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Nachruf: Konrad Gantner war ein Leben lang für die Familie und Gemeinde da

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Von: Ulrike Osman

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Konrad Gantner starb mit 90 Jahren.
Konrad Gantner starb mit 90 Jahren. (Repro) © Ulrike Osman

Im Alter von 90 Jahren ist der frühere Mammendorfer Gemeinderat Konrad Gantner verstorben. Er hinterlässt eine große Lücke in der Gemeinde.

Mammendorf – Menschen wie Konrad Gantner werden immer seltener. Nicht nur, dass er einer der letzten Zeitzeugen war, die noch vom Krieg und der Zeit danach erzählen konnten. Er war auch jemand, der sich über Jahrzehnte für das Gemeinwesen engagierte, während sein eigener Betrieb schon überreichlich Arbeit bereithielt. Nun ist Konrad Gantner im Alter von 90 Jahren gestorben.

Es ist noch nicht lange her, da hat der Mammendorfer auf Bitten eines Enkels einige Erinnerungen aufgeschrieben. Er schildert darin unter anderem, wie er 1939 als Achtjähriger mit seiner Mutter vom Heumachen heimging, als er zum ersten Mal den Begriff „Mobilmachung“ aufschnappte. Was das bedeutete, war innerhalb weniger Wochen klar. Sein Vater und der älteste Bruder wurden eingezogen.

Für die Mutter und die sechs verbleibenden Kinder kam eine schwere Zeit, und sie war mit dem Kriegsende nicht vorbei. Um zur heimischen Landwirtschaft etwas dazuzuverdienen, schuftete Gantner als junger Mann zwei Winter lang für einen Hungerlohn beim Torfstechen in Haspelmoor.

Seine spätere Frau lernte er auf dem Landjugendtag kennen

Doch es ging aufwärts. Der Sohn des langjährigen Bürgermeisters Kastulus Gantner absolvierte die Landwirtschaftsschule in Fürstenfeldbruck und lernte auf einem Landjugendtag seine spätere Frau Kreszenz kennen. 1957 übernahm er den elterlichen Betrieb, heiratete und wurde Vater seiner ersten Tochter. Drei weitere Kinder folgten.

Neben Arbeit und Familie engagierte er sich über Jahrzehnte ehrenamtlich – bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Gemeinderat, als Vorstand der Jagdgenossenschaft und Vorstandsvorsitzender der Molkereigenossenschaft. Er hat sich nie groß gerissen um diese Ämter – man trug sie ihm an. Und belohnte ihn später mit diversen Auszeichnungen, Ehrenmitgliedschaften und der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Es war ein pralles, arbeitsreiches Leben, das Konrad Gantner führte, und es war nicht frei von Schicksalsschlägen. Der Tod seiner Tochter Anita im Kleinkindalter, der frühe Tod seiner geliebten Frau Zenzi und eine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 40 – „Mir wurde nichts geschenkt“, schrieb er in seinen Erinnerungen. Doch er rappelte sich immer wieder auf.

Konrad Gantner war wegen seiner Geselligkeit und seines Humors sehr beliebt

Am 1. April 2021 feierte der vierfache Großvater und siebenfache Urgroßvater seinen 90. Geburtstag. Er freute sich, seine ganze Familie um sich zu haben, und hätte gerne noch mehr Gäste eingeladen. Doch aus Coronagründen war das nicht möglich. Geselligkeit lag ihm, humorvoll und beliebt, wie er war. Man sah ihn gern beim Feuerwehrstammtisch und bei Veteranentreffen, man hörte ihm gerne zu, wenn er erzählte.

„Er war ein ganz feiner Mensch“, sagt Edigna Recher. Wie Konrad Gantner war sie verwitwet, als er eines Tages vor über 30 Jahren auf der Suche nach einer Adresse versehentlich an ihrer Tür läutete. Ein schicksalhaftes Versehen, das den beiden ein zweites Glück bescherte. Gemeinsam konnten sie nun das tun, wozu Konrad Gantner immer die Zeit gefehlt hatte – die Welt entdecken. Es ging nach Israel, Ägypten, Kanada, Norwegen. Fürsorglich kümmerte sich Konrad Gantner um seine Lebensgefährtin, als sie gesundheitliche Probleme bekam. Geistig fit und politisch interessiert blieb er bis zum Schluss. Noch eine Woche vor seinem Tod genoss er ein Familienessen bei einem seiner Enkel und blickte ein letztes Mal stolz auf seine Familie.

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