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Darum öffnen sie ihre Türen

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Der Profi für Haushaltswaren: Für Kurt Tienemann ist es schön, den Bruckern am verkaufsoffenen Sonntag zu zeigen, was es bei ihm alles zu kaufen gibt. So zieht er auch neue junge Kunden an. © Weber

Fürstenfeldbruck - Während die Besucher am heutigen verkaufsoffenen Marktsonntag durch die Stadt flanieren und ihre Freizeit genießen, stehen die Geschäftsleute hinter dem Tresen. Während einige nicht mehr dabei sind, machen sich andere den Laden einfach zum Wohnzimmer.

„Für uns ist der Tag sehr unrentabel“, erzählt Renate Sieber vom Schreibwarenladen Schlaegel in der Augsburger Straße. Aber trotzdem öffnet sie ihr Geschäft gern. Denn sie schätzt das Flair des verkaufsoffenen Sonntags, auch wenn es auf Kosten der eigenen Freizeit geht. „Dann ist eben der Laden unser Wohnzimmer, ich sehe das ganz entspannt.“ In dem kleinen Betrieb gibt es keine Angestellten, dafür sind alle Familienmitglieder mit von der Partie. Die Kunden werden mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen empfangen. „Ich arbeite gern am Marktsonntag“, so die 44-Jährige. „Man trifft unheimlich viele Bekannte und es kommen auch Leute, die auswärts wohnen oder in München arbeiten.“

Besonders auf die Brucker hat Kurt Tienemann vom gleichnamigen Haushaltswarengeschäft ein Auge geworfen. „Der Marktsonntag ist ein ganz wichtiger Tag, weil viele Einheimische und neu Zugezogene ihre Innenstadt gar nicht kennen“, sagt er. Viele würden dann entdecken, was es in den Läden vor Ort zu kaufen gibt. „Die Leute kommen herein, schauen sich um und haben Zeit.“ Einen wichtigen Werbeeffekt hätten verkaufsoffene Sonntage gerade im Hinblick auf jüngere Kunden, die das anonyme Shoppen im Einkaufszentrum oder Internet gewohnt seien. „Manche sind ganz erschrocken, wenn man ‘Grüß Gott’ sagt“, so der 63-Jährige. „Aber wir stellen immer wieder fest, dass sie sich hinterher für die Beratung bedanken und auch gerne wiederkommen.“

Gerda Schön vom gleichnamigen Schmuckgeschäft hat festgestellt, dass mehr Kunden aus dem Brucker Umland, dem Landkreis Dachau und sogar aus der Landeshauptstadt kommen. Statt einzelner Shopper dürfe sie mehr Familien begrüßen. Das kann auch Sebastian Pleil bestätigen. In seinem Schuhladen sei am Marktsonntag normalerweise bei schönem Wetter so viel los, dass sich etwa fünf Mitarbeiterinnen um die Kunden kümmern. Ihnen wird dafür die doppelte Stundenzahl auf das Überstundenkonto notiert. Kein Wunder, dass die Sonntagsarbeit bei den Beschäftigten beliebt ist. „Wir teilen es aber so ein, dass es fair ist und nicht immer die gleichen drankommen“, so Pleil.

Überstundenkonto und Freizeitausgleich – davon können viele Ladeninhaber nur träumen. Für sie bedeutet der Marktsonntag, dass sie zwei Wochen durcharbeiten. Deshalb hätten sich viele ausgeklinkt, berichtet man aus einem Geschäft. Manche lassen ihre Läden zu, weil sich der Aufwand der sonntäglichen Öffnung schlicht nicht lohnt. Andere machen zwar auf, aber nur, weil sie bei den Kunden keinen schlechten Eindruck hinterlassen wollen. Gerda Schön findet das schade. Sie sagt: „Wir Brucker Geschäftsleute sollten zusammenhalten.“ (Ulrike Osman)

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