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S-Bahn München

Drei Linien führen durch den Landkreis

Die S-Bahn in der Region Fürstenfeldbruck: Ihr Problem ist ihr Erfolg

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Neben Bus und Auto stellt die S-Bahn das wichtigste Verkehrsmittel im Landkreis dar. Tausende Pendler und Reisende benutzen sie täglich - doch immer wieder gibt es Ärger.

Fürstenfeldbruck - Die erste Station der S3 im Landkreis Fürstenfeldbruck ist Gröbenzell. Die Linie führt über Olching, Esting, Gernlinden, Maisach und Malching nach Mammendorf. Die S4 verbindet Puchheim, Eichenau, Fürstenfeldbruck, Buchenau, Schöngeising, Grafrath, Türkenfeld und Geltendorf miteinander. Die S8 fährt von München-Neuaubing kommend über Germering-Harthaus, Germering-Unterpfaffenhofen weiter in den Landkreis Starnberg bis Herrsching. 

Historisch betrachtet war im Landkreis Fürstenfeldbruck lange Zeit der Ausflugsverkehr vorherrschend. Mit Lokalbahnzügen rollten die Münchner beispielsweise über Germering bis zum Ammersee - oder mit dem Dampfzug bis Grafrath, wo man an der Amper in ein Dampfschiff (“Mooskuh“) umsteigen konnte, das bis Stegen fuhr. Auch Fürstenfeldbruck mit der Rodelbahn oder der Amper waren vor der S-Bahn beliebte Ausflugsziele. Die S-Bahn, die im Vorfeld der olympischen Spiele in München 1972 entstand, veränderte die Geschichte im Landkreis Fürstenfeldbruck aber nachhaltig: Es kam es zu einem wahren Bauboom. Die Bevölkerungszahl Puchheims etwa explodierte gerade zu. Vor den Olympischen Spielen 1972 hatte Puchheim 7000 Einwohner. 1975 waren es schon 18000. Heute sind es über 21000. Die Immobilienpreise schnellten in die Höhe. Ein Quadratmeter Baugrund kostete beispielsweise in Puchheim Ende der 60er Jahre 100 Mark. In den 90er Jahren waren es schon 700 Mark. Auch Gröbenzell veränderte sich nachhaltig. Um 1900 waren hier vor allem Torfstecher und Kleinbauern beheimatet - und die Bahn fuhr einfach durch. Gröbenzells früherer Bürgermeister Rieder erinnert sich: „Die Leute sprangen einfach aus dem fahrenden Zug ab. Erst nach einem tödlichen Unfall richtete die Bahn einen Halt ein.“ Mit der S-Bahn aber änderte sich dann alles.

Bauarbeiten am Brucker S-Bahnhof

Ein Problem in ihrer Anfangszeit: Auf der Brucker Strecke waren relativ lange Regionalzüge unterwegs gewesen, die dann aber durch  kürzere S-Bahnen mit weniger Sitzplätzen ersetzt wurden. Wie Karl-Heinz Dix und Horst Staimer in ihrem Buch „Die Münchner S-Bahn“ festhalten, warnte im Jahr 1971 der Grafrather Senator Karl-Heinz Wirschinger: „Die S-Bahnen werden Sardinenbüchsen gleichen.“ Trotzdem wurde schnell klar, wie attraktiv die S-Bahn ist: Der Vorortzug brauchte früher 78 Minuten von Geltendorf zum Hauptbahnhof. Die S-Bahn brauchte nur rund 40 Minuten. Ein Problem besteht bis heute: „Leider aber ließen sich in der Kürze der Zeit und unter dem damals schon vorhandenen Kostendruck nicht alle eingleisigen Strecken zweigleisig ausbauen. Darunter leidet das Münchner S-Bahn-System bis heute“, heißt es bei Staimer/Dix. Im Landkreis Fürstenfeldbruck betrifft das vor allem die S4, wo wegen des fehlenden zusätzlichen Gleises Mischbetrieb aus S-Bahn und Regionalzügen herrscht. „Jeder unpünktliche Regionalzug sorgt dafür, dass die S-Bahn nicht mehr im Plan ist und umgekehrt.“

Trotzdem wurde die S-Bahn früh zur Erfolgsgeschichte. Hatte man am Anfang mit 240 000 Kunden durchschnittlich pro Tag gerechnet, so waren es im 30. Jahr des Bestehens (2002) der S-Bahn München schon 400 000 Gäste täglich. „Wir wurden wirklich vom Erfolg überrollt“, wird der damalige MVV-Geschäftsführer Dieter Lippert zitiert.   

Der Sardinenbüchsen-Prophet Wirschinger freilich war es auch, der der S-Bahn in der Region eine der skurrilsten Geschichten überhaupt bescherte: Waren vorher die Regionalzüge durch Grafrath einfach durchgefahren, so setzte Wirschinger trotz der neuen S-Bahn, die ja in Grafrath hielt, durch, dass vormittags und nachmittags zusätzlich dazu auch drei Regionalzüge in dem Ort stoppten  - eine Lex Wirschinger, die wohl beispiellos sein dürfte.

Wie Staimer und Dix berichten, lüftete der frühere Senator kurz vor seinem Tod das Geheimnis um „seine“ Privat-Zughalte in Grafrath. Demnach handelte es sich um einen Gegengeschäft. Der damalige Bahnvorstand wünschte sich den bayerischen Verdienstorden- und der einflussreiche Wirsching sorgte dafür, dass dieser den Preis wirklich erhielt. Im Gegenzug bekam er die Zughalte, die in den 80er Jahren freilich wieder abgeschafft wurden. 

Die S3 bahnt sich ihren Weg - aus Nannhofen wird Mammendorf

Die Strecke München-Augsburg kam in der Zeit nach Einführung der S-Bahn bald an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit: Der Bau eigener Gleise wurde notwendig. Bis Maisach entstanden zwei, bis Nannhofen (später umbenannt in Mammendorf) ein eigenes S-Bahngleis. 

Der Bau der Unterführung bei Maisach-Germerswang am Haltepunkt Malching (S3). Heute ist die Unterführung vor allem dafür bekannt, dass sie bei stärkerem Regen regelmäßig vollläuft.

Die Planungen gestalteten sich nicht immer einfach. Im Abschnitt zwischen Lochhausen und Olching standen Wohnhäuser vielfach bis an die Gleise heran. Zwischen Gröbenzell und Olching galt es, mit der Ausfädelung des Nordrings umzugehen. Die S-Bahngleise wurden daher abschnittsweise Richtung Süden vom Fernverkehr abgerückt. „Die für einen Außenstehenden nicht erkennbaren und in Zusammenhang mit dem Grunderwerb stehenden Vorarbeiten machen es verständlich, weshalb fast fünf Jahre vergehen mussten, bis im Dezember 1976 dieser Bauabschnitt vollendet werden konnte“, heißt es in dem Buch „S-Bahn München“ von Reinhardt Pospischil und Ernst Rudolph aus dem Jahr 1997. Zwischen Olching und Maisach stellte die Planer vor allem der Bereich um Gernlinden vor große Herausforderungen. Im Ort reichten Hausgärten bis an die bestehende Linie heran, der alte Bahnhof musste den neuen Gleisen weichen. Pospischil nennt auch hier Probleme beim Grunderwerb.

In Olching mussten die Amper und der Mühlbach überquert werden. Der Haltepunkt Esting entstand. Größere Umbauten waren auch in Maisach notwendig. Im Jahre 1980 standen der S3 zwei Gleise bis Maisach zur Verfügung. Damit war auch der 20-Minuten-Takt möglich. Der Bau des einen S-Bahngleises bis Nannhofen gestaltete sich einfacher, da nur landwirtschaftlicher Grund zu erwerben war. Allerdings musste der Bahnhof umgebaut werden. 1988 war dieser Abschnitt fertig gestellt. Größere Arbeiten folgten freilich mit dem viergleisigen Ausbau der Fernbahn-Linie München-Augsburg. 

Nach 16 Jahren des Ringens wurden die Schilder ausgetauscht. Dabei halfen (v.l.): Robert Kaiser, Leiter der Geschäftsstelle der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, Bürgermeister Hans Thurner, Gemeinderatsmitglied Reinhard Meßthaler, Vize-Bürgermeister Erwin Wieser, Verkehrsreferent Wolfgang Wuthe und der Dritte Bürgermeister Peter Muck (in Polizeiuniform).

Als historischen Tag empfand man es in Mammendorf, als der S-Bahnhalt umbenannt wurde. Trug er früher den Namen Nannhofen, so wurde er am 8. Dezember 2005 in Bahnhof Mammendorf umbenannt. Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember änderten sich auch die Bezeichnungen der Züge. Voran gegangen war ein 16 Jahre währendes Ringen mit der Bahn um die Umbenennung, wie das Tagblatt damals berichtete. Die Gemeinde Mammendorf musste 25 000 Euro für die Umbenennung berappen - denn mit dem symbolträchtigen Austausch der Schilder war es nicht getan. Sämtliche Unterlagen und Fahrpläne  mussten geändert werden, wie der damalige S-Bahnsprecher Horst Staimer dem Tagblatt erklärte. Mammendorf selbst - allen voran die Gewerbetreibenden - erhofften sich einen Standortvorteil. „Wir sind sehr glücklich, dass unser Gemeindename nun in allen Nachschlagewerken der Bahn zu finden ist“, sagte Mammendorfs damaliger Bürgermeister Johann Thurner.

Das Ende der Bahnwärter von Harthaus

Im Jahre 1903 war die Vorortbahn von Pasing über Germering nach Herrsching entstanden. Bis 1913 wurde sie zweigleisig bis Freiham ausgebaut. „Ein sehr hohes Pendleraufkommen, insbesondere aus dem Bereich der heutigen Stadt Germering machte es erforderlich, dass bereits vor 1972 in den Spitzenstunden Zugfolgen bis zehn Minuten in der jeweiligen Richtung angeboten wurden“, heißt es bei Pospischil. Als die S8 (damals S5) in Betrieb genommen wurde, stieg die Zahl der Pendler erneut. Die früher eigenständigen Ortsteile Harthaus, Unterpaffenhofen und Germering, aber auch Gilching/Argelsried im Nachbarlandkreis Starnberg wuchsen. Daher war im zweiten Ausbauplan der S-Bahn die Errichtung eines zweiten Gleises vorgesehen. 1981 wurde damit begonnen. Schon 1984 gab es zwei Gleise von  Freiham bis Unterpaffenhofen, kurz darauf auch bis Weßling. In dieser Zeit wurden bestehende Bahnübergänge durch Kreuzungsbauwerke ersetzt. Sprich: Schienenverkehr und anderer Verkehr finden nicht mehr auf der selben Höhe statt, begegnen sich damit nicht. Damit endete auch die Zeit der Schrankenwärter unter anderem in Germering und Harthaus.  Damals enstanden Sichtschutzwände für die angrenzenden Nachbarn. Der alte Güterwagenkasten in Harthaus wurde ersetzt durch ein neues Stationsgebäude. Der Kasten habe nicht unbedingt ein modernes Nahverkehrssystem repräsentiert, heißt es bei Pospischil. 

Immer Ärger mit der S4

Das Grundproblem der S4 hat sich bis heute erhalten: Sie muss sich die Gleise mit anderen Zügen teilen - mit dem Fernverkehr über Lindau aus der Schweiz, mit Regionalzügen und Güterzügen. So kommt es zu Konkurrenzsituationen, in denen die S-Bahn immer wieder das Nachsehen hat. Seit vielen Jahren steht daher der Bau weiterer Gleise auf der S4 im Raum. Im Jahre 2004 stellte der damalige Wirtschaftsminister Wiesheu in Aussicht, dass bis zum Jahr 2010 zwei weitere Gleise bis in die Buchenau entstanden sein werden. Alle Planungen und Debatten verliefen aber im Sande. Im Jahre 2011 legte das Wirtschaftsministerium eine Nutzen-Kosten-Analyse vor. Nach deren Aussage wäre ein viergleisiger Ausbau bis Buchenau wegen der hohen Baukosten wirtschaftlich nicht sinnvoll. Eines der Probleme beim viergleisigen Ausbau wäre der Hang hinter dem Kloster Fürstenfeld gewesen. Außerdem hätte der Ausbau bis Buchenau bewirkt, dass hohe Lärmschutzwände hinter dem Kloster notwendig geworden wären. Sinnvoll sei nur, so die Haltung des Ministeriums, ein dreigleisiger Ausbau bis Eichenau. Kritiker halten dem entgegen, dass drei Gleise bei weitem nicht den Vorteil von vier Gleisen mit sich brächten. Die Bahn hat nach eigenen Aussagen ein Unternehmen mit den Planungen für den Ausbau bis Eichenau beauftragt. Für die Zeit zwischen Planungsbeginn und Fertigstellung ist bei Schienenprojekten nach Aussagen von Experten stets mit einem Zeitraum von rund zehn Jahren zu rechnen. 

Die alten S-Bahnzüge.

Pospischil sprach bereits im Jahre 1997 von einer besonders hohen Nachfrage auf dem Westast der S4. Das Zugangebot sei bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit verdichtet. Erste Studien zu einer möglichen Trassierung für weitere Gleise bis in die Buchenau wurden 1991 erstellt. In der Buchenau entstand 1987 sogar ein Wendebahnhof. 1992 teilte der Bundesverkehrsminister allerdings mit, dass er einen Planungsauftrag für den viergleisigen Ausbau bis Buchenau für nicht sinnvoll hält. Grund waren andere Projekte, die als drängender galten.  

Sehr beliebt bei Pendlern waren lange Jahre die Regionalzüge, die in der Buchenau und Bruck hielten, denn deren Fahrtzeit nach München ist wesentlich kürzer als die der S-Bahnen, die ja an vielen Punkten halten müssen. Im Jahr 2015 kam es allerdings zu einem Eklat: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die dem Verkehrsministerium untersteht und definiert, welche Züge wie wo fahren (“bestellen“), strich in einer Nacht- und Nebelaktion wichtige Halte der Regionalzüge in Fürstenfeldbruck. Im Hintergrund dieser Entscheidung standen Bahnsteighöhen und der neu eingeführte Betrieb des Regionalzugs Alex. Bis heute wird an Lösungen laboriert. So soll das in den Jahren zuvor nur betriebsintern benutzte Gleis 1 im Fürstenfeldbrucker Bahnhof so ertüchtigt werden, dass hier doch wieder Regionalzughalte möglich werden. Entsprechende Planungen laufen - der Bahnsteig muss erhöht werden. 

Im Sande verliefen die Bemühungen des Landkreises Fürstenfeldbruck, mit einer Studie aufzuzeigen, dass es auch bei der bestehenden Situation möglich wäre, so genannte Express-S-Bahnen fahren zu lassen. Technisch nicht möglich sei das, so die Gegenargumentation, wobei bei Beobachtern die Hoffnung besteht, dass die Idee der Express-S-Bahnen noch nicht gestorben ist.

Ein längst vergessenes Kapitel der S4 - die zwischenzeitlich als S8 firmierte und bis zum Flugplatz München fuhr - ist der Versuch aus dem Jahr 1989, niederländische Doppelstockwaggons zwischen Geltendorf und Ebersberg einzusetzen. Sie fuhren im Frühsommer dieses Jahres genau vier Wochen lang. Die Züge wurden von den Fahrgästen als Sensation empfunden, wie Staimer und Dix berichten. Die Züge waren sofort knallvoll, alle wollten damit fahren. Wegen des großen Andrangs musste die Bahn ab Fürstenfeldbruck sogar einen Zusatzzug bereitstellen. Problem aber: Die Doppelstockzüge waren für den Regionalverkehr konzipiert und nicht für die S-Bahn. Sie hatten zu wenige Türen, das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste zog sich deshalb hin. Die lokbespannten Züge konnten außerdem nicht so schnell beschleunigen wie die S-Bahnen - sie wirbelten den Fahrplan also gehörig durcheinander, sodass die gelben Riesen bald wieder der Vergangenheit angehörten. Zumindest auf der S-Bahn. Die Züge wurden dann im Regionalverkehr unter anderem nach Mühldorf eingesetzt. 

Im Jahr 2014 fuhr sogar der damalige Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann in aller Früh und in Pressebegleitung mit der S4 von Bruck nach München, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Die S4 hatte an jenem Morgen nur wenige Minuten Verspätung, war aber  immerhin knallvoll, sodass der Minister, seine Begleiter, der Stimmkreisabgeordnete Reinhold Bocklet (CSU) und Landrat Thomas Karmasin die Fahrt stehend verbringen mussten. Das anschließende Gespräch in München - die Brucker Vertreter hofften vor allem auf ein positives Signal in Sachen Express-S-Bahnen - verlief aber nicht, wie gewünscht: alles blieb wie es war, wobei Herrmann auch einen raschen Ausbau ankündigte. 

Überhaupt verpufften im Laufe der Jahre viele Initiativen von Lokalpolitikern und Landtagsabgeordneten. Auch die Bürgerinitiative für den Ausbau der S4 setzt sich vehement ein, hatte bisher aber ähnlich wenig Durchschlagskraft. Der Bau der zweiten Stammstrecke, der 2018 beginnt, bedeutet nun einen gewissen Hoffnungschimmer, da eine funktionierende zweite Röhre in München per se schon Verbesserungen für die S4 bringen könnte. Gleichzeitig soll wohl auch ein weiteres altes Problem der S4 angegangen werden: Der Westkopf Pasing, eine Engstelle, die häufig für Verzögerungen sorgt, soll umgebaut werden. Verantwortliche bei der Bahn betonen, dass ein Ausbau der S4 ohne neue zweite Stammstrecke letztlich sinnlos ist, was Kritiker aber bezweifeln. Die Bürgerinitiative S4-Ausbau betont immer wieder, wie viele Ankündigungen es in Sachen S4 schon gab, denen allerdings nie Taten folgten. Sie bietet mittlerweile aus Spaß ein Quiz mit Fragen zu dem Thema an. Wiesheu, Seehofer, Zeil, Herrmann - alle kommen vor. 

Unfälle der jüngeren Vergangenheit

Im Jahre 2007 wurde das Mammendorfer Volksfest von einem tragischen Unglück überschattet: Ein 16-jähriger Maisacher kletterte nach dem Besuch des Festes zusammen mit einem Freund auf eine abgestellte S-Bahn, weil er sich die Zeit des Wartens auf einen Bus vertreiben wollte. Die Burschen machten Faxen, ließen sich mit Handys filmen. Als der 16-Jährige Richtung Führerhaus lief, passierte das Unglück: Eine grelle Stichflamme schoss empor - ein Stromschlag tötete den Burschen. Unklar blieb, ob er die Hochspannungsleitung berührte oder ob der Strom von 15 000 Volt-Leitung übersprang. Das Entsetzen war groß.

Glücklich dagegen endete ein Vorfall am Bahnhof Buchenau im Mai 2008. Ein Obdachloser geriet aus ungeklärten Umständen kurz nachdem er die S-Bahn verlassen hatte mit dem Kopf zwischen S-Bahn und Bahnsteig. Ein Passant sah das und verhinderte die bevorstehende Abfahrt des Zugs. Die Feuerwehr hob mit Lufthebekissen, Holzpflöcken und überdimensionalen Wagenhebern die S-Bahn an, sodass der Obdachlose aus seiner misslichen Lage befreit werden konnte. Der Mann kam mit ein paar Kratzern davon. Er hatte vier Promille Alkohol im Blut.

Zu einem furchtbar tragischen Unfall kam es im Mai 2012 im Brucker Bahnhof. Ein durchfahrender Zug wirbelte den Schlauch eines Hochdruckreinigers auf und schleuderte ihn gegen den Kopf einer 54-Jährigen. Sie erlag wenig später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Eine Zeugin musste von einem Kriseninterventionsteam betreut werden.

Im Januar 2013 wurde ein 22-Jähriger am Bahnhof Fürstenfeldbruck von einer S-Bahn erfasst, wobei die genaueren Umstände unklar blieben. Der junge Mann hatte um die zwei Promille Alkohol im Blut, als er in der Früh jenes Tages von Passanten auf den Schienen liegend gefunden wurde. Vermutlich war der 22-Jährige zwischen Bahnsteig und  Zug geraten. Der Fahrer der Lok bemerkte nichts. Der 22-Jährige überlebte den Unfall. Allerdings musste ihm ein Bein amputiert werden. 

Ein Lastwagenfahrer dagegen starb bei einem Unfall am Bahnübergang Reginawerk in Emmering im Februar 2013. Sein Lastwagen war wegen eines technischen Defekts genau auf dem Übergang liegengeblieben und eine herannahende S-Bahn konnte nicht mehr bremsen. Sie krachte mit voller Wucht in den Lastwagen, der Auflieger wurde durch die Luft geschleudert und traf den Lastwagenfahrer, der offenbar gerade auf Fehlersuche an seinem Gefährt war. Die Aufräumarbeiten nach dem Crash gestalteten sich schwierig. Der Unfall befeuerte die Debatte um die Verlegung des höhengleichen Bahnübergangs.

Bei dem Unfall in Olching wurde der Bagger in die Lärmschutzwand geschleudert.

Zum wohl spektakulärsten S-Bahn-Crash der jüngeren Vergangenheit kam es am Morgen des 7. Mai 2014. Eine Lok vor einem nicht mit Fahrgästen besetzen Zug rammte in Olching einen Bagger, der für Bauarbeiten eingesetzt wurde. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Bagger in die Lärmschutzwand gedrückt. „Ich hab gedacht, nebenan hat ein Blitz eingeschlagen“, sagte damals ein Anwohner. Der Lokführer, der Baggerfahrer und zwei Arbeiter wurden teils schwer verletzt. Trümmerteile lagen in angrenzenden Gärten, Gleise und Weichen wurden beschädigt. Die S3 blieb mehrere Tage lang unterbrochen, der Sachschaden erreichte Millionenhöhe. Zu dem Unfall war es gekommen, weil der Zug auf Gleisen fuhr, die wegen der Bauarbeiten eigentlich hätten gesperrt sein müssen. Die Verantwortlichkeiten wurden nie ganz geklärt. „Es ist offensichtlich geschlampt worden, von wem auch immer“, sagte ein Richter bei einem Verfahren am Amtsgericht im Januar 2017.

Tödlich dagegen endete ein Vorfall im November 2014. Ein 18-Jähriger aus Maisach wurde zwischen Olching und Gröbenzell von einer S-Bahn erfasst und dabei tödlich verletzt. Der junge Mann muss nach einer Feier zu Fuß auf einem kleinen Steg für Versorgungsleitungen direkt neben den S-Bahngleisen gegangen sein und muss die S-Bahn überhört haben. Der Fahrer verzeichnete zwar einen Schlag, bemerkte sonst aber nichts von dem Unglück. Der Maisacher wurde erst 16 Stunden später in einem Gebüsch zwischen Gröbenzell und Olching gefunden. Der Schock unter seinen Altersgenossen war riesig - und die Verantwortlichen warnten eindringlich davor, den Leitungssteg als Fußweg zu benutzen. 

Von einer Lebensrettung berichtet wurde unterdessen im Juli 2017. Am Bahnhof in Pasing war ein betrunkener Mann ins Gleisbett gefallen - und ein Brucker (18) sprang hinterher, um den Mann zurück auf den Bahnsteig zu hieven, bevor der nächste Zug kam. Die Polizei lobte hinterher ausdrücklich die Zivilcourage des jungen Bruckers. 

Aufregerthemen

S-Bahnausfälle und Unpünktlichkeiten aus welchen Gründen auch immer sind stets große Aufreger bei den Fahrgästen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang immer wieder eine mangelnde Informationspolitik der Bahn. In S-Bahngruppen in Facebook (“Meine Sx kommt nicht“) können sich Fahrgäste gegenseitig helfen. Für einen großen Aufschrei nicht nur in der Region Bruck, aber auch, sorgte die Praxis der Bahn, bei Verspätungen Zughalte an Bahnhöfen der Außenäste einfach zu streichen, um Zeit gut zu machen. Das Thema, bekannt geworden nach einer entsprechenden Beschwerde aus Gernlinden, wurde auch im Landtag behandelt. 

Eine positive Meldung indes konnte das Fürstenfeldbrucker Tagblatt im Juli 2014 verbreiten: Eine S3-Nutzerin hatte sich nach einer Phase mit häufigen Verspätungen und Ausfällen bei den Verantwortlichen der S-Bahn beschwert und gefordert, einen Teil der von ihr via Isar-Card bereits vorab bezahlten Ticketpreise zurück zu erhalten. Tatsächlich ging die Bahn darauf ein: Die Gernlindenerin bekam einen Entschuldigungsbrief und eine Bahncard im Wert von 23 Euro. Als Grund für die Probleme damals gab die Bahn eine Überlastung der Münchner Stammstrecke an. 

Vernetzung und Ausblick

Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat mittlerweile verschiedene Buslinien geschaffen, die als Querverbindungen zwischen den S-Bahnen fungieren. Die Tangentialverbindungen sollen die S-Bahnstränge untereinander vernetzen und helfen, so der sternartigen Struktur des S-Bahnnetzes weitere Verbindungen hinzufügen. So verknüpft beispielsweise die Buslinie 820 Fürstenfeldbruck (S4) mit Seefeld-Hechdorf (S8). Eine Tangentiale schafft auch die Express-Buslinie X900 zwischen Bruck und Starnberg genau wie der Express-Bus zwischen Germering und Fürstenfeldbruck (X845). Auch zwischen der S3 und der S4 besteht eine Querverbindung (Linie 843).

Die Bahn ihrerseits plant, den für den Verkehr aktuell nicht genutzten Steig 1 am Bahnhof in Fürstenfeldbruck so zu ändern, dass hier künftig Regionalzüge halten können. Geplant ist die Fertigstellung bis zum Jahr 2020. Mit der Fertigstellung der zweiten Stammstrecke soll auf den Außenästen ein 15-Minuten-Takt eingeführt werden. Langfristig soll die S4 ein weiteres Gleis zwischen Eichenau und München-Pasing bekommen.

Bereits begonnen wurde mit der Elektrifizierung der Bahn-Strecke ab Geltendorf in die Schweiz. Damit dürfte eine Verstärkung des überregionalen Verkehrs auch auf der Strecke der S4 einhergehen. Wie stark die Auswirkungen sein werden, gilt im Moment als unklar. 

Zahlen

An einem Werktag bringt es der Kreis Bruck auf 76 000 S-Fahrgäste. 59 000 davon wollen nach München oder kommen von dort. (Zahlen aus 2009). In der Stadt Fürstenfeldbruck selbst werden 11 300 Fahrgäste je Tag gezählt (Zahlen von Ende 2017), im Stadtteil Buchenau zusätzlich 6800, insgesamt also über 18 000. Zum Vergleich: In Dachau nutzen an zwei Bahnhöfen 17800 Fahrgäste die S-Bahn täglich, in Starnberg 16800. Die Zahl der Pendler, die aus dem Kreis Bruck kommend die Stadtgrenze nach München mit der S-Bahn überqueren, liegt mittlerweile bei rund 80 000 je Tag. Die S-Bahn München verzeichnet insgesamt hohe Einkünfte.  

Auch interessant: Eine Fahrt auf der S4 im Führerhaus einer S-Bahn.

 

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