Geräte zum Anzeigen von Blutdruck, EKG oder Sauerstoffsättigung des MIPM mussten bisher von einer Stelle in Großbritannien zugelassen werden.

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Mammendorfer Firma kommt Brexit zuvor

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Der Eiertanz um den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bereitete der Chefetage im Mammendorfer Institut für Physik und Medizin (MIPM) schlaflose Nächte. Der Grund: Das Unternehmen bangte wegen des Brexit um die Zulassung seiner Produkte in der EU.

Mammendorf – Der Brexit hing laut MIPM-Geschäftsführerin Jennifer Rosenheimer wie ein Damoklesschwert über dem Institut. Die Zulassungsstelle für alle Produkte des Unternehmens ist im Vereinigten Königreich ansässig. Sie verliert mit dem Brexit, der nach seiner dritten Verschiebung nun am 31. Januar 2020 vollzogen werden soll, ihre europäische Zulassung. Die Folgen für das MIPM: katastrophal. Über Nacht wäre das Unternehmen nicht mehr lieferfähig gewesen.

Deshalb hat Rosenheimer mit ihren Mitstreitern beschlossen, die MIPM-Produkte künftig vom TÜV Süd zuzulassen. Doch was so einfach klingt, war für die Firma sowohl zeitlich wie auch finanziell eine Mammutaufgabe.

„Wir beobachten den Brexit schon seit dem Referendum im Jahr 2016“, sagt Rosenheimer. Zuletzt sei man angesichts der Entwicklungen „echt nervös geworden“. Das Risiko, die Zulassung für die Produkte zu verlieren – das MIPM stellt in erster Linie zwei Geräte her, die auch unter den extremen Bedingungen eines Kernspintomographen zuverlässig Blutdruck, EKG oder Sauerstoffsättigung messen und anzeigen – wurde immer größer.

Neues Zertifikat

Dazu kam, dass auch die EU ein neues Zertifikat fordert, das man nicht von der bisherigen Stelle bekommen kann. „Darum haben wir im August 2018 erstmals den Wechsel der Zulassungsstelle angesprochen. Heuer im Juli wurde es dann ernst. Bis zu acht Mitarbeiter musste Rosenheimer für die Vorbereitung abstellen. Und sogar die mussten Überstunden leisten. Doch damit nicht genug. Die Kosten sind hoch: „Wir haben 70 000 Euro in die Hand nehmen müssen.“ Doch man habe sich dieses Geld leisten müssen, um das Unternehmen am Leben zu halten. „Wir können es uns inzwischen zum Glück auch leisten“, sagt Rosenheimer. Viele andere medizinische Unternehmen könnten am Brexit aber zerbrechen, wie sie glaubt. „40 Prozent der europäischen Firmen sind bei der Zulassungsstelle im Vereinigten Königreich“, sagt die Geschäftsführerin. Sie alle drohen, ihre Zulassung zu verlieren.

Doch vor allem kleinere Firmen werden sich den Wechsel zum TÜV Süd nicht leisten können, glaubt Rosenheimer. Denen droht das Aus. „Das sind oft kleine Familienunternehmen, da stehen ganze Existenzen dahinter“, sagt sie. Viele der Betriebe hätten sich deshalb bereits an die IHK gewandt und um Unterstützung gebeten. Ergebnis: offen.

Das MIPM muss nicht mehr zittern. „Der TÜV hat super mitgezogen“, sagt Rosenheimer. Und so konnte der Wechsel schneller als in der üblichen Zeit von sechs Monaten vollzogen werden. „Jetzt sind die schlaflosen Nächte auch wieder vorbei“, sagt Rosenheimer. Denn die für den Transfer nötige Anhörung wurde erfolgreich absolviert, die neuen Zertifikate hängen an der Wand im MIPM. Rosenheimer: „Der Brexit kann nun kommen.“

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