Serie zur Archäologie im Landkreis FFB

Makabere Panne auf dem Gräberfeld

 Immer wieder haben die Mitglieder des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck (HVF) Gräberfelder ausgegraben – sprich alte Friedhöfe. Dabei gilt es, besonderes Fingerspitzengefühl zu zeigen. Einmal ging das gehörig daneben.

Fürstenfeldbruck – Einige der versierten Hobbyarchäologen arbeiten nicht besonders gern auf Gräberfeldern. Sie kämen sich immer wie Störenfriede der Totenruhe vor erzählen sie im persönlichen Gespräch. Fritz Aneder, Chef der frühgeschichtlichen Abteilung des HVF, teilt diese Scheun nicht – mahnt aber zu Pietät. „Man sollte die Skelette schon als Tote achten und nicht aus den Augen verlieren, dass das schließlich einmal Menschen waren.“ Ungebührliche Witze oder ähnliches verböten sich da bei der Arbeit von selbst.

Eine der Geschichten, die sich Insider immer wieder gerne erzählen passierte dann auch echt aus Versehen, und ist dem Akteur bis heute ziemlich peinlich. Es passierte auf einem großen Gräberfeld bei Emmering (siehe unten).

Viele Beigaben wurden geraubt

Die Aktiven des HVF waren ziemlich frustriert. In den meisten Gräbern fanden sie kaum Beigaben. Alle waren schon vor langer, langer Zeit geraubt worden. „Vielleicht von Verwandten, die sich den Familienschmuck wiederholten“, mutmaßt Fritz Aneder. Ein Grab war besonders tief. Vielleicht hatte man den Toten so gründlich verscharrt, weil er ein armer Schlucker, und bei ihm nichts zu holen war.

Der Ausgräber stand schon so tief in der Grube, dass er nicht mehr herausschauen konnte. Da setzte er zu einem besonders kräftigen Hieb mit der Hacke an. „Menschen begruben ihre Toten damals in Ost-West-Richtung, er dachte also, er ziele auf einen Fleck, unter dem höchsten die Zehen liegen konnten“, erklärt Aneder. Tatsächlich traf der Ausgräber den Schädel des Toten. „Genau zwischen die Augen. Es muss ein ganz hässliches Geräusch gegeben haben.“

Untersuchung der Knochen sehr teuer

Offenbar war doch auch dieses Grab schon einmal geöffnet worden. Die Knochen des Skeletts lagen völlig durcheinander. Kleiner Trost für den Ausgräber und seine Mitstreiter: In einigen Gräbern wurden doch noch Grabbeigaben gefunden, die es teilweise in sich hatten.

Die Grabbeigaben sind einer der Gründe, warum es Archäologen immer wieder auf die Friedhöfe längst vergangener Epochen zieht: Aus den Gegenständen können sie wichtige Schlüsse auf das Leben und die Gebräuche der Menschen der entsprechenden Epoche ziehen.

Auch Knochen können viel verraten: Etwa an welcher Krankheit eine Person gestorben ist. Die Untersuchung der Knochen ist allerdings sehr sehr teuer. Zum Beispiel die so genannte Stronzium-untersuchung der Zähne. Sie kann zeigen, wo der Tote geboren wurde, ob er in diesem Gebiet auch gelebt hat, oder weit gewandert ist.

Dem Historischen Verein bleibt häufig nur zu hoffen, dass Studenten oder Professoren sich für ihre Funde interessieren, und die nötigen Mittel auftreiben, um sie zu untersuchen. Kistenweise Knochen, die auf eine genauere Begutachtung warten, lagern in den Depots des Landesamtes für Denkmalschutz. Und die werden immer voller.

„Mit dem Bauboom und den vorgeschriebenen wissenschaftlichen Untersuchungen der Areale werden immer mehr Fundstücke abgeliefert“, erklärt Aneder. Der Berg an unerledigter Arbeit wächst und wächst.

Die Dame aus Emmering

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Emmering war schon sehr früh besiedelt. Erste Funde datieren etwa aus 1200 vor Christus. Die größte archäologische Grabung in Emmering betraf aber ein Gräberfeld mit 580 Gräbern. Viele davon wurden bereits in grauer Vorzeit von Grabräubern ausgeräumt. In anderen fanden die Archäologen interessante Stücke. Besonders aufschlussreich war die letzte Ruhestätte einer Frau. Sie wurde zwischen 480 und 530 nach Christus bestattet. Man muss die Verstorbene wohl eher als Dame bezeichnen. Sie war 40 bis 60 Jahre alt, als sie zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ihr wurden eine eiserne Gürtelschnalle, drei größere Gehängeperlen, zwei aus Bernstein, eine Silbermünze und zwei wertvolle Kleinfibeln ins Grab mitgegeben. 

Fibeln hielten Kleidung zusammen, ähnlich wie Sicherheitsnadeln oder Broschen, dienten aber auch als Schmuck. Die Fibeln der Emmeringer Dame zeigen zwei Vögel in Seitenansicht. Sie sind 2,3 Zentimeter groß und bestehen aus feuervergoldetem Silber. Eine Punktverzierung auf dem Leib soll das Gefieder andeuten. Augen, Schwanz und Füße wurden aus roten Alandinen gefertigt, die zur Gruppe der Granatsteine gehören. Um deren Wirkung zu steigern, sind sie mit Goldfolie hinterlegt. Der Goldschmied, der die Vogelfibeln dereinst fertigte, muss hoch spezialisiert und erfahren gewesen sein. Kleine Fibeln wurden in der älteren Merowingerzeit an Hals, Brust oder Schultern getragen. Im Grab lagen die Vogelfibeln im Halsbereich

BodenSchätze

Von 2. bis 27. September sind alle Objekte in einer Ausstellung im Landratsamt zu besichtigen. Den Flyer mit mehr Informationen gibt es im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de zum Herunterladen. Es gibt auch ein allgemeinverständlich geschriebenes Buch zur Ausstellung zu kaufen. Außerdem bietet der Historische Verein einstündige Führungen für Gruppen von fünf bis 20 Personen an. Interessierte können sich per E-Mail an Fahrten@hvf-ffb.de wenden.

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