der Pfarrer bei der Eröffnung 1929 als „Ort der Unzucht“ bezeichnet, berichtet Stefan Pfannes. „Nach drei Wochen gab es hier bereits den ersten Toten – der dann allerdings bis heute zum Glück der Einzige blieb“, sagt der Kulturreferent.

Die nächste Station ist die Hallermühle. Dort gerät Stefan Pfannes ein bisschen ins Schwärmen. „Für mich ist dies hier der schönste historische Fleck in Maisach“, sagt er. Weiter berichtet er über die stillgelegte Mühle, das alte, vielen Bürgern noch bekannte Elektrizitätswerk und die beiden ehemaligen Kinos im Ort. Auch am einstigen Gasthof Schlammerl und dem seit langem geschlossenen Laden Schamberger kommen die Besucher vorbei. Doch bevor die Teilnehmer zu sehr in Melancholie versinken, gibt es eine Stärkung: Ein Stamperl Schnaps – trotz Fastenzeit.

Rundgang endet in der Maisacher Brauerei

Pfannes, der die knapp zweistündige Tour ohne Manuskript meistert, führt seine Gruppe anschließend noch zur Überackerstraße. Hier berichtet er von den vielen ehemaligen Gaststätten und der erst vor wenigen Jahren gefällten Maximilianseiche. Und wie es sich für einen Rundgang in Maisach gehört, endet die Tour an und für einige Teilnehmer später auch in der Brauerei.

Nach der Führung zieht der Ortsarchivar Pfannes ein mehr als positives Fazit. „20 Leute habe ich mir erhofft, 30 gewünscht und viele mehr sind gekommen“.

von Matthias Kast

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Qual der Wahl geht wieder los
Das geht ja schon gut los und macht die Qual der Wahl noch aufregender. Nach nicht einmal ganz dreimonatiger Pause wählen die Fußballfans unter den Tagblatt-Lesern jetzt …
Die Qual der Wahl geht wieder los
Elijah aus Fürstenfeldbruck
Christin und Dennis Wallmann aus Fürstenfeldbruck freuen sich über die Geburt ihres dritten Kindes. Elijah wog am Tag seiner Geburt 3240 Gramm und war 51 Zentimeter …
Elijah aus Fürstenfeldbruck
Er sorgt für Ordnung in den Gemeinde-Archiven
Stefan Pfannes arbeitet in der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, ist Gemeinderat in Maisach und bringt als Archivar Ordnung in so manches staubiges Kämmerlein – jetzt …
Er sorgt für Ordnung in den Gemeinde-Archiven
Eine Stadt aus einer Tonne Legosteine
Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein: Im Rahmen des Ferienprogramms haben 38 Kinder eine ganze Stadt gefertigt – aus Legosteinen. Dabei …
Eine Stadt aus einer Tonne Legosteine

Kommentare