Haben das Schaulaufen bereits hinter sich: Tina Poth und ihre Windhunde. Sie sind aus Stuttgart zum Wettbewerb nach Mammendorf gekommen.
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Haben das Schaulaufen bereits hinter sich: Tina Poth und ihre Windhunde. Sie sind aus Stuttgart zum Wettbewerb nach Mammendorf gekommen.

Mammendorf

Schönheitswettbewerb der Windhunde: Perfektion vom Kopf bis zur Schwanzspitze

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Haltung, ein schönes Fell, ein guter Charakter: Das und vieles mehr war beim Windhund-Schönheitswettbewerb in Mammendorf gefragt. Aus ganz Deutschland kamen Hundebesitzer mit ihren langbeinigen, superschlanken Lieblingen angereist, um an der Landessieger-Ausstellung des Windhund-Rennvereins Bayern teilzunehmen.

Mammendorf – Vom Regenwetter ließen sich weder Mensch noch Tier die Laune verderben. Wer zu Hundeveranstaltungen fährt, ist auf widrige Witterung eingerichtet. Rund um den Ausstellungsring hatten die Teilnehmer für sich und ihre Vierbeiner Zelte aufgebaut. Und wer nicht gerade begutachtet wurde, zog seinem Tier einen Hundemantel an. „Windhunde haben kein Fett und dünnes Haar. Deshalb frieren sie leicht“, erklärt Ingrid Kamber aus Starnberg.

Ihre drei Whippets Tosca, Timberly und Scarlett treten im Partnerlook auf – jede der drei Hundedamen trägt einen blauen Mantel mit weißem Herzen, was durchaus auch etwas über ihren Charakter aussagt. Die 66-jährige Züchterin, die seit fast 50 Jahren mit Windhunden zu tun hat, beschreibt die Rasse als „gefühlvolle Schmuser, lieb, sauber und ruhig“.

Tatsächlich erklingt am Ausstellungstag erstaunlich wenig Gebell auf dem Gelände. In der Windhund-Welt wedelt man sich zu und beschnüffelt sich freundlich, statt mit Leinengezerre und Gekläffe auf Artgenossen zu reagieren. Auch im Umgang mit Menschen sind die Tiere „gutmütig, freundlich und kinderlieb“, schwärmt Züchterin Kerstin Gröschel über die Hunde.

Sie hat sich auf die russische Rasse Barsoi spezialisiert, die früher nur von Zaren und Großfürsten gezüchtet werden durfte. Während der russischen Revolution wurde auch auf die Hunde gnadenlos Jagd gemacht. „Sie galten als aristokratisch“, so Gröschel. Hätten nicht einige Exemplare weggeschmuggelt werden können – wer weiß, ob es Barsois noch geben würde. Die Tiere sind besonders groß und haben ein seidenweiches langes oder auch gelocktes Fell, unter dem sie nicht so bibbern wie ihre kurzhaarigen Artgenossen.

Auch Monika Mosch ist nicht gerade warm in ihrer kniekurzen Lederhose und dem Trachten-Sakko. Doch die Hamburgerin hat sich bewusst in bayerischem Schick gekleidet, um mit ihrem Hund im Ausstellungsring „ein stimmiges Gesamtbild“ abzugeben. Auch das wirkt sich positiv auf die Bewertung aus – neben all dem, was am Tier begutachtet wird, darunter Haltung, Gangbild vorn und hinten, Kopf, Fell, Pfoten, Zähne, Brustbreite und -tiefe, Rutenlänge und Charakter.

Tina Poth aus Frickenhausen bei Stuttgart hat mit ihren Hunden das Schaulaufen schon hinter sich. Sie sitzt in ihrem Zelt, die drei Vierbeiner kuscheln auf einer Decke. Nach dem aufregenden Wochenende steht für die Hunde am Montag ein Ausruhtag auf dem Programm, erzählt Poth. „Da sind sie platt.“

Nicht alle der 144 angemeldeten Teilnehmer sind zur Ausstellung gekommen, auch auf Zuschauer musste coronabedingt verzichtet werden. Vereinschefin Alexandra Eickholt ist trotzdem zufrieden mit der Veranstaltung, zumal am zweiten Tag das „Landessieger-Rennen um den goldenen Maulkorb“ auf dem Programm stand.

Dass in Mammendorf wieder Windhund-Rennen stattfinden können, ist relativ neu. „Zum 70-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr haben wir die Rennbahn samt Hasenzuganlage saniert, so dass sie nach elfjähriger Pause wieder in Betrieb genommen werden konnte“, so Eickholt.

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