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Die eingestürzte Remise. „Es war ein Schock“, sagt Gabriele Bramante.

Nun droht Streit

Verzwickte Lage nach Remisen-Einsturz in Germerswang

  • Andreas Daschner
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  • Helga Zagermann
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Bernhard März will die Obermühle in Germerswang erhalten. Jetzt ist die Remise halb eingestürzt. Der 71-Jährige hatte diesen Gebäudeteil verkauft, um die Sanierung des Gesamtkomplexes stemmen zu können. Nun droht Streit mit der Besitzerin der Remise um den Wohnbau dort. Auch Rathaus und Landratsamt sind involviert.

Germerswang – Bernhard März lebt seit über 25 Jahren in der Obermühle. Früher war er dort Mieter. Dann, vor fünf Jahren, kaufte er das Anwesen von der Müller-Familie Wagner. „Mein Herz hängt da dran“, sagt er. „Ich bin in einer Bäckerei aufgewachsen und wusste deshalb: Die Mühle muss erhalten und saniert werden.“ Er erwarb das Anwesen und machte sich mit seiner Familie an die Arbeit. 

Bernhard März,in der Gemeinde Maisach auch als SPD-Ortschef bekannt, spricht von „gigantischen Sanierungskosten“. Um das Projekt stemmen zu können, entschied sich der 71-Jährige relativ schnell, die Remise weiterzuverkaufen. 

Die neue Besitzerin, Gabriele Bramante aus Waldkraiburg, wollte diesen Gebäudeteil für sich als Alterssitz ausbauen. Das ist jetzt – nach dem teilweisen Einsturz – wohl nicht mehr oder nur erschwert möglich. Bramante sagt: „Der Einsturz war ein Schock.“

Wohnbau in der Remise: Ausnahmeregelung, um das Ensemble zu erhalten

Die Käuferin fand sich nur deshalb, weil nach langen Gesprächen zwischen Bernhard März, Bürgermeister Hans Seidl (CSU) und der früheren Kreisbaumeisterin Reinhilde Leitz klar wurde: Wohnbau in der Remise wird – nach deren Sanierung – zugelassen. Und das, obwohl die Mühle im Außenbereich liegt. Und im Außenbereich ist privater Wohnbau eigentlich nicht erlaubt. Die damalige Kreisbaumeisterin sah es aber laut Bürgermeister Seidl genauso wie er selbst und Bernhard März: Das Ensemble müsse erhalten werden. Dazu brauche es eine nachhaltige Nutzung. Und daher wurde der Wohnbau in der Remise genehmigt.

Die Obermühle in Germerswang: Bernhard März hat das Gebäude mühevoll saniert. Nun befürchtet er, dass dort gebaut werden könnte.

Die Baugenehmigung für die Remise konnte März vor fünf Jahren noch vor dem Verkauf an die Waldkraiburgerin erwirken. Doch dann passierte erst einmal lange nichts. Vor einigen Wochen starteten schließlich Vorarbeiten – und Mühlenbesitzer März dokumentierte erste Mängel bei den Arbeiten und in der Folge an dem Nebengebäude: ein geöffneter, aber nicht mehr abgedeckter Dachstuhl, bis unter die Höhe des Remisenfundaments gezogene Gräben, fehlende Abstützungen der Außenmauern, Risse in den Wänden. Seiner Meinung nach waren die ausgeführten Arbeiten nicht fachgerecht.

Der 71-Jährige informierte auch den von Bramante mit den Arbeiten beauftragten Gilchinger. Sein Sohn ist Geschäftsführer einer Garten- und Landschaftsbaufirma in München.

Besitzerin: Einsturz der Remise lag nicht an Qualität der Arbeiten

Dieser Darstellung widerspricht Bramante. Sie sagt: „Ich bin selbst Architektin.“ Ihrer Ansicht nach lag der Einsturz nicht an der Qualität der Arbeiten, sondern an der Bausubstanz. Die beiden Gebäudeteile – der hintere aus dem Jahr 1923, der vordere und jetzt eingestürzte aus dem Jahr 1947 – seien baulich nicht verbunden gewesen und lediglich von der Dachrinne und ein paar Dachsparren mit durchgerosteten Nägeln zusammengehalten worden. „Das war in sich nicht mehr stabil.“

Darüber hinaus habe Mäusekot im Gebäude zu Versalzungen geführt. Das Salz habe Feuchtigkeit absorbiert und das Mauerwerk immer weiter zersetzt. Bereits vorhandene Baustützen hätten nicht ausgereicht, um die Einsturzgefahr zu beseitigen. Sie habe beim Kauf nicht gewusst, dass diese Gefahr bereits so groß gewesen sei.

An einem Samstag dann stürzte ein Teil der Remise ein. Bernhard März berichtet: „Bei der Rückkehr vom Einkaufen traf ich auf Polizei und Feuerwehr. Das Unglück war bereits geschehen, ein guter Teil der Fassade zur Maisach hin eingestürzt.“ Die Risse waren wohl größer geworden, ein Teil des Hauses abgesackt. Ein Arbeitstrupp der Landschaftsbaufirma war vor Ort, ebenfalls die Eigentümerin. Schnell war auch Bürgermeister Seidl da.

Wohnen in der Remise: Hier sollte Bramantes Alterssitz entstehen.

Feuerwehr wollte das Gebäude in Germerswang gar nicht mehr betreten

Die Feuerwehr weigerte sich, das Gebäude zu betreten: Es war bereits zu instabil. Von der Gartenbaufirma wurden aus München ein Bagger und Absperrgitter nach Germerswang geschickt. Das bestätigt auch Bramante. Bernhard März wunderte sich, wie schnell die Firma reagieren konnte. Bramante sagt dazu, dass es purer Zufall war, dass man kurzfristig einen Bekannten mit dem Abtragen beauftragen konnte. Nötig sei dies gewesen, weil die Feuerwehr eine sofortige Sicherung verlangt habe. Mit schwerem Gerät wurden die Mauern so zusammengeschoben, dass niemand in Gefahr geraten kann. Der südliche Teil der zweigeteilten Remise ist somit Geschichte, nur der nördliche Abschnitt steht noch.

Mühlenbesitzer März hat nun Angst, dass unerlaubter Weise im Außenbereich gebaut wird – direkt vor seinem sanierten Mühlenensemble. Platz wäre genug, denn mit der Remise wurde ein etwa 7000 Quadratmeter großer Obstgarten an die Waldkraiburgerin verkauft. Und eine Baugenehmigung gibt es ja schließlich auch.

Doch Wohnbau ist nun erst einmal nicht mehr möglich, betont Bürgermeister Seidl. „Die Grundlage für den Wohnbau, nämlich der Erhalt der Substanz der Remise, ist nicht mehr gegeben.“ Er könne sich höchstens vorstellen, dass die Besitzerin den noch stehenden nördlichen Teil saniert und den südlichen rekonstruieren lässt. Dann wäre wohl darin – und nur darin – Wohnbau zulässig. Seidl betont, dass es auch Wunsch der Gemeinde sei, dass die Mühle in ihrer Gesamtheit erhalten bleibt. Zwar steht das Bauwerk nicht unter Denkmalschutz, habe aber ortsprägenden Charakter.

Gabriele Bramante konnte zu ihren künftigen Plänen noch nichts sagen. „Ich werde mich mit der Gemeinde zusammensetzen und dann werden wir gemeinsam in aller Ruhe und Besonnenheit schauen, wie es weitergeht.“

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