In nur sechs Wochen hat Omid Quraishi den heruntergekommenen Kiosk am Mammendorfer Bahnhof zu einem Backshop mit Café umgebaut – er freut sich über den Zuspruch, den er bisher erhalten hat. Foto: Metzler
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In nur sechs Wochen hat Omid Quraishi den heruntergekommenen Kiosk am Mammendorfer Bahnhof zu einem Backshop mit Café umgebaut – er freut sich über den Zuspruch, den er bisher erhalten hat.

Mammendorf

Alter Kiosk am Bahnhof wird neues Café

  • vonDieter Metzler
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Nach langem Leerstand ist wieder etwas geboten im früheren Kiosk am S-Bahnhof Mammendorf: Omid Quraishi hat dort ein Café mit Backshop eröffnet. Nun hofft er, dass die Deutsche Bahn ihm demnächst auch noch einen Ticketverkauf genehmigt.

Mammendorf – Die Verpachtung des Kiosks am Bahnhof ist ein Paradebeispiel gelungener Integration: Vor zehn Jahren war Omid Quraishi aus seiner Heimat Afghanistan nach Deutschland geflüchtet, nun ist er der Chef im ehemaligen Kiosk am Bahnhof. Der 31-jährige Familienvater konnte die Deutsche Bahn, der das Gebäude gehört, mit seiner Bewerbung und seinem Konzept überzeugen. Sie gab dem in der Kreisstadt lebenden Afghanen einen Zehn-Jahres-Pachtvertrag.

Kiosk wurde umgestaltet

Der frühere Kiosk mit einer Bewirtungsstube ist nicht mehr wiederzuerkennen: Fast in Alleinarbeit hat Quraishi aus den heruntergekommenen Räumen innerhalb von sechs Wochen ein schmuckes Backshop-Café gezaubert. Trotz Unterstützung durch die Familie seines Bruders und seiner Eltern musste er in den Umbau eine fünfstellige Summe investieren.

Mitte September konnte er öffnen. Doch bis dahin war es eine Geduldsprobe: Im Februar hatte sich Quraishi bei der Bahn um den Kiosk beworben. Ende Juli habe er dann die Zusage erhalten und sogleich mit den Umbaumaßnahmen begonnen.

Vor zehn Jahren kam der heute 31-Jährige nach Deutschland. Zunächst wurde er von einer Asylunterkunft zur nächsten geschickt: Von Ulm über München nach Karlsruhe, bis er schließlich in Sinsheim eine längere Bleibe erhielt. Ein Jahr dauerte sein Antrag auf Anerkennung. In dieser Zeit lernte der Afghane fleißig Deutsch.

Das Geschäft läuft

Eigentlich wollte Omid Quraishi in München Pharmazie studieren. Das klappte nicht. Nochmals belegte er einen achtmonatigen Intensivkurs in Deutsch. Entmutigen ließ sich Quraishi nicht. Er suchte sich Arbeit und fand auch welche: Drei Jahre lang arbeitete er in einem Münchner Café samt Konditorei als Filialleiter, 2016 übernahm er als Filialleiter das Backshop-Stehcafé Tiro in der Landeshauptstadt und arbeitete nebenbei auch noch an der Rezeption in einem Münchner Grandhotel.

Längst ist Deutschland für ihn zur zweiten Heimat geworden, erzählt er in akzentfreiem Deutsch. Jetzt ist er sein eigener Herr und freut sich täglich auf die vielen Kunden am Mammendorfer Bahnhof. „Ich habe bisher viel Zuspruch von den Menschen hier erhalten“, erzählt er. Auch wenn die S-Bahnfahrer derzeit keinen „Coffee to go“ mitnehmen können, weil sie in den Zügen eine Maske tragen müssen, ist Quraishi zufrieden mit dem bisherigen Geschäft. Jetzt hofft er, dass die Bahn ihm noch den Ticketverkauf genehmigt. „Der Automat streikt regelmäßig“, berichtet er – und die Leute seien sauer.

Geöffnet hat

Omid Quraishi sein Backshop-Café von Montag bis Samstag von 5.30 bis 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 6 Uhr bis 16 Uhr.

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