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In Mammendorf wird intensiv über eine Ferienwohnung diskutiert. Die Sache landete sogar vor dem Verwaltungsgericht. Jetzt hat der Gemeinderat doch noch erlaubt, dass der Besitzer die Dachgeschosswohnung an Touristen vermieten darf.

Debatte hat vor drei Jahren begonnen

Ferienwohnung in Mammendorf ist zulässig

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In Mammendorf wird intensiv über eine Ferienwohnung diskutiert. Die Sache landete sogar vor dem Verwaltungsgericht. Jetzt hat der Gemeinderat doch noch erlaubt, dass der Besitzer die Dachgeschosswohnung an Touristen vermieten darf.

Mammendorf – Die Debatte begann vor drei Jahren. Damals lehnte der Gemeinderat die Umwidmung der Wohnfläche in eine Ferienwohnung einstimmig ab. Das Gremium fühlte sich ausgetrickst: Denn die Wohnung wurde bereits im Internet als Feriendomizil angeboten. Ein weiteres Gegenargument war, dass diese Wohnung dann dem Mietmarkt in Mammendorf entzogen sei.

Ferienwohnungen in einem Wohngebiet sind nur dann erlaubt, wenn die Gemeinde diese in einem Bebauungsplan ausnahmsweise zulässt. Man lebe aber in einem Ort, in dem es erhöhten Wohnungsbedarf gebe, argumentierte der Gemeinderat damals – man befürchtete Nachahmer. Einer wollte einen Präzedenzfall schaffen. Das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde schloss sich der Entscheidung des Gemeinderats an.

Bauherr Georg Höglmüller verstand die Welt nicht mehr. „Mein Anliegen war eine ordnungsgemäße Anmeldung“, sagte er. Nachdem der Bauamtsleiter ihm signalisiert habe, es würde keine Probleme geben, erfuhr Höglmüller aus der Zeitung, dass sein Antrag vom Gemeinderat abgelehnt worden war.

Höglmüller ärgert noch heute, dass sich die Verwaltung nicht informiert habe: „Die hätten sich erst einmal gesetzeskundig machen sollen. In Deutschland darf jeder seine Wohnung sechs Wochen im Jahr vermieten.“

Dass sein Name und die Adresse vom Gemeinderat öffentlich gemacht wurden, regte Höglmüller maßlos auf: „Wir standen in Mammendorf plötzlich wie Schwerverbrecher da. Das hat uns drei Jahre lang viele Nerven gekostet.“

Die Ablehnung ließ sich der gebürtige Mammendorfer allerdings nicht gefallen. Er nahm sich einen Rechtsanwalt und klagte gegen den Bescheid beim Verwaltungsgericht. Es folgten eine Inaugenscheinnahme und eine mündliche Verhandlung. Dann stand die Meinung des Verwaltungsgerichts fest: Es hieß, die Gemeinde hätte bei der Aufstellung des Bebauungsplans (oder spätestens bei der Änderung) Ferienwohnungen ausschließen müssen. Jetzt, im Nachhinein, dürfe man nicht mehr Stopp sagen.

Nun stand die Sache wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats. „Wir haben schlechte Karten vor dem Verwaltungsgericht“, sagte Bürgermeister Josef Heckl (BGM). „Ich stimme dem Antrag jetzt zu.“ Es sei zwar bisher kein Urteil gesprochen, aber das Verwaltungsgericht habe den Vertretern der Gemeinde klar gemacht, dass es einer Klage des Wohnungseigentümers stattgeben werde. Daraufhin verzichteten beide Parteien ausdrücklich auf eine nochmalige mündliche Verhandlung.

„Ich bin immer noch für eine Ablehnung“, sagte Vize-Bürgermeister Peter Muck (CSU). Seiner Meinung nach solle Höglmüller klagen. „Dann haben wir ein Urteil. Wenn wir einmal eine Ausnahme zulassen, mit welcher Begründung wollen wir weitere Anträge ablehnen?“

Am Ende stimmte das Gremium der Nutzungsänderung mit 9:5 Stimmen zu. Die Ferienwohnung darf damit vermietet werden.

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