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Albert Hillebrand wurde 76 Jahre alt.  

Nachruf

Große Trauer um den Chef der Mammendorfer Trachtengalerie

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Albert Hillebrand, Chef der Trachtengalerie in Mammendorf, ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine große 

Mammendorf– An seinem Arbeitsplatz war Albert Hillebrand allein unter Frauen. „Meine Weiber“ nannte der Chef seine Mitarbeiterinnen in der Trachtengalerie in Mammendorf. Das war nicht despektierlich gemeint – im Gegenteil. Als Chef der alten Schule kümmerte sich der Ladeninhaber fürsorglich um seine Belegschaft. Dass es täglich für alle Mittagessen gab, war für ihn selbstverständlich. Und er achtete darauf, dass sich sein Personal dafür die Zeit nahm – selbst, wenn zur Wiesn-Zeit der Laden Kopf stand. Die Vorstellung, dass jemand mit knurrendem Magen arbeitete, fand er unerträglich.

Auch die Kunden wurden nicht hungrig aus der „Trachtengalerie“ entlassen. An der Kasse – Hillebrands Lieblingsplatz – stand stets eine Schale mit Äpfeln. Denn: „Nur g’sunde Leit kommen wieder.“ Das war einer seiner Standardsätze, ebenso wie „San’s mit’m Radl da?“. Oder die Frage an attraktive Frauen, ob sie den Namen des traditionsreichen Ofenherstellers Wamsler tragen würden – „weil Sie so ein heißer Ofen sind“. Aus dem Mund des ansteckend fröhlichen Albert Hillebrand klangen solche Sätze nicht peinlich, sondern charmant.

Er hatte neun Geschwister

Hillebrand stammte aus einer Fürstenfelder Klosterer-Familie. Als fünftes von zehn Kindern eines Schusters wuchs er auf dem Gelände des heutigen Veranstaltungsforums auf. Bevor er seine Leidenschaft für Textilien und Mode entdeckte, machte er eine Kfz-Lehre und verdiente seine Brötchen eine Zeitlang als Lkw-Fahrer für eine Molkerei, dann als Handelsvertreter.

Sein grenzenloser Optimismus ließ den dreifachen Vater und Großvater eines Enkels Krisen meistern – geschäftliche wie gesundheitliche. Nach einer Herzklappen-OP vor sieben Jahren rappelte er sich schnell wieder auf und quittierte jede Frage nach seinem Befinden mit dem Satz: „Mir geht’s gut.“ Selbst, wenn man ihm das Gegenteil ansah.

Der Trachtenladen war sein Leben

Bis zum letzten Tag stand Albert Hillebrand im Laden. Abends sperrte er ab und ging hoch in seine Wohnung über dem Geschäft. Er freute sich auf eine Fußballübertragung, Bayern gegen Dortmund. Doch die hat er wohl nicht mehr gesehen. Sein plötzlicher Tod war für Angehörige und Mitarbeiterinnen ein Schock, doch für ihn erfüllte sich wohl ein Wunsch. Er wollte aktiv bleiben bis zum Schluss und niemandem zur Last fallen. Er wurde 76 Jahre alt.

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