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Eine Woche hautnah an der Weltpolitik dran

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Von: Ulrike Osman

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Annegret Krüger  in New York mit Annalena Baerbock.
Erinnerungsfoto mit der Außenministerin: Annegret Krüger (6.v.l.) konnte in New York auch einige Worte mit Annalena Baerbock wechseln, die Deutschland bei den Verhandlungen vertrat. © DFG-VK

Annegret Krüger kämpft für Frieden und Abrüstung. Ihr Engagement führte die 28-Jährige aus Pöcklhof jüngst sogar in die UN-Vollversammlung nach New York. Als Jugenddelegierte durfte sie an der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags teilnehmen.

Maisach – Gemeinsam mit neun Bewerbern aus Deutschland war Annegret Krüger von der Organisation „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK) für die Reise ausgewählt worden. Eine Woche lang durfte die Gruppe die Konferenz verfolgen. „Es war sehr aufregend und spannend“, erzählt die Absolventin des Gymnasiums Gröbenzell.

Interessanter noch als die politischen Statements fand sie die Gespräche mit Delegierten aus anderen Ländern und die Begegnungen mit Menschen, in deren Leben Atomwaffen und ihre Auswirkungen Realität sind. Unter ihnen war ein heute 80-jähriger Überlebender der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki, der sein Leben dem Kampf für eine atomwaffenfreie Welt gewidmet hat.

Sein Schicksal bewegte die 28-Jährige ebenso wie das, was ein junger Abgesandter der Marshallinseln berichtete. Zu der Inselgruppe im westlichen Pazifik gehören das Eniwetok- und das Bikini-Atoll, auf denen zwischen 1946 und 1958 Atomwaffentests durchgeführt wurden. „Die Menschen dort leiden noch immer unter den Folgen“, erzählt Krüger. Neben strahlenbedingten Erkrankungen seien die ökologischen Auswirkungen verheerend. Fische könnten bis heute nicht verzehrt werden. „Die Menschen sind abhängig von Fertigprodukten, was wiederum zum verstärkten Auftreten von Krankheiten wie Diabetes führt.“ Gerade die langfristigen Konsequenzen des Einsatzes von Kernwaffen würden oft verharmlost, kritisiert Krüger.

Und noch eine beeindruckende Begegnung erlebte sie in New York. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock trug im Rahmen der Konferenz den deutschen Standpunkt vor und traf sich anschließend mit der DFG-VK-Delegation zu einem kurzen Austausch mit Fototermin. „Ich fand sie sehr nahbar und erfrischend“, so Krüger, die seit ihrem Master-Abschluss in Bonn lebt und für das Netzwerk Friedenskooperative in der Öffentlichkeitsarbeit tätig ist.

Hinsichtlich des Ausgangs der Überprüfungskonferenz – sie endete am 26. August – hat die studierte Friedens- und Konfliktforscherin keine großen Hoffnungen. „Die Verhandlungen um das Atomabkommen mit dem Iran stocken. Nordkorea testet möglicherweise bald eine neue Atomwaffe. Russland droht offen mit einem Atombomben-Einsatz in der Ukraine, und statt Bemühungen in Richtung nuklearer Abrüstung zu unternehmen, erweitern und modernisieren die Nuklearwaffenstaaten ihre Arsenale.“ Unter diesen Vorzeichen sei kaum damit zu rechnen, dass ein gemeinsames Abschlussdokument verabschiedet werde.

Umso wichtiger findet Annegret Krüger die Stimmen aus der Zivilgesellschaft, die auf Abrüstung pochen. Denn langfristig könne es eine friedliche Welt nur ohne Atomwaffen geben. Dass sich in Deutschland die Stimmung in Richtung der Stationierung nuklearer Waffen zu drehen scheint, erfüllt sie mit Sorge. „Atomwaffen bieten keine Sicherheit. Das Risiko, dass es zu einem Einsatz kommt, ist viel zu hoch.“

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