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Ein Pferd aus Holz: Weil sich Enkelin Lisa (8) ein Reittier wünschte, hat ihr Opa Rudolf Girnghuber (76) die braune „Vera“ gezimmert. 180 Arbeitsstunden stecken in dem Stück.

Es darf im Kinderzimmer wohnen

Opa schenkt Enkelin ein Pferd in Lebensgröße - aus Holz

Mammendorf – Rudolf Girnghuber (76) hat seiner Enkelin Lisa schon vor Weihnachten eine ganz besondere Freude gemacht. Die Achtjährige hatte sich ein Pferd gewünscht. Und der Opa hat ihr eines geschenkt, das sogar im Kinderzimmer wohnen darf.

Das stolze Ross namens „Vera“ hat der 76-Jährige eigenhändig gezimmert. Die Drittklässlerin Lisa ist seit Jahren begeisterte Hobbyreiterin. Ihr größter Traum: ein eigenes Pferd. „Sie hat immer gesagt: ’Opa, du musst im Lotto gewinnen und mir dann ein Pferd kaufen’“, erzählt Rudolf Girnghuber. Weil der Lottogewinn aber ausblieb, hatte Lisa eine neue Idee. „Bau mir doch ein Pferd“, schlug sie ihrem Opa vor, der gelernter Schreinermeister ist. Und weil Opa Rudolf seiner Enkelin keinen Wunsch abschlagen kann, machte er sich im Sommer an sein Projekt. Vor etwa 20 Jahren, als er noch technischer Leiter des Völkerkundemuseums in München war, hatte er schon einmal ein Pferdegerüst gebaut. Damals wurde darauf ein Sattel im Museum ausgestellt.

Vier Monate lang werkelte der Mammendorfer diesmal an dem Hottehü aus Holz – mehr als 180 Arbeitsstunden stecken in dem Holzpferd. Es ist stattliche eineinhalb Meter lang und hat eine Schulterhöhe von einem Meter. Leim hält das Holz zusammen. „Der Körper ist innen hohl, damit es nicht so schwer ist“, erklärt der 76-Jährige. Wegen des Gewichts hat er sich extra afrikanisches Abachi-Holz besorgt. Das ist besonders leicht und wird oft im Modellbau verwendet. Mit einer elektrischen Kettensäge nahm er die gröberen Arbeiten vor. Als Modell dienten Opa Rudolf kleine Spielzeugpferde, die Enkelin Lisa ihm geliehen hatte. Und noch einen Vorteil hat der Kamerad aus Holz: Man kann sich das Striegeln sparen.

Weil Opa Rudolf ihn mit Wachsbeize behandelt und auf Hochglanz poliert hat, glänzt er immerzu. Mähne und Schwanz hat sein Schwiegersohn, Lisas Papa Stefan, im Internet bestellt. „Heutzutage gibt es da ja alles zu kaufen.“

Obwohl Vera kein echtes Schmerzempfingen kennt, durfte Opa Rudolf ihr kein Brandzeichen verpassen. Stattdessen bat Lisa ihn, dem Pferd ein Namensschild zu zimmern. Seine Enkelin ist „schrecklich begeistert“ von ihrem Pferdl, sagt der Opa. Auch wenn Vera auf Rollen steht: Ausreiten kann Lisa nicht. „Es ist nicht wetterfest, bei Feuchtigkeit verzieht sich das Holz und springt“, erklärt der Opa. Dafür hat er aber noch eine kleine Überraschung im Bauch des Pferdes versteckt. „Weil es innen hohl ist, kommt da ein kleiner Tresor rein.“ Da kann seine Enkelin dann ihre Geheimnisse verwahren.

Ruth Konrad

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