Stadtrat Puchheim

Das Mikro bestimmt, wer was zu sagen hat

Puchheim – Lange haben sich die Zuhörer im Sitzungssaal im Puchheimer Rathaus über die miserable Akustik beklagt. Jetzt gibt eine neue Anlage. Allerdings wieder mit Problemen.

 Was die Damen und Herren Politiker zu besprechen hatten, kam in den hinteren Reihen meist in Form von halb verständlichen Satzfetzen an, manches Genuschel in Richtung Bürgermeister schien ohnehin nicht für fremde Ohren bestimmt.

Seit einigen Monaten ist alles besser – zumindest in der Theorie. Denn zusammen mit einer neuen Möblierung spendierte die Stadt ihren Räten auch eine neue Mikrofon-Anlage. Die allerdings beschränkt ihr segensreiches Wirken auf gewisse Zeiten und offenbar auch auf gewisse Redner.

Für deutliche und manchmal auch gut vernehmbare Kritik sorgte jetzt im Puchheimer Stadtrat aber die Tatsache, dass für die offenbar anfällige Stimmverstärkung über 45 000 Euro ausgegeben wurden. Und das ohne jeden Beschluss des Kommunalparlaments.

Zwar lief der geschäftsleitende Beamte mit seinem (gut arbeitenden) Mikro herum, um einigen Rednern besseres Gehör zu verschaffen, aber die Technik ließ nicht jede Wortmeldung zu: Just als der SPD-Fraktionschef zu Vorwürfen ansetzte, wurde er plötzlich leiser.

Dafür meldete sich ein Grüner mit der deutlich hörbaren Bemerkung, dass bei ihm alles bestens funktioniere. Weil er wahrscheinlich mit seinem eigenen Ökostrom arbeite, witzelte der Vize-Bürgermeister Rainer Zöller (CSU).

Weniger amüsant fand Alt-Bürgermeister Erich Pürkner (CSU) den Sachverhalt: Für eine solche Ausgabe könne man eigentlich eine ausführliche Beschlussvorlage erwarten, in der vielleicht auch Vergleichsangebote anderer Hersteller erwähnt werden könnten. Diese Ansicht ließ die Anlage überraschenderweise in aller Deutlichkeit durch. Das Thema soll nun in der nächsten Stadtratssitzung noch einmal behandelt werden. Das war ganz klar herauszuhören.

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