Blick von der Straße Am Steinacker auf die Dorfmitte: Landwirtschaftliche Gebäude werden zum Teil abgerissen und durch Geschosswohnungsbau ersetzt.
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Blick von der Straße Am Steinacker auf die Dorfmitte: Landwirtschaftliche Gebäude werden zum Teil abgerissen und durch Geschosswohnungsbau ersetzt.

Bebauungsplan für das Ortszentrum

Wohnen in Malchings Mitte nun geregelt

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Seit Mitte 2017 haben sich der Maisacher Gemeinderat und Planer mit einem Bebauungsplan für die Malchinger Ortsmitte beschäftigt. Nun ist er fertig. Ziel war, den dörflichen Charakter zu erhalten und eine Nachverdichtung nur behutsam zuzulassen.

Maisach – Ein letztes Mal stand das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Vor der Beschlussfassung ging es noch um Fledermäuse und Rauchschwalben, den „Lärm“ der Kirchenglocke und Geruch der nahen landwirtschaftlichen Betriebe mit Hennen und Pferden.

In der Malchinger Mitte – nördlich der Pfarrer-Dippel-, östlich und südlich der Dorfstraße – war vieles vorgegeben: Die Sicht auf Kirche mit Friedhof sollte nicht verstellt, die Blickbeziehung zwischen Maibaum und Kirchturm nicht zerstört werden. Zudem wollte man die typischen Hofsituationen beibehalten. So wird um den denkmalgeschützten ehemaligen Pfarrhof ein Hof geschaffen, die dortigen Kastanien sollen stehen bleiben.

Generell gilt das Gebiet nun als Dorfgebiet. Daher ist das Nebeneinander von Landwirtschaft, Gewerbe und Wohnen möglich. Im westlichen Teil des Areals, also an der Kurve der Dorfstraße im Bereich der alten Dorfwirtschaft (Hausnummer 2) und der Feuerwehr (Hausnummer 4), ändert sich vorerst wohl nichts. Dafür könnten im mittleren Teil bis zum Kirchgrundstück landwirtschaftliche Gebäude abgerissen und durch Wohnbauten ersetzt werden. Laut Bebauungsplan gibt es in diesem Abschnitt bereits vier Wohnungen. In Neubauten könnten bis zu 38 neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen. Maximal 89 neue Einwohner hätten darin Platz. Erlaubt wären auch Einfamilienhäuser, das würde weniger Einheiten und weniger Bewohner bedeuten.

Eine Rauchschwalbe füttert ihre Jungvögel im Nest. (Symbolbild)

Was genau der private Grundeigentümer plant, wird erst bekannt, wenn er einen Bauantrag im Rathaus einreicht. Das ist erst jetzt möglich, nach Fertigstellung des Bebauungsplans und Aufhebung der Veränderungssperre. Das Verfahren samt Bausperre war damals wegen eines Bauantrags von privater Seite gestartet worden.

Planer Frank Reimann sprach vor dem Satzungsbeschluss im Gemeinderat noch über Tiere. Wenn alte Ställe und Gebäude abgerissen werden, fehlt es Rauchschwalben und Fledermäusen an Nistquartieren. Für die Schwalben werden in einer östlich liegenden Reithalle Kunstnester angebracht – soweit Platz ist neben den „natürlichen“ Nestern. Bei den Fledermäusen wird die Umsiedelung schwieriger. Entdeckt worden war ein Wochenstubenquartier der Langohrfledermäuse – davon ist nur ein weiteres im Landkreis bekannt. Zudem haben Zwergfledermäuse ihr Sommerquartier in alten Gebäuden.

Langohrfledermaus: Die Waise wurde von Hand aufgezogen. (Symbolfoto)

Nach Rücksprache mit den Naturschutzbehörden, so Planer Reimann, wird die Umsiedelung der Fledermäuse für genehmigungsfähig gehalten. Die Langohren sollen in die Kirche St. Margareth und in den Dachböden der neuen Häuser unterkommen. Die Zwergfledermäuse bekommen an den Fassaden der neuen Häuser Fledermausbretter oder -flachkästen. Ob die Tiere das annehmen, müssen Untersuchungen alle zwei bis drei Jahre zeigen. Und: Die Bäume an der Böschung müssen für die Tiere erhalten bleiben.

Das liturgische Glockengeläut müssen die neuen Bewohner hinnehmen. Sie würden 25 beziehungsweise in einem anderen Haus sogar 28 Meter entfernt von der Glocke wohnen – eine schon bestehende Wohnung liegt nur 15 Meter entfernt. Der Stundenschlag der Kirchturmuhr (auch nachts) sei kein Hindernis für die Bebauung, wenn zur Kirchenseite hin keine Schlafräume und möglichst wenige Fenster geplant sind. Die Geruchsbeeinträchtigung in dem Areal durch die Legehennen und die Pferde bleiben innerhalb der erlaubten Grenzwerte.

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