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Johann Haas starb mit 82 Jahren.   

Nachruf

Den Kramerwirt kannte jeder in Mammendorf

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Das Leben hat ihn früh ins kalte Wasser geworfen. Schon als Bub musste Johann Haas auf dem elterlichen Bauernhof mit anpacken, weil die Gesundheit seines Vaters angeschlagen war.

Mammendorf –  Mit 13 Jahren durfte er mit Ausnahmegenehmigung den Bulldogführerschein machen, mit 20 übernahm er den Betrieb und unterstützte seine Mutter, die mit 46 Jahren Witwe geworden war.

In Mammendorf kannte man den Zweitältesten der vier Haas-Sprösslinge und seinen einzigen Bruder als „wilde Hund’“, wie Sohn Hans Haas schmunzelnd erzählt. Sein Vater war keiner, der sich etwas gefallen ließ. Aber er hatte auch ein Herz für die Nöte anderer. Bis in die 1950er-Jahre hinein gab er Flüchtlingen aus dem Osten eine Unterkunft in der Gastwirtschaft, die zum Hof dazugehörte. Sie war im Ort lange der Treffpunkt schlechthin, fungierte als Sportheim und richtete Faschingsbälle, Hochzeiten und Beerdigungen aus.

Der Kramerwirt war eine Institution in Mammendorf. Den Namen verdankte er einem Kramerladen, der in den 1920er-Jahren zum Betrieb dazugehört hatte.

1971 hängte Johann Haas die Landwirtschaft an den Nagel und konzentrierte sich gemeinsam mit seiner Frau ganz auf die Wirtschaft. Inzwischen war die Familie angewachsen – 1959, 1963 und 1965 kamen die Söhne Hans, Rainer und Rolf auf die Welt.

Mit der Entscheidung, den Hof aufzugeben, bewies der überall als Original geschätzte Haas unternehmerischen Weitblick. Denn er wandelte das Land in Bauflächen um und setzte auf Immobilien. Unter anderem errichtete er das erste Vier-Familien-Haus in Mammendorf. Letztlich führten seine Bauaktivitäten dazu, dass er mit 55 Jahren die Gaststätte verpachten und sich als Privatier zur Ruhe setzen konnte.

Fortan war Johann Haas viel unterwegs, um ferne Länder zu erkunden. „Er hat die ganze Welt bereist“, erzählt Sohn Hans. „Asien, Afrika, alles. Und zwar bis ins hohe Alter.“ Noch jenseits seines 80. Geburtstags war sein Vater, der seine Frau 2004 verloren hatte, gesundheitlich gut beieinander. „Er war nie krank.“ So lange er konnte, genoss Johann Haas das Leben. Viel Zeit verbrachte der sechsfache Großvater am Wörthsee. Schwimmen, Karten spielen, in der Sonne liegen – so sah ein perfekter Sommertag für ihn aus.

Über 50 Jahre gehörte er dem Krieger- und Soldatenverein an. Als gern gesehener Gast der Gastronomen-Faschingsbälle war der Kramerwirt über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Johann Haas wurde 82 Jahre alt.  os

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