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Strenger Blick, aber weiches Herz: Gendarm Lorenz Knoll schützte einen Piloten.

Serie zum Kriegsende vor 75 Jahren

Als der Gendarm den Piloten rettete - Enkel erinnert sich an edle Tat des Großvaters

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Ein Mammendorfer Gendarm hat zum Ende des 2. Weltkriegs seine Menschlichkeit bewiesen und einen US-Piloten vor den Nazis gerettet.

Mammendorf – Als bei Kriegsende die US-Armee in Mammendorf einmarschiert, wird Lorenz Knoll verhaftet. Schon wenige Stunden später ist der Polizeiobermeister wieder auf freiem Fuß und wird direkt wieder auf seinem Posten eingesetzt. Die Amerikaner hatten nämlich festgestellt, dass der Gendarm einem der Ihren das Leben gerettet hatte.

Der Vorfall ereignete sich in den Wirren der letzten Kriegstage. Am 29. April 1945 stürzte bei Pfaffenhofen ein amerikanisches Flugzeug ab. Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten, wurde aber von Soldaten einer vor Ort stationierten Luftwaffeneinheit gefangen genommen und zunächst beim Bürgermeister von Adelshofen festgesetzt. „In Mammendorf und Umgebung befanden sich zu dieser Zeit noch SS-Einheiten“, heißt es im zweiten Band des Heimatbuchs „Die Ortschronik von Mammendorf“. Offiziell galt der Befehl, dass Gefangene erschossen werden sollten.

Bürgermeister wendet sich an den Gendarm

Hilfesuchend schickte der Adelshofener Bürgermeister einen Boten zum Gendarmerieposten in Mammendorf. Knoll radelte daraufhin nach Pfaffenhofen, übernahm den Gefangenen und ging mit ihm zu Fuß zurück nach Mammendorf. Da die beiden befürchten mussten, unterwegs auf SS-Leute zu treffen, gab Knoll dem US-Leutnant zur Tarnung einen Zivilmantel. Er habe den Amerikaner retten, aber auch das Dorf vor Unannehmlichkeiten beim Einmarsch der amerikanischen Truppen bewahren wollen. So schrieb es später der erste Mammendorfer Nachkriegsbürgermeister Kastulus Gantner nieder. „Nach Auftauchen von amerikanischen Kampfwagen übergab Knoll den Gefangenen an den Kommandeur – und wurde daraufhin zunächst verhaftet, entwaffnet und sogar seiner Uhr beraubt“, berichtet die Ortschronik.

Weil der gerettete US-Pilot den Sachverhalt aber sofort aufklärte, war Knoll schnell wieder frei. Er bekam sogar ein Papier, das ihn vor weiteren Unannehmlichkeiten bewahren sollte.

Dieses Papier bekam Lorenz Knoll. Es sollte ihn vor Unannehmlichkeiten schützen.

Knoll sprach kaum von seinen Kriegserlebnissen

Hannes Mayer ist der Enkel von Lorenz Knoll.

„Und natürlich hat er auch seine Uhr wiederbekommen“, ergänzt Hannes Mayer. Der Adelshofener ist der Enkel von Lorenz Knoll und kennt die Geschichte von der Rettung des amerikanischen Fliegerleutnants schon seit Kindertagen. „In der Familie haben wir immer gesagt: Da gehörte was dazu.“ Der heute 57-jährige war 18 Jahre alt, als sein Großvater starb und kann sich deshalb noch gut an ihn erinnern. Knoll selbst sprach nicht viel über seine Erlebnisse während des Krieges und in der Zeit danach. „Er war eher der Schweigsame“, erzählt der Enkel. Dass der auf Fotos stets streng blickende Gendarm Hunderte Sprengkörper in der Umgebung von Mammendorf entschärfte, weiß die Familie aus schriftlichen Aufzeichnungen. „Er hat Buch geführt über die Blindgänger.“ Als Polizist war Knoll offenbar ein akribischer Spurensicherer. Eine Sammlung alter Kameras, mit denen er Unfallfotos machte und Einsätze dokumentierte, hütet sein Enkel noch heute.

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