Am Feierabend: Erst Arzteinsatz, dann Stau bei der S-Bahn 

Am Feierabend: Erst Arzteinsatz, dann Stau bei der S-Bahn 
So geht das: Der zwölfjährige Cedrik Friedel aus Mammendorf zeigte keine Berührungsängste und entschloss sich spontan, als „Schwimmlehrer“ mitzuhelfen; hier mit dem 15-jährigen Guhär Hasanzede aus Afghanistan. Foto: Dieter Metzler

Schwimmunterricht im Mammendorfer Freibad

Flüchtlinge planschen mit Einheimischen

Mammendorf - Im Freibad geht es in den Sommermonaten jeden Montagabend fröhlich zu: Junge Asylbewerber, die im Landkreis leben, toben sich dort zusammen mit Jugendlichen aus dem Ort im Wasser so richtig aus. „Begleitetes Schwimmen“, nennt es Roswitha Reiser.

Roswitha Reiser ermöglicht mit weiteren ehrenamtlichen Helferinnen aus Mammendorf und Landsberied den jungen Flüchtlingen aus Somalia, Eritrea, Nigeria, Afghanistan, Senegal, Irak und Albanien diese zwei vergnüglichen Stunden pro Woche. Wie so viele Asylbewerber aus diesen Ländern können auch sie gar nicht oder nur sehr schlecht schwimmen und unterschätzen daher die Gefahr, wenn sie in bayerische Badeseen springen.

Nachdem im vergangenen Jahr der örtliche Schwimmverein einen Kurs für die Flüchtlinge unterstützte, ergriffen heuer Reiser und ihre Helferinnen privat die Initiative. „Alle haben viel Spaß und kommen jedes Mal gerne. Es ist eine Freude, dies auch in den Gesichtern der jungen Menschen, die so viel Leid hinter sich haben, ablesen zu können.“

Mit Unterstützung der Caritas und Spenden treffen sich vom Mammendorfer Helferkreis Roswitha Reiser, Eva-Maria Waweynski, Tanja Wenzl, Waltraud Wolf, Viola Hofbrucker und Christine Peters sowie Claudia Burggraf und Sybille Quark von den Landsberieder Helfern mit den Kindern und jugendlichen Flüchtlingen. „Mit denen, die noch nicht richtig schwimmen können, üben wir das Schwimmen. Die anderen vergnügen sich im Wasser mit Ballspielen oder der Schwimmnudel“, berichtet Reiser.

Der Landsberieder Helferkreis wurde durch einen Artikel im Tagblatt über den Schwimmkurs auf die Aktion aufmerksam und suchte danach den Kontakt mit den Mammendorfern. So kam’s zur erfolgreichen Zusammenarbeit.

„Wie sich Cedrik Friedel bei uns engagiert, das ist eine tolle Geschichte“, sagt Reiser begeistert über einen zwölfjährigen Schüler aus Mammendorf. Der junge Bursche, der unlängst mit Freunden beim Baden im Freibad war, freundete sich mit dem 15-jährigen Guhär Hasanzede aus Afghanistan an und arbeitet mit ihm an dessen Schwimmkünsten. „Er ist jeden Montagabend da und unterstützt uns“, freut sich Reiser über das vorbildliche Engagement des Schülers.

Mit ihrer Aktion, die den ganzen Sommer über läuft, bis das Freibad seine Pforten schließt, wollen die Helferinnen dazu beitragen, dass weniger Asylbewerber in Seen in Gefahr geraten oder gar ertrinken. Das Engagement der Frauen geht aber weit über das gemeinsame wöchentliche Schwimmen hinaus. „Es haben sich inzwischen richtige Freundschaften mit den Familien entwickelt“, sagt Reiser. Als nächste Aktivität ist von Tanja Wenzl ein „Begegnungscafé“ geplant, ein regelmäßiges Treffen mit den Flüchtlingsfrauen und ihren Kindern in der evangelischen Kirche.

von Dieter Metzler

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