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Absage aus Ministerium: Stundentakt erst 2026 möglich

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Beispielfoto © Oliver Bodmer

Es ist ein Auf und Ab der Gefühle für die nordwestlichen Gemeinden im Landkreis, die einen Stundentakt für Regionalzüge möchten. Die neueste Aussage der Staatsregierung: Stündliche Zughalte sind erst mit der zweiten S-Bahn-Stammstrecke möglich.

Hattenhofen/Althegnenberg/Mammendorf  –  Alfred Beheim, Geschäftsführer des Verkehrsausschusses der nordwestlichen Gemeinden, kämpft seit Jahren um einen Stundentakt für die Zughalte Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf. Im Februar schien es voranzugehen: Der Landtag billigte eine Petition, in der dem Ansinnen grundsätzlich stattgegeben wurde. Im November kommt jetzt die kalte Dusche: Das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr betont schriftlich, für den Stundentakt sei die zweite S-Bahn-Stammstrecke nötig. Das habe eine Prüfung durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ergeben. Die bestehenden „infrastrukturellen Kapazitäten“ erlaubten den Stundentakt jetzt noch nicht. Insbesondere verweist das Ministerium auf die Engpässe Pasing und Augsburg-Hauptbahnhof.

Schon wieder ein Rückschlag für die drei Gemeinden. „Irgendwas hat es immer gegeben“, sagt Beheim, der solche Vertröstungen zur Genüge kennt. 1998 sei erstmals der Stundentakt versprochen worden.

Beheim versteht die neue Begründung nicht: „Die Züge, die wir zum Halten bringen wollen, sind ja sowieso unterwegs.“ Sollten sie an den drei Bahnhöfen stoppen, wären sie maximal vier, fünf Minuten später in Augsburg.

Wie zur Entschuldigung verweist das Ministerium auf die schon bekannten fünf neuen Abfahrtszeiten, die es spätestens ab Mitte Dezember gibt. „Weitere zusätzliche Halte können im jetzigen System definitiv nicht untergebracht werden“, heißt es dann.

Die fünf neuen Halte seien erfreulich, meint Beheim. Aber der Stundentakt sei unabdingbar. „Wir sind nicht illusionär“, betont er. Man fordere ja keinen Regio alle halbe Stunde. Beheim verweist auf die anwachsenden Bevölkerungszahlen und die Pendler, die sich in München keine Wohnung leisten können.

Der Verkehrsausschuss wird die Absage des Ministeriums jedenfalls nicht hinnehmen. „Wir geben keine Ruhe“, kündigt Beheim an. Mit den Bürgermeistern von Althegnenberg und Hattenhofen bleibt er dran. Die Stimmkreisabgeordneten im Landtag sollen Druck machen, ein Brief an den neuen Verkehrsminister wurde abgeschickt. Warten bis zur Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke im Jahr 2026 will man nicht. Und die Stimmungslage bei Alfred Beheim? „Kämpferisch. Nach wie vor.“

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Bei der Staatsregierung klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Schön, wenn Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung sagt, er wolle einen flächendeckenden Stundentakt im Schienenpersonennahverkehr. Tatsache ist aber, dass alle bayerischen Regierungen es seit langem verschlafen haben, die Infrastruktur entsprechend auszubauen. Das fällt nicht ihnen, sondern den Menschen zwischen Augsburg und München auf die Füße. 

Jetzt sollen die Betroffenen nochmal acht Jahre lang warten. Es ist ein Armutszeugnis für Bayern, wenn es am extrem prosperierenden High-Tech Standort München nicht ausreichend Kapazitäten für Regios, Güterverkehr und S-Bahn gibt. Besonders die abgehobene Art der Verantwortlichen ist aufreizend. Anstatt Fehler einzugestehen, setzt man sich nur höchst widerwillig mit dem Anliegen von Althegnenberg, Hattenhofen und Mammendorf auseinander. Die Absage kommt in einem schlanken Briefchen. Die Landtagsabgeordneten aus dem Stimmkreis müssen dem Verkehrsministerium jetzt gehörig auf die Nerven gehen, um den Stundentakt nicht einfach untergehen zu lassen. (Fabian Dilger)

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