Martin Runge

Martin Runge fliegt aus dem Landtag - Herbert Kränzlein ist drin

Fürstenfeldbruck - Unglaublicher Ausgang der Landtagswahl: Martin Runge aus Gröbenzell, Abgeordneter seit 1996, hat den Wiedereinzug ins Maximilianeum verpasst.

Am Ende fehlten ihm 191 Stimmen. Herbert Kränzlein (SPD) aus Eichenau dagegen schaffte den Sprung ins Parlament genau wie Sepp Dürr (Grüne).

Nach einer stundenlangen Zitterpartie stand am Dienstag Abend kurz nach 20 Uhr fest, welche Kandidaten via Liste in den Landtag einziehen. Die schlimmsten Befürchtungen, die Martin Runge schon am Tag zuvor geäußert hatte, wurden wahr: Er wird dem neuen Parlament nicht angehören. Die oberbayerischen Grünen hatten wegen ihrer Stimmenverluste zwei Sitze eingebüßt. Und im Ringen um den letzten Platz im Zug auf dem Weg ins Maximilianeum hatte die Münchnerin Katharina Schulze (28) die Nase knapp vorne.

Die Parlamentarier-Tasche dagegen schon mal bereitstellen kann Herbert Kränzlein aus Eichenau. Der frühere Bürgermeister von Puchheim konnte aus dem Stand in seinem ersten Landtags-Wahlkampf - einer offenbar erfolgreichen Mischung aus Facebook-Aktivität, Infostand-Gesprächen, gezielter Zweitstimmen-Kampagne und Fahrradfahren auch im Westen - so viele Bürger von seiner politischen Wirkmächtigkeit überzeugen, dass er als Vorletzter der SPD-Kandidaten in den Landtag einzieht. Und das, obwohl ihn seine Partei auf Platz 28 gesetzt hatte - ein Platz, den der Wähler auf dem Zettel erst mal finden wollen muss.

Wieder geschafft hat es Kathrin Sonnenholzner, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion aus Jesenwang. Für sie wird es wohl die letzte Periode im bayerischen Landtag sein, wie die 57-Jährige schon vor einiger Zeit ankündigte. Thomas Goppel (CSU) schaffte den Wiedereinzug in den Landtag ebenfalls. Er hatte auf eine Direktkandidatur zu Gunsten Alex Dorows verzichtet und war nur über die Liste wählbar.

Eine unglaubliche Aufholjagd legte Sepp Dürr (Grüne) aus Germering hin. Auch er war aufgrund seiner jetzt überstandenen Krankheit nur über die Liste zu wählen, gewann aber in diversen, vor allem den Münchner, Stimmkreisen ständig hinzu und überholte so sogar seinen Parteifreund und Direktkandidaten Martin Runge. Offenbar half dem 59-Jährigen der in München starke Bio-Bauer-Bonus.

Dass es Gottfried Obermair (FW) aus Germerswang nicht schafft, stand unterdessen schon gestern Nachmittag fest. Zu sehr hatten seine FW-Kollegen in München in den am Abend zuvor noch nicht ausgewerteten Stimmkreisen gepunktet. „Ich hätte es gerne gemacht; aber man muss sich schon vorher dessen bewusst sein, dass es nicht klappen könnte“, sagte der Maisacher in einer ersten Reaktion.

Natürlich sei sein Ergebnis insgesamt schon gut und das freue ihn auch. Obermair will die Niederlage sportlich sehen und versichert: „Das kann ich auch.“ Der Kreisrat bleibt als Mitarbeiter der FW-Fraktion weiter im Maximilianeum.

Der Wahlkreis Oberbayern war übrigens der letzte im ganzen Freistaat, der mit dem Auszählen fertig wurde. Computerprobleme namentlich in den beiden Stimmkreisen München-Land hatten die Auswertung in die Länge gezogen. Thomas Steinhardt

Kommentar:

 

Martin Runge nicht mehr im Landtag: Das ist eine Nachricht, die unglaublich klingt und die man erst einmal verdauen muss. Für die Grünen ist die Niederlage des Gröbenzellers eine Katastrophe, genau wie für die gesamte Opposition im Landtag. Diese Lücke werden die Grünen zumindest auf mittelfristige Sicht nicht schließen können, wenn überhaupt. Der harte Arbeiter Martin Runge hat diese Niederlage nicht verdient. Wenn jemand das Recht auf den Ruf eines guten, wachen, nimmermüden und den Herrschenden stets maximal unbequemen Parlamentariers hatte, dann Martin Runge.

Dem gegenüber steht eine Sensation: Herbert Kränzlein, früher Bürgermeister in Puchheim, schafft den Sprung ins Parlament nach einem engagierten Wahlkampf an praktisch allen Fronten – und kann auf diese Leistung stolz sein. Von Listenplatz 28 startend überholte er diverse andere Bewerber und kann damit ein eindrucksvolles Ergebnis vorlegen. Dem Landtag kann es nicht schaden, wenn Herbert Kränzlein mitmischt, ganz im Gegenteil. Man muss nur hoffen, dass die SPD ihn machen lässt, wie er mag. (st)

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