Wandergeselle Marius Fischer-Franke in seiner traditionellen Kluft: Jetzt ist er wieder zurück in der Heimat.
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Wandergeselle Marius Fischer-Franke in seiner traditionellen Kluft: Jetzt ist er wieder zurück in der Heimat.

Getreu einer alten Tradition

Nach vier Jahren auf der Walz: Oberbayer kehrt wieder heim - und berichtet von schmerzhaftem Ritual

  • VonDieter Metzler
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Vier Jahre war Marius Fischer-Franke auf der Walz: Nach seiner Gesellenprüfung als Zimmermann hatte sich der Mammendorfer auf den Weg gemacht. Jetzt kehrt er zurück.

Mammendorf – Drei Jahre und einen Tag: So lange sollte ein Geselle nach seiner Freisprechung auf Wanderschaft sein. Marius Fischer-Franke war sogar vier Jahre unterwegs, seit September 2017. „Ich hatte das Gefühl, das kann nicht alles gewesen sein“, erzählt er, „ich will erst noch etwas von der Welt sehen und etwas erleben.“

Junger Mann auf der Walz: Schmerzhaftes Ritual - das „Ohrringnageln“

Als der damals 23-Jährige mit Abenteuerlust und Fortbildungswillen auf die Walz ging, hatte er natürlich das traditionelle Gewand an, bei holzverarbeitenden Berufen ist es eine schwarze Kluft. Bald kam noch ein weiteres Erkennungszeichen dazu: ein Ohrring. Denn zu den Traditionen rund um die Walz zählt auch ein schmerzhaftes Ritual: das „Ohrringnageln“.

Mit einem Hammer schlug Wandergesellin Kathrin aus Hamburg, die der Mammendorfer nach zwei Monaten auf einer großen Wandergesellenbaustelle kennengelernt hatte, einen Nagel durch sein Ohrläppchen, während sein Kopf auf einem Tisch auflag. „Du wirst quasi auf dein Versprechen festgenagelt, drei Jahre der Heimat fern zu bleiben. Außerdem musst du versprechen, dich anständig aufzuführen“, erklärt Marius Fischer-Franke. Er trägt den Ring mit Stolz.

Mann aus Mammendorf auf der Walz: Wanderbuch als wichtiger Begleiter

Ein im Laufe der Wanderschaft immer wertvoller werdender Begleiter ist das Wanderbuch. „Es ist zum Sammeln der Gemeindesiegel, Arbeitszeugnisse und Erlebnisse bestimmt“, berichtet der 28-Jährige. „Damit sich ein Fremder einen Eindruck über den Gesellen machen kann. Selbst schreibt der Geselle nie etwas hinein.“ Stempel hat der Mammendorfer viele zusammengebracht.

Zwei Wochen bis drei Monate war er an einem Ort. Dabei habe er vor allem gelernt, alles selbständig zu machen, von der Planung bis zur Fertigung, sei es beim Bau einer Blockhaus-Sauna oder der Sanierung eines in die Jahre gekommenen Pfadfinderheims. „Aus der Bruchbude haben wir, teilweise waren wir acht Wandergesellen, ein schmuckes neues Heim gemacht.“

Regeln auf der Walz: Wandergesellen reisen ohne Handy - kein Geld für Übernachtungen

Die Wandergesellen vernetzen sich. Sie sind aber nicht immer erreichbar, denn sie reisen ohne mobile Geräte. Zumindest eine E-Mail-Adresse haben sie – und manchmal gibt es Gelegenheit, die Post zu checken. Der Sinn sei, so Marius Fischer-Franke, mit dem zurechtzukommen, was man vorfindet.

Eine Grundregel ist zum Beispiel, kein Geld für Übernachtung, Bus und Bahn auszugeben. Trotzdem schaffte es Marius Fischer-Franke nicht nur quer durch Deutschland, sondern nach Nordschweden, Südeuropa und bis nach Marokko. Dort habe er sich eines Hundewelpen erbarmt, der jetzt bei der Freundin eines Wandergesellen in Deutschland ein neues Zuhause gefunden hat.

Natürlich hatte Marius Fischer-Franke auf der Walz auch negative Erlebnisse. „Ich habe keinen Schlafplatz bekommen und wurde sogar mal um mein Gehalt geprellt.“ Trotzdem kam für ihn ein vorzeitiger Abbruch nie infrage.

In den vier Jahren hat er sich weitergebildet, indem er zum Beispiel Dachstühle von Kathedralen anschaute, Werkzeughersteller besuchte und sich an Meisterschulen umschaute. „Es liegt an einem selbst, wie man die Zeit nutzt und sich weiterbildet.“

Er weiß noch nicht, ob er sich nun selbständig macht. Er will lieber mit Kollegen zusammen ein Unternehmen aufbauen. „Durch meine Wanderschaft bin ich ja bestens vernetzt.“

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