Die Jungpflanzen: Michaela Karl zieht sie im Gewächshaus – und auch in ihrer Wohnung. 
+
Die Jungpflanzen: Michaela Karl zieht sie im Gewächshaus – und auch in ihrer Wohnung. 

Nannhofen/Mammendorf

Schloss-Gemüsegarten wieder belebt

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
    schließen

Regionale Produkte sind durch Corona noch ein Stück beliebter geworden. Das gilt gerade bei Lebensmitteln. Als Martin und Michaela Karl in Nannhofen begannen, selbst angebautes Gemüse zu verkaufen, war die Nachfrage gleich so groß, dass das Ehepaar kaum hinterherkam. Nun steht die zweite Saison bevor – und die beiden sind gut gerüstet.

Nannhofen – Vom Fenster ihrer früheren Wohnung hatten die Karls einen schönen Blick auf den alten Gemüsegarten von Schloss Nannhofen. Dort einen eigenen Anbau starten, das wär’s, dachte sich Martin Karl mehr als einmal. Es hatte den 37-Jährigen schon immer in Richtung Landwirtschaft gezogen. Und so entschloss er sich nach einer Berufsausbildung als Koch, einer weiteren im Lebensmittelhandwerk und etlichen Berufsjahren in der Gastronomie, als Quereinsteiger in die Gemüsegärtnerei zu gehen.

Um möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, arbeitete er in drei verschiedenen Biobetrieben – und dann ergab sich tatsächlich die Möglichkeit, auf dem Schlossgelände eigenverantwortlich loszulegen. Als Erstes musste die Fläche wieder urbar gemacht werden. „Ich glaube, der letzte Gärtner hat hier vor 30 Jahren aufgehört“, erzählt Martin Karl und lacht.

Er stand zunächst vor einer „grünen Wand“. Den Weg zum Gewächshaus musste man sich freischneiden, in der Betoneinfassung des Frühbeets wuchsen Bäume. Karl und seine Frau investierten jede Menge Zeit, Muskelkraft und Schweiß, um die 500 Quadratmeter zu roden und alle Beete von Hand umzugraben – übrigens ohne Grünabfälle zu produzieren. Pflanzenteile wurden gemulcht, die geschlagenen Stämme und Äste türmen sich heute zu einer Totholzhecke auf.

Trotz des langen Winters hat die Saison für die Karls gut angefangen. Verkaufsstart soll am 9. April sein. Im Frühbeet sprießen unter Glas die ersten Salatköpfe, Spinat gibt es auch schon. „Der wächst auch bei Kälte“, so der Gemüsegärtner. Karotten, Rote Bete, Zucchini, Tomaten, Knoblauch, Petersilie, Radieschen, Schnittlauch, Kohlrabi, Mangold und mehr werden im Laufe der nächsten Wochen und Monate hinzukommen.

Die Jungpflanzen zieht Michaela Karl im Gewächshaus – und zum Teil auch in ihrer Wohnung. Die Familie lebt mittlerweile in einem denkmalgeschützten hundertjährigen Haus direkt unterhalb des Geländes. Nur so ist es machbar, den „Gmiasgarten“ im Nebenerwerb zu stemmen. Martin Karl ist noch voll berufstätig, seine Frau arbeitet Teilzeit als Buchhalterin und kümmert sich um die zweijährige Tochter. Im Sommer erwartet die Familie noch einmal ein Baby.

„Bisher hat es gut geklappt“, sagt Michaela Karl über den Spagat zwischen ihren vielen Pflichten. „Mir macht es echt Spaß, und der Kontakt zu den Kunden ist super. Wir bekommen nur positive Reaktionen.“ Die 31-Jährige hatte zum Verkaufsstart im vergangenen Jahr eine Internetseite aufgebaut und Flyer im Ort verteilt. Die Resonanz war überwältigend – die Leute standen Schlange, die Ware reichte nicht.

Damit nie etwas weggeworfen werden muss, gibt es ein Bestellsystem und einen festen Verkaufstag pro Woche. So wissen die Karls, wie viel sie wann ernten und gegebenenfalls zukaufen müssen – ausschließlich von anderen regionalen Biobetrieben. „Wir fragen die Kunden, ob das für sie okay ist.“Auch der Gmiasgarten will sich demnächst einem Bio-Anbauverband anschließen.

Natürlich kommt auch bei Familie Karl das selbst angebaute Gemüse auf den Tisch. Und dank der Kochkünste von Papa Martin ist sogar Töchterchen Lina ein Spinat-Fan.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare