Aus dem Geichtssaal

Betrunkener Lkw-Fahrer kracht in Zaun

Stehen Angeklagte vor dem Richter, entwickeln sie zuweilen eine erstaunliche Kreativität, wenn es um die Erklärung ihres Fehlverhaltens geht. So auch ein Lastwagenfahrer, der im Juni 2016 mit seinem Brummi erst den Zaun der BayWa in Mammendorf niederwalzte und anschließend in eine Mauer krachte.

Mammendorf – Schuld daran sei ein Hustenanfall gewesen, erklärte er. Vor dem Brucker Amtsgericht kam der Mann mit dieser Version freilich nicht durch – Richter Johann Steigmayer machte für den Husarenritt des 57-Jährigen vielmehr die über zwei Promille Alkohol verantwortlich, die er im Blut hatte. Die Strafe fiel entsprechend drastisch aus: Zehn Monate Haft auf Bewährung sowie zwei Jahre Führerscheinentzug. Zusätzlich muss der Fahrer 1000 Euro Schadenersatz an seinen ehemaligen Chef zahlen. So hoch war dessen Selbstbehalt an der 60 000 Euro teuren Reparatur des Lkw.

Der Mann aus dem westlichen Landkreis fuhr an jenem Tag für einen Mammendorfer Containerdienst Papier und Alteisen zu verschiedenen Recyclingfirmen im Großraum München. Um kurz vor 6 Uhr morgens habe er sich an einer Tankstelle zwei Bier für die Brotzeit und die Mittagspause gekauft. Mehr habe er während der Arbeitszeit nicht getrunken, beteuerte der gelernte Koch und Metzger.

Einen Träger Weißbier, der neben ihm auf dem Beifahrersitz stand, habe er nach Feierabend mit nach Hause nehmen wollen. Nur eine Flasche habe er schon aufgemacht. Steigmayer konnte sich eine ironische Bemerkung nicht verkneifen. „Damit es atmen kann?“, fragte der Jurist.

Wie genau es zu dem Unfall kam, dazu hatte der 57-Jährige seine ganz eigene Version. Der unter Asthma Leidende behauptete, er habe den Lkw hinter der BayWa abstellen wollen und beim Rangieren den Zaun beschädigt. Dann habe ihn nach einer Zigarette der Hustenanfall überkommen und er sei ohnmächtig geworden. „Danach weiß ich gar nichts mehr.“

Sein Chef wusste dafür umso mehr zu berichten – nämlich dass der 57-Jährige schwankend und lallend im benachbarten Büro der Containerfirma aufgetaucht sei. Anschließend beobachtete der Chef, wie der Fahrer den Kasten Weißbier aus dem Lkw holte – die Hälfte der Flaschen sei bereits geöffnet gewesen. Trotzdem habe sich der Mann noch in sein Auto gesetzt und sei nach Hause gefahren. Als wenige Stunden später die Polizei bei ihm klingelte, öffnete der Mann die Tür mit einer Bierflasche in der Hand – und über zwei Promille Alkohol im Blut. Die wollte er sich allerdings erst zu Hause angetrunken haben.

Dass er betrunken am Steuer gesessen habe, stritt der Mann ab – selbst nach dem Hinweis, dass die Aktenlage eindeutig sei und sich ein Geständnis günstig auswirken würde. Doch der mehrfach Vorbestrafte blieb bei seiner Version. (os)

Rubriklistenbild: © dpa

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