Die beiden Windräder der Stadtwerke erzeugen mehr Strom als erwartet.
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Die beiden Windräder der Stadtwerke erzeugen mehr Strom als erwartet.

Erneuerbare Energien

Windräder ein Erfolg – doch der Ausbau stockt

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Die beiden Stadtwerke-Windräder bei Mammendorf und Malching haben wieder ein gutes Jahr hinter sich. Sie erzeugten 2020 Ökostrom für rund 4300 Haushalte. Weitere Windräder könnten für noch mehr sauberen Strom sorgen. Doch wie ist es eigentlich um die Ausbaupläne bestellt – und wer stellt sich gegen sie?

Mammendorf/Jesenwang/Malching – Gerade das Mammendorfer Windrad hat sich auch in seinem sechsten Betriebsjahr wieder erfolgreich gedreht. Mit knapp 6,2 Millionen Kilowattstunden (kWh) wurde 2020 erneut die Sechs-Millionen-Grenze überschritten, wie Mammendorfs Gemeinderatsmitglied Werner Zauser vorrechnet. Das Malchinger Windrad hat 2020 rund 5, 7 Millionen kWh erzeugt und lag damit ebenfalls über den Erwartungen, die man anfangs in die Anlage gesteckt hatte. Auch längerfristig betrachtet (siehe Kasten) scheint die Windenergie am flachen Land rentabel zu sein. Grund, in eine neue Anlage zu investieren?

Die Hürden

Tatsächlich hat der Mammendorfer Gemeinderat bereits im Jahr 2017 mit den Planungen für einen weiteren Standort begonnen, berichtet Zauser. Die neue Anlage könnte im Nordwesten des Gemeindegebiets platziert werden. Sie ist als Bürgerbeteiligungsanlage geplant und würde vorrangig den Bürgern der Anliegergemeinden Hattenhofen, Oberschweinbach und Mammendorf zur Beteiligung angeboten werden.

Der Bau eines Windrades sei aber alles andere als einfach, berichtet Zauser. Es gelte, eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen. Das betrifft die Abstände zur umliegenden Wohnbebauung, Auflagen der zivilen und militärischen Luftfahrt, die Zuwegung und die Sicherstellung der Grundstücke für den Bau, naturschutzfachliche Prüfungen, den Schutz vor Schall und Schattenwurf und nicht zuletzt die Akzeptanz durch die Bürger. Das von der Gemeinde Mammendorf geplante Projekt erfüllt zum Beispiel die sogenannte „10-H Abstandsregel“ nicht, wonach der Abstand zur Wohnbebauung mindestens das Zehnfache der Höhe der Anlage betragen muss. Diese nur in Bayern gültige Regelung kann von der Gemeinde aber mit einem Bebauungsplan und einer Baugenehmigung aufgehoben werden.

Der Klageverein

Dazu ist man in Mammendorf grundsätzlich entschlossen, sagt Zauser. Aktuell stocke das Projekt allerdings aus einem anderen Grund: Für die Genehmigung von Windrädern ist unter anderem erforderlich, den Standort ein ganzes Jahr naturfachlich zu begutachten, zum Beispiel, ob Vogelarten wie der Rotmilan gefährdet sein könnten. Im Winderlass seien dafür Vorgaben definiert, die sich in der Praxis nicht einhalten lassen, sagt Zauser.

Vereinfacht gesagt: Die geforderten Witterungsverhältnisse bei den Beobachtungen sind laut Zauser in der Praxis nicht lückenlos über einen längeren Zeitraum einzuhalten. Bereits geringfügige Abweichungen seien für Verwaltungsgerichte ausreichend, Genehmigungen für unwirksam zu erklären.

Genau das mache sich der „Verein für Artenschutz & Landschaftspflege in Bayern“ (VLAB) zunutze. Seit zwei bis drei Jahren seien alle Windradprojekte in Bayern durch den VLAB verhindert worden, sagt Zauser. In Mammendorf habe man sich daher entschieden, die Planung erst dann fortzusetzen, wenn der Winderlass geändert sei.

Genau das fordern auch die Brucker Stadtwerke. Einen weiteren Ausbau der Windenergie in der Region halten sie für wünschenswert. Dazu seien vereinfachte Verfahren, die Bereitstellung von mehr Flächen für Windräder und Werbung für die Windkraft in der Bevölkerung vonnöten. Speziell in Bayern müssten die zentralen Hemmnisse für den Windenergieausbau, wie die 10-H-Regel oder der Windenergieerlass überarbeitet werden.

Hintergrund für diese Haltung ist die Erfahrung mit den beiden bestehenden Anlagen. Diese hätten auch im Jahr 2020 „wieder sehr zufriedenstellende Erträge erzielt“, heißt es nämlich bei den Stadtwerken.

Erträge seit 2016

Anlage Mammendorf: 2016: 5,6 Mio kWh; 2017: 6,6 Mio kWh; 2018: 5,5 Mio kWh; 2019: 6,7 Mio kWh; 2020: 6,2 Mio kWh

Anlage Malching: 2016: 5,3 Mio kWh; 2017: 6,2 Mio kWh; 2018: 5,1 Mio kWh; 2019: 6,2 Mio kWh; 2020: 5,7 Mio kWh
(Quelle: Stadtwerke)

Jesenwanger Rad: Wohl 24 Meter niedriger wegen Bundeswehr-Radar

Das bei Jesenwang geplante Windrad befindet sich bereits im Verfahren. Die Bürger-Energie-Genossenschaft Freising, die das Rad bauen möchte, wartet im Moment noch weitere Stellungnahmen ab. Eine Erkenntnis gibt es aber bereits: Die beantragte Bauhöhe von 200 Metern ragt in die Radarführungsmindesthöhe (MVA) hinein. Eine Anhebung des genannten MVA-Sektors ist in diesem Fall laut Bundeswehr nicht möglich. Die maximale Bauhöhe ohne Einfluss auf die MVA beträgt 760 über Normalnull. Dies bedeutet, dass das Bürger-Windrad bei Jesenwang um 24 Meter niedriger als geplant gebaut werden müsste. Eine erneute Prüfung durch die Bundeswehr sei dazu aber notwendig, heißt es bei der Energiegenossenschaft. Die außerdem ja geforderte artenschutzrechtliche Prüfung könne im Frühjahr beginnen, heißt es bei der Genossenschaft. Anders als bei der geplanten Mammendorfer Anlage hat das Jesenwanger ein Problem nicht: Es liegt weit genug von Besiedlung entfernt und fällt nicht unter die 10-H-Regel.

Windkraft Mammendorf: Was bringt der Kümmerer?

Unterstützung für das Windkraft-Projekt nordwestlich von Mammendorf erhofft man sich durch den so genannten „Windkümmerer“. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat im Zuge der Kampagne „Aufwind Bayern“ die Möglichkeit geschaffen, dass sogenannte Windkümmerer bis zu fünf Projekte je Regierungsbezirk unterstützen. In Oberbayern hatten sich 18 Kommunen beworben und Mammendorf hat neben vier anderen den Zuschlag erhalten. Die Aufgabe übernimmt Peter Beermann, der bereits beim ersten Projekt mitgewirkt hat. Wunder dürfe man sich von dem Kümmerer aber nicht erwarten, sagt Gemeinderatsmitglied Zauser. Bestehende Gesetze könne auch er nicht verändern. st

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