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Benjamin Miskowitsch (Mitte) folgt Reinhold Bocklet (links) als Direktkandidat nach. Der Landrat übergab Blumen.  

Nominierung im Stimmkreis Bruck-Ost

CSU schickt 33-Jährigen aus Mammendorf ins Landtags-Rennen

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Der Jüngste unter den Bewerbern hat das Rennen gemacht: Benjamin Miskowitsch (33) aus Mammendorf wird bei der Landtagswahl im Herbst für die CSU als Direktkandidat im Stimmkreis Bruck-Ost kandidieren. Er setzte sich bei der Delegiertenversammlung in der Stichwahl gegen Oliver Simon (39) aus Germering mit 66:60 Stimmen durch.

Mammendorf–  Der Jubel im Miskowitsch-Lager unter den 128 Delegierten im Bürgerhaus war riesig, als CSU-Kreis-Chef Karmasin das Ergebnis verkündete. Umarmungen und Gratulationen folgten zuhauf.

Miskowitsch hatte in seiner Bewerbungsrede – er war per Los zum Letzten im Vierer-Reigen bestimmt worden – auf Inhalte verzichtet. Die zugeteilten fünf Minuten, sagte er, reichten nicht aus, um auch nur einem Thema gerecht zu werden. Er verwies auf spätere Gespräche in den Ortsverbänden, und warb für sich als Kandidat mit dem nötigen Verstand, der die Menschen liebe und das Herz am richtigen Fleck habe. Sein Motto: Bauch, Herz und Hirn gleichzeitig. Miskowitsch kündigte an, auch nach einer möglichen Wahl zum Landtagsabgeordneten in der Kommunalpolitik (Gemeinderat, Kreistag) bleiben zu wollen, seinen Beruf als Leiter beim Kreisboten dann aber aufzugeben.

Miskowitsch brachte es durch seinen Dank an Frau und Familie sowie mit dem Dank an den Westkreis-Abgeordneten Alex Dorow, der die Vorstellungsrunden in den Wochen vorher moderiert hatte, auf zwei Zwischen-Beifälle. Er toppte damit (spontan?) Oliver Simon, der kurz zuvor mit dem Dank an seine Frau immerhin einen Zwischenapplaus erhalten hatte. Simon sprach in seiner Rede verschiedene Themen an, betonte aber auch, dass er vom Landtag träume, seit er als Ministrant mit einer Besuchergruppe im Maximilianeum gewesen sei. Sein Motto lautete „Dasein, zuhören, handeln.“

Der Olchinger Bewerber Andreas Hörl (41, Polizist) verwies erneut auf sein Spezialgebiet Innere Sicherheit („Wir müssen wissen, wer im Land ist, zur Not mit Fingerabdrücken“) und auf die Wohnungsproblematik. Die einzige Frau im Kandidatenreigen, Gabriele Dietrich (52) aus Egenhofen, sprach in ihrer Vorstellung sehr schnell und brachte damit so viele Aspekte wie nur möglich unter. Als das Wichtigste habe sich in ihren Gesprächen mit Leuten immer das Thema Zuzug erwiesen, sagte die Juristin. Dieser müsse reguliert werden, wobei die CSU weder das „C“ im Namen noch das „S“ vergessen dürfe. Dietrich erhielt im ersten Wahlgang 13 Stimmen, Hörl 14, Miskowitsch 47 und Simon 53, was aber nicht für die erforderliche absolute Mehrheit reichte und die Stichwahl erzwang, in der er unterlag.

Simon, dem manche Beobachter die größte Chance nachgesagt hatten, Nachfolger Reinhold Bocklets zu werden, berichtete am Tag danach im Internet-Netzwerk Facebook, bereits wieder an einer Sitzung der Germeringer Stadtratsfraktion teilzunehmen („Das Leben geht weiter“) und dankte später für viele aufmunternde und tröstende Worte. Miskowitsch seinerseits räumte noch am Freitagabend im Internet unzählige Zuspruch-Bekundungen ab – und nahm am Tag nach dem Sieg zusammen mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler an einem der bei Vereinen derzeit sehr beliebten und in Facebook oft humorig geteilten Kalt-Wasser-Grill-Events teil.

Stehender Applaus für den Noch-Abgeordneten

Reinhold Bocklet, der nicht mehr als Direktkandidat antritt und über dessen Nachfolge daher zu entscheiden war, gehört dem Landtag seit 24 Jahren an. In seiner Rede (Bericht über die vergangenen fünf Jahre) ging er auf die Differenzen zwischen CSU und CDU ein. Hätte es schon vor der Wahl den jetzt gefundenen Konsens gegeben, so Bocklet, wäre sie anders ausgegangen.

 Als für die Region zentrale Themen griff Bocklet zwei heraus: Den Straßenbau und („noch wichtiger“) die Eisenbahn. Ersterer werde in der dicht besiedelten Region zu recht kritisch betrachtet. Man müsse froh sein, einiges erreicht zu haben. 

In Bahn-Angelegenheiten folge aus den Sondierungsgesprächen in Berlin die große Wahrscheinlichkeit, dass künftig nicht nur Mittel für die zweite Stammstrecke in München zur Verfügung stünden, sondern auch für andere Vorhaben in der Region. „Was mich am meisten ärgert, ist, dass man so langsam vorankommt“, sagte Bocklet insgesamt über Bahnprojekte. Seinem Nachfolger wünschte er hier „hohe Stress- und Frustrationstoleranz“.

 Landrat Karmasin wollte Bocklet jetzt noch nicht richtig verabschieden, da er ja noch ein halbes Jahr im Amt sei und dieses zweifellos nutzen werde. Reinhold Bocklet („Es war schön, es ist etwas vorwärtsgegangen“) wurde von den Delegierten mit lang anhaltendem, stehendem Applaus bedacht. (st)

Kommentar: 

Näher zu den Menschen, raus an die Stammtische, dem Volk mehr aufs Maul schauen: Das sind in der aktuellen politischen Großwetterlage die Anforderungen, die die CSU an sich selbst stellt. So betrachtet mag es gar nicht all zu sehr verwundern, dass die Delegierten mehrheitlich denjenigen zum Stimmkreis-Kandidaten in Bruck-Ost wählten, der bodenständiger und volksnäher wirkte als sein Konkurrent in der Stichwahl. 

Benjamin Miskowitsch verfügt über unzählige Kontakte in Vereinen und in Organisationen des Rettungswesens – das mag ihm geholfen haben genau wie die Tatsache, dass er eben kein Jurist ist. Er wurde wahrgenommen als der Kandidat, der unverstellter und direkter auf die Sorgen der Menschen zu blicken und sie zu verstehen vermag. Ob das der Realität entspricht und welche Wirkmacht er im Landtag entfalten kann, muss und wird sich zeigen. 

Der Kreis-CSU war es wichtig, dass keiner der vier verbliebenen Bewerber beschädigt aus dem Rennen um die Kandidatur hervorgeht. Das ist gelungen – die unterlegenen Bewerber können mit erhobenem Haupt zurückblicken, auch wenn aus ihrer Sicht eine große Chance verstrichen ist. Denn die Wahl innerhalb des Ost-Kreises war eine wichtige Vorentscheidung für den Herbst. Dass der CSU-Kandidat dann das Direktmandat holt, gilt nämlich als höchst wahrscheinlich. (st)

Das war die Erstmeldung vom Freitagabend. Mehr zur Landtagswahl und zu den Bewerbern der anderen Parteien finden Sie hier



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