Auch um viele Fund-Kaninchen kümmern sich die Tierfreunde Brucker Land in der Tierauffangstation Überacker.

Debatte um Förderung

„Tierfreunde müssen sich reformieren“

Muss die Tierauffangstation in Überacker schließen? Maisachs Rathauschef Hans Seidl will das verhindern. Doch er sagt: Die Tierfreunde müssen sich reformieren.

Maisach – Die Tierfreunde müssen – nachdem die langjährige ehrenamtliche Chefin Heidi Minderlein kürzer treten muss – eine neue Lösung finden für die Arbeit in der Tierauffangstation. Fest steht: Vom Landkreis fließen künftig 7200 Euro an den Verein. Damit kann eine 450-Euro-Kraft zur Pflege der Fundtiere bezahlt werden. Doch die Verantwortlichen des Vereins wünschen sich auch eine Tierheimleitung in Vollzeit und denken dazu an eine pauschale Abgabe von 50 Cent je Einwohner jedes Landkreisortes – zu zahlen von den Kommunen.

Bürgermeister Seidl, zugleich stellvertretender Chef des Gemeindetags im Kreis, betont: „Es ist noch keine Entscheidung gefallen, was den Einmalbetrag pro Einwohner einer Kommune anbelangt.“ In der öffentlichen Diskussion werde das oft falsch dargestellt. Die Landkreis-Bürgermeister hätten noch nicht Nein gesagt – allerdings haben sie der Abgabe auch nicht zugestimmt.

Aufstellung der ungefähren Kosten

Im Moment arbeitet Dr. Hans Werner Merk, Veterinär im Landratsamt, an einer Aufstellung der ungefähren Kosten pro Kommune. Die Frage ist: Aus welchen Orten werden pro Jahr etwa wie viele Tiere in Überacker abgegeben? Laut Seidl zeichnet sich ab, dass die 50 Cent zu hoch angesetzt seien. „Der Betrag müsste extrem nach unten geschraubt werden.“ Für einige Kommunen, aus denen nur selten Fundtiere in Überacker aufgenommen werden, wären zehn Cent richtiger.

Zudem müsste die Abgabe laut Seidl zwischen allen Tierstationen aufgeteilt werden. Denn nicht alle gefundenen Viecherl landen in Überacker. Schlangen, Schildkröten und Echsen zum Beispiel gehören in die Münchner Auffangstation für Reptilien.

Einbuchungen mit Ortsangabe belegen die Arbeit

Den Tierfreunden hilft, dass sie Listen geführt haben, wo die Tiere gefunden wurden. „Diese Einbuchungen belegen ihre Arbeit“, sagt Seidl. Der Bürgermeister spricht von einem „aufopferungsvollem Einsatz“ von Heidi Minderlein und ihrem Team. Zugleich mahnt er an, dass das System in der Auffangstation reformiert werden müsse – „sonst läuft man bei den Bürgermeistern gegen eine Wand“. Die Arbeit müsse „auf ein verträgliches Maß reduziert werden“. Es könne nicht sein, dass man drei bis vier Stellen brauche.

Im Umkehrschluss heiße das, die Tiere müssten schneller vermittelt werden. „Der hohe Anspruch des Tierwohls ist ehrenvoll“, sagt Seidl. Aber wenn jemand, der ein Tier mit nach Hause nehmen wolle, die Empfehlungen des Deutschen Tierschutzbundes (etwa zu Stallgröße und Freilauf) bei sich daheim nicht zu 100, sondern vielleicht nur zu 90 Prozent erfüllen könne, sei das besser als gar nichts.

Die jüngste Aktion der Tierfreunde, die Fundhasen im Olchinger Rathaus (kurzfristig) abgegeben hatten, findet Seidl gut: „Viele wissen gar nicht, wie viele Tiere der Verein aufnimmt.“

von Helga Zagermann

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