Wertvoller Lebensraum für Amphibien, Vögel und Fledermäuse. Doch eine an den Wald angrenzende Wiese soll bebaut werden – eine Firma möchte dort erweitern.
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Wertvoller Lebensraum für Amphibien, Vögel und Fledermäuse. Doch eine an den Wald angrenzende Wiese soll bebaut werden – eine Firma möchte dort erweitern.

Mammendorf

Geplante Rodung bedroht Krötenparadies

  • Eva Strauß
    VonEva Strauß
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Für Amphibien sind die Gewässer in der Kiesgrube Selmayr und der angrenzende Wald beim Wertstoffhof ein Paradies: Kröten, Molche und sogar die seltenen Laubfrösche finden hier ideale Lebensbedingungen. Dies könnte sich jedoch bald ändern.

Mammendorf – Nachdem 2018 bereits eine an den Wald angrenzende Wiese als „eingeschränktes Gewerbegebiet“ ausgewiesen und bebaut wurde, soll das Areal nun in den Wald hinein erweitert werden.

Anfang Juni hat der Mammendorfer Gemeinderat dem Vorhaben zugestimmt. Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert die Erweiterung aufs Schärfste – und fordert einen Stopp der Planungen.

Im Frühjahr zählte der BN in dem betroffenen Gebiet 667 Erdkröten, Molche und Grasfrösche, die aus dem Waldstück zwischen Mammendorf und Nassenhausen zu den Weihern in der teilweise renaturierten Kiesgrube gewandert sind. Die tatsächliche Zahl der Tiere liege aber noch weitaus höher. 2017 konnten im Rahmen eines Gutachtens Erdkröte, Teich- und Grasfrosch, Berg- und Teichmolch sowie der geschützte Laubfrosch nachgewiesen werden. Damit ist der Wald südwestlich von Mammendorf einer der wichtigsten Lebensräume für Amphibien im Landkreis Fürstenfeldbruck, so der BN. „Wir sprechen uns daher gegen die geplante Rodung und Bebauung des Waldstücks aus“, teilt der BN mit.

Verstoß gegen die Artenschutzverordnung?

Selbst ökologische Ausgleichsmaßnahmen, wie ein Amphibienzaun um das Industriegelände, könnten den Verlust von Lebensraum und die Beschneidung der lebenswichtigen Verbindung zum Wasser nicht kompensieren, so der BN. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Zahl der Amphibien massiv einbrechen wird.

Damit verletzt das Vorhaben die Bundesartenschutzverordnung, nach der alle in Deutschland vorkommenden Amphibienarten unter besonderem Schutz stehen. Außerdem sei es verboten die Fortpflanzungs- und Ruhestätten dieser Tierarten zu zerstören.

In Zeiten des Klimawandels sollte der Schutz von Wäldern zudem oberste Priorität haben – insbesondere, wenn es sich wie in diesem Fall um einen Mischwald handelt, argumentiert der BN weiter. Hinzu kommt, dass der Wald für die Mammendorfer Bürger ein wertvolles Naherholungsgebiet darstellt, das unbedingt erhalten werden müsse. Auch die zu erwartende Zunahme des Schwerlastverkehrs durch die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets würde sich negativ auf die Lebensqualität der Menschen auswirken, befürchten die Naturschützer.  es

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