Gruppenfoto des Ziegeleipersonals im Jahr 1936. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb nicht mehr aufgenommen .

Neues „Meisaha“-Heft erschienen 

Von der Rottbacher Ziegelei und dem Oberlappacher Bierdurst

Maisach – Der unentwegte Kampf der Oberlappacher ums eigene Bier: Davon erzählt ein Aufsatz im neuen „Meisaha“-Heft zur Gemeindehistorie. Im achten Jahr erscheint die Publikation mittlerweile. Die Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte haben sich in der aktuellen Ausgabe auch der Archäologie und der früheren Rottbacher Ziegelei gewidmet.

Im Pfarrsaal haben die Autoren ihr Werk vorgestellt. Traditionell begann der Abend mit dem archäologischen Teil. Fritz Aneder, Vorsitzender des Arbeitskreises Vor- und Frühgeschichte im Historischen Verein Fürstenfeldbruck, hat sich dem Frühmittelalter in Maisach gewidmet und berichtete von Funden im Baugebiet Maisach-Ost.

Die Flaschenbierhandlung Heggmeier eröffnete 1902: Dadurch saßen die Oberlappacher nicht mehr auf dem Trockenen.

Neben der Entdeckung eines kleinen Friedhofs seien es vor allem Streufunde gewesen, auf die das Ausgrabungs-Team stieß. Aneder mutmaßt, dass es im Laufe der nächsten Jahre noch viele Funde in Maisach geben wird. „Da wird die Gemeinde sich sicher freuen, wenn sie eine Ortserweiterung plant“, sagte er mit einem Grinsen.

Die alte Ziegelei Pschorr auf dem Lenzbauernhof in Rottbach machte sich der Kulturreferent der Gemeinde, Stefan Pfannes, zum Thema. Sein Text erzählt von der Aufnahme des Betriebs 1908 über die Weltwirtschaftskrise 1929, die für den überschuldeten Besitzer letztendlich den wirtschaftlichen Ruin bedeutete, bis hin zur Sprengung des 34 Meter hohen Kamins, dem „Wahrzeichen“ der ehemaligen Ziegelei, im Jahr 1953. „Das war wohl der größtansässige und zugleich erfolgloseste Betrieb damals in Rottbach“, fasste Pfannes das Schicksal der Ziegelei zusammen.

Vom Bierdurst der Oberlappacher und der Sehnsucht nach einer eigenen Wirtschaft handelt die Geschichte, die Anna Ulrike Bergheim recherchiert hat. Demnach hat sich ein gewisser Anton Klotz 1863 die Genehmigung für den Betrieb einer Gaststätte erteilen lassen. Doch weil es der Wirt mit der Sperrstunde nicht so genau nahm und er auch hin und wieder in Raufereien in seinem Wirtshaus involviert war, entzog man ihm schließlich die Konzession. Die Oberlappacher aber sahen es gar nicht ein, für ihr Bier eine halbe Stunde nach Rottbach gehen zu müssen, und so kämpften sie in der Folgezeit vehement für eine eigene Wirtschaft. Was nicht auch zuletzt daran lag, dass die Kleinhäusler über keine eigenen Keller zur Bierlagerung verfügten.

So sah das Ziegeleigebäude um 1936 aus. Der Kamin wurde 1953 gesprengt. Sammlung Pfannes (2)

Das Kriegstagebuch vom damaligen Maisacher Pfarrer Schmidhammer zeigt das unsägliche Leid und die zerstörerische Gewalt des Ersten Weltkriegs. „Die Menschenschicksale interessierten nicht mehr“, sagte ein sichtlich gerührter Jörg Pluta, der sich der Schmidhammer-Chronik gewidmet hat.

Helga Rueskäfer blickt auf „Maisach vor 50 Jahren“, Elfriede Böttcher auf die örtliche Krankenpflege. Eine Besonderheit in der diesjährigen Ausgabe stellt die von Karl Muth zusammengetragene Geschichte vom Einmarsch der amerikanischen Truppen 1945 in Maisach dar, weil Zeitzeugen von ihren Erlebnissen berichten. Diese Gespräche seien besonders wertvoll, sagte Bürgermeister Hans Seidl (CSU).

von Sebastian Öl

Erwerben kann man das Heft für fünf Euro in allen Banken am Ort, am Kuchenstand auf dem Wochenmarkt sowie auf dem Maisacher Advent dieses Wochenende rund um die Mittelschule.

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