Elisabeth Hatzinger zeigt ihre Schmuck-Ostereier.
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Je fieseliger, desto mehr Spaß macht es ihr: Elisabeth Hatzinger investiert viel Zeit in die Schmuck-Ostereier.

Sie liebt die Fieselarbeit

Diese Ostereier sind wahre Kunst und kaum bezahlbar

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Elisabeth Hatzinger ist ein kreatives Multitalent. Sie malt. Sie macht Teddybären, Puppen, Schmuck, Klosterarbeiten. Und Osterschmuck. Jedes dekorative Ei ist ein filigranes Kunstwerk, in dem viele Stunden Arbeit stecken. Für die 70-Jährige aus Mammendorf gilt das Motto: Je fieseliger, desto mehr Spaß macht es ihr.

Mammendorf – Die Verzierungen auf den einfarbig bemalten Kunststoffeiern dreht, windet und flicht Elisabeth Hatzinger aus dünnen vergoldeten Drähten. Manche schmückt sie zusätzlich mit Süßwasserperlen und selbst zugeschnittenen Blättern aus Metallfolie. Bei den größeren Exemplaren öffnen sich Flügel, die innen mit Stoff und winzigen Bildern ausgekleidet sind.

Wollte sie ihre Arbeiten zu einem halbwegs angemessenen Preis verkaufen, würde ein solches Schmuck-Ei hunderte Euro kosten – selbst wenn man für die aufgewendete Arbeitszeit nur den Mindestlohn ansetzt. „Das zahlt keiner, darum verkauf ich’s nicht“, sagt Hatzinger.

Klosterarbeit von Mutter der Biermösl Blosn gelernt

Lieber bringt sie Leuten bei, Osterschmuck oder Klosterarbeiten selbst zu gestalten. In ihren Kursen bekommt jeder Teilnehmer ein vorbereitetes Set mit allen Bestandteilen – der richtigen Anzahl an Blättchen, den millimetergenau zugeschnittenen Drähten. „Es muss alles genau passen. Sonst machen es die Leute nicht gerne“, hat die Mammendorferin festgestellt. Auch Aquarellmalerei unterrichtet sie mit großem Erfolg - viele Hobbykünstler kommen seit Jahren in ihre VHS-Kurse.

Dünne Drähte, Süßwasserperlen, Blätter aus Metallfolie: Solch ein Kunstwerk müsste hunderte Euro kosten.

Die Mutter eines Sohnes und Großmutter von zwei Enkeln hat sich schon als Kind gerne künstlerisch betätigt und wäre auch beruflich in diese Richtung gegangen, wenn nicht ihr Vater ein Machtwort gesprochen hätte: „Verdien’ erstmal dein Geld, dann kannst du machen, was du willst.“ So wurde Elisabeth Hatzinger Bankkauffrau und widmete sich der Kunst nur in ihrer Freizeit. Sie besuchte im Urlaub Malkurse bei namhaften Künstlern. Das Anfertigen von Klosterarbeiten – so genannt, weil ursprünglich von Mönchen und Nonnen als Winterbeschäftigung ausgeübt – lernte sie bei Traudl Well, der Mutter der musikalischen Großfamilie aus Günzlhofen.

Jede freie Minute verbringt sie in ihrem Atelier

Vor 20 Jahren erfüllte sich für Elisabeth Hatzinger der Traum von einem eigenen Atelier. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie den Speicher in einem damals neu errichteten Geschäfts- und Wohnhaus aus. Ihr inzwischen verstorbener Mann war froh, dass der Kunstbetrieb von zu Hause ausgelagert wurde, denn bis dahin hatte Elisabeth Hatzinger auch ihre Kurse in den heimischen vier Wänden gegeben.

Teddybären, Puppen, Schmuck, Klosterarbeiten, Aquaralle: Elisabeth Hatzinger ist ein kreatives Multitalent.

Nun verbrachte sie jede freie Minute in ihrem neuen Reich, dem sie den Namen „Arts & More“ gab. Der hohe helle Raum mit Holzdecken, Wendeltreppe und Galerie beherbergt ein beeindruckendes Gesamtwerk. Wo man auch hinschaut, überall hängen, stehen und liegen Beispiele für Hatzingers breitgefächertes Talent. Eine Ecke gehört ihren vielen Schmuckstücken und den selbst genähten Teddybären. An den Wänden hängen Aquarelle von Blumen und idyllischen Szenen. Auf den Treppenstufen sitzen Puppen, die den Figuren aus dem Musical „Cats“ nachempfunden sind. Ein Vitrinenschrank beherbergt Sakralkunst.

Nichts davon schmückt ihr Zuhause. „Da bin ich ganz spartanisch eingerichtet“, sagt Elisabeth Hatzinger und lacht. Dort widmet sie sich lieber dem Garten – und ihrem Kater.

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