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Klima-Check vor Ort: Wandel mit Wind und Wärme

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Von: Andreas Daschner

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Baustelle in Adelshofen: Im Hauptort werden derzeit Leitungen für das Nahwärmeprojekt verlegt. Dieses treibt Robert Bals abseits seines Ehrenamtes als Bürgermeister weiter voran. 	Foto: Peter Weber
Baustelle in Adelshofen: Im Hauptort werden derzeit Leitungen für das Nahwärmeprojekt verlegt. Dieses treibt Robert Bals abseits seines Ehrenamtes als Bürgermeister weiter voran. © Weber

In Althegnenberg steht mit der Agro-Photovoltaikanlage ein Leuchtturmprojekt in Sachen Sonnenenergie. In Adelshofen soll es bald vier Nahwärmenetze geben. Das sind nur zwei Beispiele, die zeigen: In den acht Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf wird Nachhaltigkeit zunehmend groß geschrieben.

Westlicher Landkreis – „An diesem Thema kommt kein Kommunalpolitiker mehr vorbei“, sagt Mammendorfs Bürgermeister Josef Heckl. Bei nahezu jeder Maßnahme werde mittlerweile auch die Nachhaltigkeit diskutiert. Und Jesenwangs Rathauschef Erwin Fraunhofer sagt: „Wir versuchen bei unseren Projekten, der Nachhaltigkeit großes Gewicht zu geben.“

Der Oberschweinbacher Amtskollege Norbert Riepl erkennt ebenso einen „stetig steigenden Stellenwert“. Nicht umsonst befasse sich der Energie- und Umweltausschuss intensiv mit dem Thema und entwickle Maßnahmen, die dann dem Gemeinderat vorgeschlagen werden.

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Einfach wird es den Kommunen aber nicht immer gemacht – sei es durch gesetzliche Vorgaben oder die finanziellen Rahmenbedingungen. In Mittelstetten fühlt sich Bürgermeister Franz Ostermeier durch die 10H-Regelung bei der Windkraft zu sehr ausgebremst. Außerdem könne man nachhaltige Maßnahmen nur zusammen mit Landes- und Bundespolitik finanzieren. „Bei jedem neuen Gesetz sollte auch gleich die Finanzierung nachgewiesen werden“, fordert Ostermeier.

Heckl moniert die oft hohen Hürden bei Ausschreibungen und Fördervoraussetzungen, Fraunhofer spricht lange Genehmigungsprozesse an, und in Oberschweinbach verhindert der Denkmalschutz die laut Riepl gewünschte Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gemeindezentrums im ehemaligen Kloster Spielberg. Hohe Baukosten tun laut Heckl ihr Übriges, um bauliche Maßnahmen zu erschweren.

Trotzdem sind die acht Kommunen der VG Mammendorf im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr aktiv. Von Sonnenstrom über energetisches Bauen bis hin zur Mobilität und mehr wurden und werden Maßnahmen umgesetzt, die der Nachhaltigkeit dienen. Ein Überblick:

Sonnenenergie

Neben der Agro-Photovoltaikanlage in Althegnenberg gibt es zahlreiche Anlagen, die sich die Sonnenenergie zunutze machen. In Mammendorf werden mittlerweile fast alle gemeindlichen Gebäude mit PV-Anlagen gebaut oder nachgerüstet. „Außerdem unterstützen wir mehrere Freiflächen-PV-Anlagen auf Mammendorfer Flur mit unserer Bauleitplanung“, sagt Heckl. Ebenfalls öffentliche PV-Anlagen gibt es in Althegnenberg (Rathaus, Schule, Kinderhaus, Kläranlage), Hattenhofen (neues Kinderhaus), Jesenwang (Kinderhaus), Landsberied (Turnhalle, Kinderhaus) und Oberschweinbach (Schule).

Dazu kommen zahlreiche private Anlagen, wie Ostermeier für Mittelstetten betont. Und auch Franz Robeller weiß von „bestimmt 70 oder 80 privaten PV-Anlagen“. Landsberied hat einen eigenen Zuschusstopf für private Anlagen. Adelshofen galt sogar mal als Pionier-Gemeinde in Sachen Sonnenstrom. Keine Kommune im Landkreis hatte im Jahr 2013 laut einer damaligen Rangliste mehr Solarenergie ins öffentliche Netz eingespeist. Damit war die Gemeinde sogar bundesweit weit vorne.

Weitere PV-Anlagen sind auf Sportzentrum, Schule und Kinderhauserweiterungsbau in Althegnenberg geplant. Ebenso auf der Schule in Jesenwang.

In Landsberied würde man gerne Module aufs Dach der Dorfwirtschaft schrauben. Dort wird man aber vom Gesetz ausgebremst. Weil die Gemeinde Eigentümer, der Wirt aber nur Pächter ist, darf der Strom nicht selbst verbraucht werden, da die Kommune sonst zum Stromhändler und damit steuerpflichtig würde. „Eine Einspeisung ins Stromnetz ist uninteressant“, sagt Bürgermeisterin Andrea Schweitzer angesichts der sieben Cent, die es dafür pro Kilowattstunde gibt. Deshalb gibt es auf dem Dorfwirt derzeit nur eine Solaranlage für die Warmwasserbereitung.

Wärmeversorgung

In aller Munde ist das Nahwärmeprojekt in Adelshofen – auch weil es zu Widerstand der Anwohner gegen den geplanten Standort der Heizzentrale kam. Unabhängig davon treibt Robert Bals abseits seines Ehrenamtes als Bürgermeister das Projekt weiter voran. Viele Leitungen sind bereits verlegt. Doch das ist nicht die einzige Nahwärmeversorgung in der Gemeinde. Zwei Projekte wurden in Luttenwang realisiert: mit einer Biogasanlage sowie einer Hackschnitzelheizung als Zentrale. „In Nassenhausen ist auch ein Netz in Planung“, sagt Bals.

Mammendorf steht dem kaum nach. Dort gibt es zwei Biogasanlagen, eine davon versorgt das Freibad und mehrere Betriebe mit Wärme. Eine Hackschnitzelheizung gibt es bei der Alten Schule, das Bürgerhaus wurde mit einem Blockheizkraftwerk gebaut. Auch Althegnenberg und Landsberied verfügen über Fernwärmenetze. In Jesenwang soll eines mit dem neuen Gewerbegebiets entstehen.

Blühflächen

In der VG blüht es an allen Ecken und Enden. Die acht Gemeinden haben zahlreiche Flächen, auf denen sich Bienen und andere Insekten wohlfühlen können. „Unsere Blühwiese wurde schon vor dem Volksbegehren ,Rettet die Bienen‘ umgesetzt“, betont Oberschweinbachs Rathauschef Norbert Riepl. Sein Adelshofener Amtskollege Bals verweist auf zahlreiche derartige Flächen: „Das sind zwar oft nur kleine Maßnahmen, die aber in der Summe auch viel bringen.“

Eine ähnliche Wirkung hat das Straßenbegleitgrün entlang der Poststraße und der Staatsstraße in Jesenwang. Josef Heckl verweist auf die Beteiligung Mammendorfs am Projekt „Brucker Land blüht auf“. Zudem unterstütze man die Landwirte bei der Schaffung von Blühwiesen und den Bund Naturschutz beim Bau eines Bienenhotels.

Althegnenberg nimmt ebenfalls am Projekt „Brucker Land blüht auf“ teil. „Außerdem haben wir Streuobstwiesen“, sagt Bürgermeister Rainer Spicker. In Landsberied wurden drei Ökokonten angelegt, in denen Flächen bevorratet werden, die zum Ausgleich für Baumaßnahmen aufgewertet werden.

Windkraft

Eines der bislang einzigen beiden Windräder des Landkreises dreht sich auf Mammendorfer Flur. Es war das landkreisweit erste überhaupt. Ansonsten sieht es in Sachen Windkraft wegen der 10H-Regelung eher düster aus – die Vorgabe besagt, dass der Abstand zur Wohnbebauung das Zehnfache der Windradhöhe betragen muss. Für Windräder müssten Bebauungspläne aufgestellt werden. Auf der einzigen 10H-Fläche im Landkreis bei Jesenwang versucht eine Genossenschaft aus Freising, eine Windkraftanlage zu bauen. Ziel 21 hat ebenfalls verlauten lassen, dass man an einem Standort dran sei – dort wohl via Bebauungsplan.

Mobilität

Carsharing, E-Autos, E-Ladesäulen: Viele Gemeinden versuchen auch, eine Wende in der Mobilität zu unterstützen. Zum Beispiel beteiligt sich Mammendorf am Projekt Mobilitätsstationen des Landkreises. „Ein E-Carsharing ist in Planung“, sagt Bürgermeister Heckl. Auch Rainer Spicker in Althegnenberg will Carsharing aufbauen. „Außerdem wollen wir die Fahrzeuge des Bauhofs auf E-Autos umstellen.“ E-Bike-Ladestationen gibt es zum Beispiel am Sportplatz in Jesenwang und bei der Landsberieder Dorfwirtschaft.

Schließlich wurden und werden die Radwegnetze beständig ausgebaut. „Fast alle Ortsverbindungen sind inzwischen mit Radwegen versehen“, sagt Heckl. Oft tun sich die Gemeinden aber nicht leicht, die Bürger von neuen Angeboten zu überzeugen. „Der Deutsche hängt halt sehr am eigenen Auto – vor allem auf dem Land“, sagt Hattenhofens radelnder Rathauschef Franz Robeller.

Sonstige Maßnahmen

Die acht Kommunen der VG können sich auch sonst einige Maßnahmen auf die Fahne schreiben, die der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz dienen. Beispielhaft sei hier die Krötenleiteinrichtung entlang der Nassenhausener Straße genannt.

Viele Kommunen rüsten ihre Straßenbeleuchtung auf LED um, wie Adelshofen und Landsberied. In Althegnenberg soll auch das Flutlicht am Sportplatz die energiesparenden Leuchten bekommen. Dazu kommen zahlreiche energetische Sanierungen wie etwa der Mehrzweckhalle in Mammendorf und der Rathäuser in Althegnenberg und Jesenwang. In Oberschweinbach hat man sich außerdem des Themas Flächenfraß angenommen. „Bei uns wird die flächenschonende Gemeindeentwicklung großgeschrieben“, sagt Bürgermeister Norbert Riepl.

Das Leuchtturm-Projekt 

Flächenfraß einerseits, hoher Strombedarf andererseits – beim Thema Nachhaltigkeit kommt es auch zu Interessenskonflikten. Eine geniale Lösung findet sich in der Gemeinde Althegnenberg: die deutschlandweit erste Agro-Photovoltaikanlage. Sie verbindet die Gewinnung von Sonnenstrom durch eine Freiflächenanlage mit der landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens darunter.

Erdacht wurde das Projekt von Raphael Gaag, einem Schüler der Berufsoberschule Friedberg. Die Idee ist so einfach wie genial. Die Module der Freiflächenphotovoltaikanlage sind beweglich. Das hilft zum einen, weil sie dem Stand der Sonne folgen können und somit der Ertrag erhöht wird. Zum anderen können die Module bei Bedarf hochgeklappt werden, sodass der Landwirt die Fläche gleichzeitig für die Biolandwirtschaft nutzen kann. Das Projekt wurde vergangenes Jahr mit dem Energiepreis des Bayernwerks ausgezeichnet, der von Regierungspräsidentin Maria Els übergeben wurde.

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