Menschen vor dem Gelände der Firma.
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Schauten sich die Sache vor Ort an: Grünen-Landtagsabgeordneter Christian Hierneis (2.v.l.), SonjaHärtle (Mitte), An-dreasBirzeleundKarlSchleich(r.)

In Mammendorf

Kräne versus Kröten: Naturschützer alarmiert

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Ein bekannter Kranverleih am Ortsrand von Mammendorf braucht mehr Platz. Deshalb will das Unternehmen erweitern und zwar in das angrenzende Waldgebiet. Naturschützer sind damit aber gar nicht einverstanden und pochen auf den Artenschutz. Und ernten offenbar Zuspruch.

Mammendorf – Kräne versus Kröten – die geplante Erweiterung eines Mammendorfer Kranverleihs in ein angrenzendes Waldgebiet hinein will der Bund Naturschutz (BN) nicht hinnehmen. Denn der Wald gilt als wertvoller Lebensraum für Amphibien, laut BN sogar einer der wichtigsten im ganzen Landkreis. Am Samstag trafen sich Aktive aus der Kreisgruppe mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Hierneis und dem Grünen-Kreisrat Andreas Birzele, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Nach offizieller Lesart ist es ein Fichtenwald, der für die geplanten Lagerflächen des Kranunternehmens an der Nassenhausener Straße gefällt werden müsste. Doch tatsächlich steht hier ein Mischwald mit vielen Laubbäumen. Hierneis, in seiner Landtagsfraktion Sprecher für Umweltpolitik und Tierschutz, kennt das schon. Flächen, die gerodet werden sollen, würden gern als „wertloser Stangerlwald“ hingestellt. „Es ist immer das gleiche.“

Das Gebiet, um das es geht, umfasst rund 7000 Quadratmeter. Es ist sowohl Lebensraum als auch Wanderfläche für Erdkröten, Molche, Gras- und Laubfrösche.

Das von der Kranfirma bereits bebaute Grundstück gehörte laut Petra Geiger ursprünglich ebenfalls zur Wanderfläche. Geiger ist die zukünftige „Krötenbeauftragte“ der BN-Ortsgruppe Mammendorf und übernimmt im kommenden Frühjahr das Aufstellen der Krötenzäune. Zwar gibt es auch Krötentunnel, die unter der Straße hindurchführen. Doch nicht alle Tiere finden die Eingänge in dem Gebiet, das für sie bereits eine Umleitung sei.

Dass man die nun auch noch „zumachen“ wolle, kritisierte Harald Rösch, stellvertretender BN-Ortsvorsitzender, scharf. „Jetzt geht es ans Eingemachte. Das ist schlimmer als Salamitaktik.“ Dass man dem Unternehmen bereits vor Jahren Erweiterungsmöglichkeiten in den Wald hinein zugesichert habe, sei offensichtlich ein Fehler gewesen.

Bevor hier allerdings gefällt und planiert werden darf, muss eine artenschutzrechtliche Prüfung stattfinden. Das kündigte Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft Mammendorf) bereits in der Gemeinderatsdebatte im Juni an. Eine solche Prüfung läuft über ein ganzes Jahr und erfasst alle in einem Gebiet vorkommenden Arten. Ob im fraglichen Waldstück auch schützenswerte Vogel- und Fledermausarten leben – dazu gibt es bis jetzt noch keine Erkenntnisse.

Naturschützer Rösch befürchtet indes, dass trotz des in Deutschland geltenden generellen Schutzes für Amphibien die hier vorkommenden Arten nicht den strengsten Schutzstatus genießen – dass also die Ergebnisse der Prüfung nicht ausreichen könnten, um das Vorhaben zu stoppen. Die Frage sei, ob man „abwarten und hoffen“ oder in Richtung Bürgerbegehren denken solle.

Die Öffentlichkeit werde allmählich auf das Thema aufmerksam, aus dem Ort nehme er zunehmenden Unmut wahr. „Ich bekomme Zuschriften von Bürgern, die sich engagieren wollen.“ Im Gemeinderat war der Vorschlag aufgetaucht, dass der Kranverleih eine bereits gerodete Fläche auf der anderen Seite seines Firmengeländes als Lagerplatz nutzen könnte.

Hier befindet sich eine Kiesgrube, die laut Hierneis im Besitz des Freistaats ist. Die Idee wurde in der Diskussion seinerzeit nicht weiter verfolgt. Doch als die BN-Gruppe jetzt im Rahmen ihrer Geländebegehung zu dieser Fläche kam, stand man überrascht vor diversen abgestellten Anhängern und Lkw des Kranverleihs. Offenbar nutzt das Unternehmen die Grube bereits.

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