Fataler Fehler nach Grillfeier

In die Amper gesprungen: Mann (28) schwer verletzt

Grafrath – Dramatischer Unfall an der Amper: Ein 28-Jähriger ist nachts von einer Brücke ins Wasser gesprungen und hat sich an Kopf und Wirbelsäule schwer verletzt. Dass er noch am Leben ist, hat er seinem 22-jährigen Begleiter zu verdanken.

Die beiden sind in der Nacht auf Mittwoch bei einer Grillfeier. Es ist etwa 4.30 Uhr und immer noch warm, als sie das Fest verlassen. Auf dem Heimweg beschließen sie, von der B 471-Brücke beim Kreisverkehr noch schnell in die Amper zu springen. Eine echte Schnapsidee, beide haben das Grillfleisch mit einer ordentlichen Ration Alkoholika heruntergespült – und der Fluss führt derzeit wenig Wasser.

Vier Meter springt der Ältere in die Tiefe – so unglücklich, dass er mit dem Kopf im Flussbett aufschlägt. Der Jüngere ist mit einem Schlag nüchtern. Er läuft und rutscht zum Amperufer, geht ins Wasser und arbeitet sich zu seinem Freund vor. Er erkennt sofort, dass der 28-Jährige schwer verletzt ist. Der 22-Jährige rennt zurück zur Straße. Er stoppt einen Laster und bittet den Fahrer, die Polizei zu alarmieren. Dann hastet er zurück zum Verunglückten: Er zieht ihn in die Nähe des Ufers. Im niedrigen Wasser warten die beiden auf die Rettungskräfte.

Die Feuerwehr Grafrath ist zuerst vor Ort. „Der 22-Jährige hat alles richtig gemacht“, lobt Vize-Kommandant Jörn Voortmann. Ein Feuerwehrmann sei sofort zu den beiden in den Fluss gesprungen, damit sie nicht abtreiben. Der 28-Jährige sei stark benommen gewesen. „Er hatte unglaubliches Glück. Er hätte sich bei dem Sprung das Genick brechen können. Außerdem hätte er wegen des Alkohols und seiner Verletzungen leicht ertrinken können.“

Bald trifft ein Großaufgebot ein. Nach der Grafrather Feuerwehr rücken die Kollegen aus Schöngeising, Inning und Bruck an, dann Wasserwacht-Gruppen aus Grafrath, Bruck, Germering und Schondorf, außerdem Polizei, Rettungsdienst und Notarzt. „Bei so einer Alarmierung gehen wir vom schlimmsten Fall aus“, erklärt Polizeisprecher Michael Fischer. „Nämlich dass ein Verletzter im Fluss treibt und gesucht werden muss.“ Das war erst vor wenigen Wochen an der Grafrather Heubrücke der Fall. Ein Inder war beim Baden abgetrieben worden und konnte Tage später nur noch tot geborgen werden.

Diesmal aber hatte der Freund den Verletzten in Sicherheit gebracht. Die Helfer von außerhalb können wieder abrücken. Wichtig sind jetzt die ortskundigen Grafrather Feuerwehrleute. Sie Schlagen dem Roten Kreuz eine Schneise zu der Stelle, an der der Verletzte im Wasser stabil gehalten wird. „Dort ist sehr viel Gestrüpp am Ufer“, erklärt Voortmann.

Dann ist die Wasserwacht dran. „Wir sind mit einer speziellen Schaufeltrage ans Ufer“, berichtet Rainer Bertram vom BRK-Kreisverband, in dem die Wasserwacht organisiert ist. So wird vermieden, dass dem Verletzten durch Bewegung oder Drehung noch mehr passiert. Im Rettungswagen betten ihn die Helfer auf eine Vakuummatratze, die sich an den Körper anschmiegt und wie ein schützendes Korsett wirkt: Rund 25 Wasserwachtler sind im Einsatz. „Gott sei Dank hat der Freund den Verletzten nicht aus dem Wasser gezogen“, sagt Bertram. Dabei hätte er ihn noch stärker verletzen können. Der 22-Jährige selbst hat nur ein paar Kratzer.

Laut Polizeisprecher Fischer werden die jungen Männer nochmal vernommen. „Es sieht aber alles nach Eigenverschulden aus.“ Er betont, dass Alkohol das Gefahrenbewusstsein ausschaltet: „Nüchtern oder leicht beschwipst wäre der nie auf diese Idee gekommen.“ Dabei gilt der Mann im Ort als vernünftig. Er sei recht aktiv, auch in mehreren Vereinen, und anerkannt, heißt es. „Es war eine Dummheit unter Alkoholeinfluss“, sagt Voortmann. Er und viele Kameraden kennen ihn. „Das macht so einen Einsatz noch schwerer.

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