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Blickten zusammen in die Vergangenheit: Zeitzeuge Max Mannheimer und die Rektorin des Rasso-Gymnasiums, Doris Hübler.

Sein Bruder rettete ihm im KZ das Leben

Fürstenfeldbruck – Max Mannheimer hat mehrere Konzentrationslager überlebt. Heute ist er 96 Jahre alt. Die abscheulichen Gräueltaten des NS-Regimes sitzen ihm immer noch in den Knochen.

Und seine Erinnerungen dürfen nicht vergessen werden. Unlängst hat Mannheimer deshalb etwa 130 Schülern des Graf-Rasso-Gymnasiums seine Geschichte erzählt.

Gebannt verfolgten die Jugendlichen, mit welcher Präzision und Vitalität der 96-Jährige von seinem mehrjährigen schweren Leidensweg durch die Lager Auschwitz, Warschau, Dachau, Karlsfeld und Mettenheim bei Mühldorf erzählte. Genau berichtete Mannheimer den Neuntklässlern über die täglichen Schikanen und Quälereien durch die SS, die permanente Angst um das eigene Leben und das seines jüngeren Bruders Edgar, der als Einziger seiner Familie außer ihm selbst den Holocaust überlebte.

Edgar war es auch, der den fleckfieberkranken und bis auf die Knochen abgemagerten Max vor dem sicheren Tod rettete, indem er den Mettenheimer SS-Lagerführer anflehte, seinen älteren Bruder nicht in den Sterbeblock des Dachauer Außenlagers Kaufering zu schicken.

Aber auch kurz vor Ende der Gefangenschaft drohte noch Gefahr, als der Zug, in dem die Mettenheimer Häftlinge evakuiert werden sollten, in Poing östlich von München plötzlich von alliierten Tieffliegern beschossen wurde.

Am 30. April 1945, dem Tag, an dem Adolf Hitler im Bunker seiner Berliner Reichskanzlei Selbstmord begeht, beginnt für Max Mannheimer ein neues Leben: Einen Kilometer vor dem Tutzinger Bahnhof hält der Häftlingszug, US-Soldaten öffnen die Waggontüren und entlassen die ausgemergelten Gestalten in die Freiheit. Im provisorisch eingerichteten Krankensaal der ehemaligen NS-Eliteschule in Feldafing erhält Mannheimer einen für ihn unvorstellbaren Luxus – ein Feldbett.

„Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was für ein wunderbares Gefühl es ist, nach über drei Jahren erstmals wieder in einem richtigen Bett mit einem richtigen Kopfkissen, einer richtigen Decke und frischer Bettwäsche zu liegen“, sagt er zu den Jugendlichen. Wie in einem Brennglas vermittelt ihnen dieser Satz eine Ahnung von der abgrundtiefen Diskrepanz zwischen ihrer heutigen, wohlsituierten und abgesicherten Lebenswelt und derjenigen der gepeinigten KZ-Opfer von damals.

Wieder einmal ist es Mannheimer gelungen, eine Brücke zu schlagen über mehr als 70 Jahre deutsche Geschichte. Ob er Hass empfinde auf die SS-Leute, die ihn gequält haben, möchte eine Schülerin wissen. Nein, entgegnet er, nie. Dies sei seinem Wesen fremd.

Es gehe ihm nicht darum, derartige Emotionen zu schüren. Seinen Auftrag sieht er vielmehr darin, immer wieder aufs Neue das Gespräch mit den jungen Leuten zu suchen. „Ich erkläre ihnen, dass sie nicht die Verantwortung dafür tragen, was damals geschehen ist. Wohl aber dafür, dass es nicht wieder geschieht."

Wolfgang Seufert

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