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Mit dem Teleskop beobachtet Heinz Reinhardt den nächtlichen Himmel.

Nachruf

Mathe und Astro-Physik begeisterten ihn

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Der Mammendorfer Heinz Reinhardt ist mit 80 Jahren gestorben. Eigentlich wollte er die Feier zu seinem runden Geburtstag noch nach holen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Mammendorf – Am 25. Dezember letzten Jahres wurde Heinz Reinhardt 80 Jahre alt. Ein großes Fest plante er nicht – er wollte weiter entfernt wohnenden Freunden und Verwandten eine möglicherweise schwierige Anreise bei Winterwetter ersparen. In diesem Frühjahr sollte die Feier nachgeholt werden. Doch dazu kommt es nun nicht mehr. Der ehemalige Leiter des Münchner Dante-Gymnasiums ist verstorben.

35 Jahre lang unterrichtete der aus Pullach stammende Zahnarztsohn Mathematik und Physik an dem Gymnasium. Zwei Jahre vor seiner Pensionierung wurde er Schulleiter und war in dieser Funktion „immer und überall für alle da“, wie die Festredner bei seiner Verabschiedung lobten. Die gut 1000 Schüler hatten sich für Reinhardts letzten Arbeitstag eine Überraschung einfallen lassen. Sie bildeten ein Spalier, durch das der Oberstudiendirektor wie ein Präsident auf Staatsbesuch in einem offenen Wagen bis vor den Eingang chauffiert wurde.

Er war immer für seine Schüler da

Als Lehrer verstand es Reinhardt, die Schüler mitzureißen in seiner Begeisterung, die er für die Naturwissenschaften empfand. Und er stempelte auch diejenigen nicht ab, die sich mit Mathe und Physik schwer taten. Er habe immer an seine Schüler geglaubt und ihnen dadurch Kraft gegeben, schrieb ihm einmal eine Ehemalige.

So empfanden es auch die Gymnasiasten in St. Ottilien, wo Reinhardt nach seinem Ruhestand weiter unterrichtete. Und nicht nur das – dem begeisterten Astro-Physiker ist es zu verdanken, dass heute auf dem Klostergelände eine Sternwarte steht. Er hatte die Idee für das spendenfinanzierte Projekt und kümmerte sich um die Umsetzung. Nach der Einweihung Ende 2014 verbrachte er mit Schüler- und Volkshochschulgruppen viele nächtliche Stunden am Teleskop, um Himmelskörper zu beobachten und zu fotografieren.

China war Reinhardts Leidenschaft

Die zweite große Leidenschaft des langjährigen Pullacher CSU-Gemeinderats gehörte dem Fernen Osten. 1997 wurde er von der Hanns-Seidel-Stiftung in die Mongolei und nach China geschickt, um dortigen Lehrern den Gebrauch von Overhead-Projektoren und Videorekordern beizubringen. Überwältigt von den vielfältigen Eindrücken, die er dort sammeln konnte, rief Reinhardt nach seiner Rückkehr einen Schüleraustausch zwischen dem Dante-Gymnasium und einer Schule in Peking ins Leben.

Dabei sollte es nicht bleiben. Vielen weiteren bayerischen Schulen verhalf er zu einer Partner-Einrichtung im Reich der Mitte. Etliche Schulleiter begleitete er auf den Antrittsbesuchen bei ihren chinesischen Amtskollegen, bei vielen Eltern leistete er Überzeugungsarbeit.

Reinhardt wanderte auch gerne

Außerdem setzte er sich dafür ein, den chinesischen Sprachunterricht in Bayern auszuweiten. Dabei unterstützte ihn Michael Häußinger. „Wir sind nach München ins Kultusministerium marschiert“, erzählt der Ottilianer Schulleiter. Resultat: Chinesisch wurde offiziell als spät beginnende Fremdsprache in den Lehrplan der Gymnasien aufgenommen.

Für seine Hobbys Wandern und Bergsteigen, für Theater, Oper und Konzerte hatte Reinhardt im Ruhestand so wenig Zeit wie eh und je. Seine Frau Marlies, mit der er zwei Kinder und drei Enkel hat, hätte nichts dagegen gehabt, ihn etwas öfter zu Hause zu sehen. 2008 waren die beiden aus Pullach nach Mammendorf gezogen.

Im letzten Jahr musste er kürzer treten

Im letzten Jahr verschlimmerten sich gesundheitliche Probleme, von denen sich der dynamische, energiegeladene Senior bis dahin immer wieder erholt hatte. Er begann kürzer zu treten, was gar nicht so einfach war. Erst nach langer Suche fand sich ein neuer Vorstand für den von Reinhardt gegründeten Verein für Bayerisch-Chinesische Schülerkontakte.

Aufgrund der aktuell geltenden Beschränkungen findet Heinz Reinhardts Beerdigung im engsten Familienkreis statt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es einen Gedenkgottesdienst geben.

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