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Er hat sich ganz und gar den Pferden verschrieben: Heinz Langmann mit zwei seiner Schützlinge. Der 55-Jährige ist Pferdewirtschaftsmeister und erlebte die Glanzzeiten des Gestüts Nannhofen mit.

Gut Nannhofen

Wo erfolgreich Pferde gezüchtet wurden

Nannhofen – Unter Pferdekennern galt Nannhofen über Jahre hinweg als richtig feine Adresse. Die Tiere wurden sogar in die USA und Kanada verkauft. Nun soll das Gut zum Erlebnisbauernhof werden.

Das Gestüt Nannhofen ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Da ist zum einen die Anordnung der Gebäude. Stall, Scheune und zwei Wohnhäuser begrenzen den Wirtschaftshof auf allen Seiten und machen ihn zu einem der seltenen Vierseithöfe in der Brucker Region. Zum anderen war hier bis vor einigen Jahren einer der größten bayerischen Trakehner-Zuchtbetriebe zu Hause. Heinz Langmann ist auf dem Gutshof groß geworden, war lange Jahre Gestütsleiter und betreibt dort jetzt einen Ausbildungs- und Pensionsstall.

Vier Jahre war er alt, als sein Vater Gestütsleiter der Baroness Gertrud von Lotzbeck wurde und mit seiner Familie auf den Gutshof zog. Die Pferde begeisterten ihn von Anfang an. Schon als Bub erlebte Langmann mit, wie nachts im Stall die Fohlen zur Welt kamen. „Jede Geburt war speziell“, erinnert er sich.“

Später, als er selbst Pferdewirtschaftsmeister war und den Betrieb leitete, hat er unzählige Male Stuten in den Wehen beigestanden und nur ganz selten den großen Moment verpasst. Wenn ihn doch mal eine Stute austrickste und ihr Fohlen in einem unbeobachteten Moment ins Stroh legte, war das eine kleine Enttäuschung. „Aber es ist faszinierend, wie die Tiere das timen können“, sagt der 55-Jährige und schmunzelt.

Hm, das schmeckt: Dragica Langmann füttert die zwei Waldschafe, die auch auf dem Gut leben.

Bis zu 16 Fohlen im Jahr brachte das Gestüt in seiner erfolgreichsten Zeit hervor. Doch bald nach dem Tod der Baroness im Jahr 2007 war Schluss mit der Zucht – auch wenn Langmann eigentlich nichts lieber tun würde. Doch die Zeiten haben sich geändert, ein solcher Betrieb könnte heute kaum mehr kostendeckend arbeiten. „Züchten ist mittlerweile bestenfalls noch ein Hobby. Es trägt sich nicht mehr.“

Dass die Familie den Hof pachten und somit weiterhin dort wohnen und arbeiten konnte – das war eine glückliche Fügung. „Wir hatten damals keinen Plan B“, erzählt Dragica Langmann. Ihr Mann wollte nicht in einem fremden Stall als Angestellter arbeiten, überlegte aber kurzzeitig, sich einen anderen Job zu suchen. Doch das war nicht nötig. „Irgendwie hat sich alles ergeben“, so Heinz Langmann. „Und es war immer gut.“

Unerwartet bekamen sie ein paar Ponys geschenkt. Ihre Tochter brachte Freunde mit und fing an, sie zu unterrichten. Plötzlich lief der Reitschulbetrieb. Yoga-Lehrerin Dragica Langmann baute Yogaübungen als Ergänzung in die Reitstunden ein. Bald wimmelte es im Stall von pferdebegeisterten Kids, und das tut allen gut. „Der Hof lebt ganz anders, wenn was Junges da ist“, so Langmann. Zwölf Pensionspferde und neun eigene stehen heute im Stall, darunter auch zwei Trakehner aus den Tagen der Baroness.

Eine Besonderheit: Das Gut ist einer der seltenen Vierseithöfe in der Brucker Region. Bis 1959 wurden dort Milchkühe gehalten, danach Pferde.

Und es sind weitere Tiere hinzugekommen, denn Dragica Langmann möchte den Betrieb zum Erlebnis-Bauernhof weiterentwickeln. Eine Gänse-Familie watschelt Besuchern neugierig entgegen, auf einer kleinen Weide grasen zwei niedlich anzuschauende Waldschafe.

„Jedes Tier hat seine Geschichte“, sagt Langmann und erzählt, dass der Ganter als Findel-Küken auf den Hof kam. Irgendjemand hatte ihn in München aufgelesen. Der Gänse-Mann ist eifersüchtig und versteht keinen Spaß. Wenn man seiner Gänse-Dame zu nahe kommt, zwickt er schon mal einen schmerzhaften blauen Fleck ins Menschenbein. Die Schafe gehören einer aussterbenden Rasse an, von der es nur noch 2000 registrierte Exemplare gibt. Bald werden es ein paar mehr sein, denn die beiden Weibchen der Langmanns sind trächtig. Ein bisschen Zucht geht immer.

Von Ulrike Osman

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