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Schlepperfahren ist oft Millimeterarbeit.

Erntefahrzeuge auf Landstraßen

Zu breit, zu laut, zu langsam – aber nötig

Jetzt sind sie wieder unterwegs: die Erntefahrzeuge – nicht immer zur Freude der Autofahrer. Denn die langsamen Riesengefährte ziehen oft lange Schlangen hinter sich her. Die Fahrer in den Führerständen der landwirtschaftlichen Maschinen haben gleichzeitig einen ganz anderen Horror: Den vor riskanten Überholmanövern.

Mammendorf/Egg Sie sind groß und breit, sie sind laut und nach Meinung von Außenstehenden oft viel zu schnell in den Ortschaften unterwegs. Dabei ist es gar nicht so leicht, so ein Riesending mit übermannshohen Reifen durch die Gegend zu steuern. Der Brucker Maschinenring hat deshalb ein Fahrtraining initiiert. Rund 60 Schlepperfahrer kamen. Sie frischten ihre Theoriekenntnisse auf und machten praktische Fahrübungen.

Wenn die breiten Schlepper mit Hänger oder gar Mähdrescher und Maishäcksler auf Straßen unterwegs sind, bleibt entgegenkommenden Fahrzeugen oft nicht mehr viel Platz auf ihrer Spur übrig. „Viele Fahrzeuge bremsen zu spät ab, manche verreißen das Lenkrad“, erzählt Ackerbauer Ludwig Märkl aus Wenigmünchen. Solches Verhalten sei keine Ausnahme, er beobachte es fast täglich.

Oft müssen Erntefahrzeuge die Landstraßen sogar benutzen

Landwirt Michael Klaß aus Türkenfeld wird oft gefragt, warum Bauern denn nicht die breiten Radlwege neben den Bundesstraßen benutzen. Doch das ist gar nicht so leicht. Maschinenring-Vorsitzender Gregor Grill erklärt, warum Erntefahrzeuge die Landstraßen oft sogar benutzen müssen: „Viele sogenannte Wirtschafts- oder Radlwege sind von der Tonnage her gar nicht für schwere Maschinen geeignet oder zugelassen.“

Bei genervten Autofahrern wirbt Michael Klaß um Verständnis für die Schlepperfahrer: „Natürlich fahren wir zur Seite, wenn das möglich ist, allerdings gibt es oft keine Ausweichmöglichkeit, die groß genug ist.“

Bei Unfällen trifft die Landwirte meistens eine Teilschuld

Natürlich wurde beim Kurs auch Theorie gebüffelt. Willi Müller aus Malching kam mit seinen Lehrlingen Franz, Johannes und Benedikt.

Für den sogenannten T-Führerschein (für Traktoren für Fahrer ab 16 Jahre) müssen Erntehelfer oder Landwirte fünf Praxis- und zehn Theoriestunden absolvieren. Bei der Ausbildung werden auch die Themen Rücksicht, Verkehrssicherheit und Straßenverkehrsordnung behandelt. Bei so manchem Bauer ist die Prüfung aber schon ein Weilchen her: „Ich habe heute in Sachen toter Winkel und Bremsweg mein Wissen aufgefrischt“, sagt Kartoffelbauer Willi Müller aus Malching, der mit seinen drei Lehrlingen Franz, Johannes und Benedikt zum Training gekommen ist.

Beim Praxistraining gilt es einen engen Parcours zu durchfahren. Im Selbstversuch testeten die Landwirte, wie laut ein Erntefahrzeug bei 30 Stundenkilometern auf Passanten wirkt. Manche gingen in die Knie, um das ganze aus Sicht eines Kindes zu erleben.

„Trotz Umsicht kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen – wir sind ja bei der Kartoffelernte Tag und Nacht, manchmal auch bei Nebel unterwegs.“ Ständig müsse er auf den rückwärtigen Verkehr achten, oft auch schlecht beleuchtete Radler im Auge haben.

Wenn der Landwirt alle Regeln befolge und es trotzdem zum Unfall kommt, träfe ihn wegen der „größeren Gefährdungshaftung“ eigentlich immer eine Teilschuld.

Höchstens 30km/h – „sonst dabremst man es nimmer.“

Schon allein aus diesem Grund seien die Bauern vorausschauend unterwegs, auch wenn das manch anderem Verkehrsteilnehmer ganz anders vorkomme, erzählt Müller. Seine betriebliche Vorgabe an Lehrlinge oder Erntehelfer lautet, in geschlossenen Ortschaften höchstens 30 Stundenkilometer zu fahren: „Sonst dabremst man es einfach nimmer.“

Wie allein schon Tempo 30 eines Schleppers auf Außenstehende wirkt, erfuhren die Landwirte beim Fahrtraining hautnah: Sie stellten sich an den Straßenrand, manche gingen in die Hocke, um einen vorbeirauschenden Schlepper aus Kindersicht zu erleben. Resümee: „Das kommt doch sehr rasant rüber – auch wenn’s nur Tempo 30 war“, so das einhellige Urteil der Bauern. Beim Training mit Fahrlehrer Anton und Martin Kiemer meisterten sie auch verschärfte Bedingungen in Sachen Augenmaß: Sie durchfuhren enge und niedrige Durchlässe, übten das Rückwärtsfahren und bewältigten auch noch den theoretischen Teil.

von Angi Kiener

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