Ribéry-Hammer! Drastische Maßnahme gegen Bayern-Star nach Watschn

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Serie: Häusergeschichten (4)

Bauernhof des Urgroßvaters wieder wie neu

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Die Familie Reindl hat aus einem alten Bauernhaus, an der Bahnhofstraße 29 in Mammendorf, im Schweiße ihres Angesichts ein schmuckes Wohnhaus gemacht. Viele Freunde und Verwandte haben dabei geholfen – und ein Sturm.

Mammendorf Zehn Jahre lang stand der elterliche Hof leer, erzählt Margit Reindl. Sie und ihr Mann Josef hatten 1990 geheiratet und waren damals ins neue eigene Haus nebenan eingezogen. Ein Jahr später dann auch die Eltern von Josef Reindl. „Den Anstoß zur Sanierung gab eigentlich meine Schwester Renate“, berichtet Margit Reindl, die als Altenpflegerin in Marthashofen bei Grafrath arbeitet. Bei einem Besuch hatte ihre Schwester einen Blick aus dem Fenster zum elterlichen Anwesen geworfen und gemeint: „Margit, daraus könntest du ein Schmuckstück machen.“

Anwesen wurde1883 errichtet

Fortan ließ der Gedanke das junge Ehepaar mit den beiden Söhnen Josef und Maximilian nicht mehr zur Ruhe kommen. „Ich habe 17 Jahre im neuen Haus gelebt, aber mich eigentlich nie wirklich daheim gefühlt“, beschreibt Josef Reindl seine Gefühlslage nach dem Auszug aus dem elterlichen Bauernhaus. Und seine Frau ergänzt: „Jedes Mal, wenn ich jetzt die Treppe im Haus heruntergehe, dann weiß ich, dass wir alles richtig gemacht haben.“ Auch sie, die aus einem landwirtschaftlichen Hof aus Alling stammt, konnte sich ein Leben ohne Garten und Natur nicht vorstellen.

Das landwirtschaftliche Gebäude war 1883 errichtet worden. Im Jahr 2000 ging dann das Unternehmen „Sanierung des Elternhauses“ los, mit dem Rückbau der Fenster. Die Familie hatte Befürchtungen, der Denkmalschutz könnte ihnen womöglich einen Strich durch die Rechnung machen. Doch das passierte nicht. Vielleicht auch deswegen, weil seine Eltern das Haus in den 1970er-Jahren schon einmal saniert hatten: Es wurden größere Fenster eingebaut, die vielleicht den historischen Charakter des heute 135 Jahre alten Bauernhauses schon entscheidend beeinflussten.

„Unser Vorhaben, das Haus wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen, stellte eine große Herausforderung dar“, berichtet Schreiner Josef Reindl rückblickend. Nachdem wieder kleinere Fenster und Fensterläden eingebaut worden waren, ging man daran, die ans Haus angrenzenden Stallungen „auszumisten“. Rund 300 Tonnen Bauschutt mussten abtransportiert werden, nachdem Böden herausgerissen, der Putz von allen Wänden geschlagen und die verputzten Strohmatten von den Decken heruntergehauen worden waren. Das Haus wurde sozusagen komplett entkernt, wobei an der bestehenden Anordnung der Räume im Großen und Ganzen festgehalten wurde.

Mächtige Tanne bereitet Kummer

„Wir durchschritten so manches Tal“, erinnert sich Josef Reindl. „Es ging nicht immer nur aufwärts.“ Denn die Familie war im Jahr 2000 stolz darauf, schuldenfrei zu sein – da wurde mit dem alten Bauernhaus ein neues Fass aufgemacht. Deshalb war sein Vater Josef Reindl zunächst gegen die Sanierung. „Dann aber war auch er begeistert“, berichtet der Sohn.

Kummer bereitete eine mächtige Schwarzwaldtanne, die keine drei Meter vom Hauseck entfernt stand. Ihr Schatten machte die Wohnküche sehr dunkel. „Die Tanne hätte ich am liebsten gefällt“, gesteht Margit Reindl. Doch den Baum hatten die Schwiegereltern vor vielen Jahren aus dem Schwarzwald mitgebracht. Er war sozusagen ein Heiligtum. Am zweiten Weihnachtstag 1999 aber, Sturm Lothar wütete gerade im Landkreis, saß die gesamte Familie bei Kaffee und Kuchen im Haus nebenan zusammen, als der Orkan die Tanne entwurzelte. Quer zwischen den beiden Häusern lag der entwurzelte Baum und hatte zum Glück keinen größeren Schaden angerichtet. „Der liebe Gott hat es geregelt“, meint Margit Reindl dazu mit einem Lächeln.

„Es ist ein Unterschied, ob einer allein eine Idee hat, die dann umgesetzt wird, oder ob die gesamte Familie ein Ziel verfolgt“, meint Josef Reindl rückblickend. Er fügt hinzu: „Wir haben immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Leut’ kennengelernt, die uns weitergeholfen haben.“ Alle Entbehrungen, die die Familie auf sich genommen hat, sind nun vergessen. Jetzt, wo alles fertig ist, gibt einem das etwas, sagt Josef Reindl: „Unsere Ladestation ist nun daheim.“ Nicht umsonst steht am Türschild „Paradies“.

Durch ästhetisches Gespür und Respekt vor alter Bausubstanz hat die Familie mit vielen fleißigen Verwandten und Freunden sowie Mauerer Schorsch dem Bauernhaus in der fünfjährigen Umbauphase neues Leben eingehaucht. Und auch die Ehe hat die stressige Zeit unbeschadet überstanden, auch wenn es schon kräftig gekracht habe, wie Margit Reindl sagt. „Allerdings ging’s dabei stets nur um unterschiedliche Auffassungen in der Sache.“ Die Landwirtschaft hat das Ehepaar übrigens heuer an die beiden Söhne übergeben, die im Nachbarhaus wohnen.

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