Aus dem Gerichtssaal

Missbrauchsvorwurf: 29-Jähriger wehrt sich vehement

Die Anklage klingt ziemlich ungeheuerlich. Ein 29 Jahre alter Kosovare, der zuletzt getrennt von seiner Frau in München wohnte, soll im Frühling und Sommer 2016 eine „Beziehung“ mit einem zwölfjährigen Mädchen geführt haben.

Germering – Mindestens 40 Mal hätten sie sich an seinem Arbeitsplatz, einem Fastfood-Lokal in Germering, getroffen. Mindestens elf Mal sollen sie nach Schichtende auf einen Spielplatz gegangen sein und Sex gehabt haben. Deshalb muss sich der 29-Jährige nun wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht München II verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe.

Angeklagter sitzt in Untersuchungshaft

Laut Staatsanwaltschaft trank zumindest das Mädchen auf dem Spielplatz stets Alkohol, den der Angeklagte aus einem Spiel-Casino holte: meist zwei Gläser Jack Daniel’s und drei bis vier Bier. Anschließend soll es neun Mal zu Verkehr gekommen sein.

Dies schilderte das Mädchen, inzwischen 13 Jahre alt, bei einer Vernehmung durch die Ermittlungsrichterin. „Wir waren halt zusammen“, berichtete die Jugendliche.

Etwa vier Monate lang sollen sie zusammen gewesen sein, bis eine Freundin von ihr der Polizei von der verbotenen Liaison berichtet habe. „Ich war verliebt“, sagte das Mädchen. Der 29-Jährige sei es auch gewesen, zumindest habe er das gesagt. Er habe aber auch gesagt, „dass es nicht gut ist, dass ich so jung bin“.

Den Sex habe sie genauso gewollt, beteuerte das Mädchen. Auf die Frage der Richterin, ob man den Mann bestrafen solle, sagte sie: „Eigentlich nicht.“ Das findet auch der Angeklagte, der seine Unschuld beteuert. Er bestreitet jeglichen körperlichen Kontakt mit der Zwölfjährigen. Auch sonst habe es nur zwei Kontakte gegeben, beteuerte er vor dem Gericht. Ab Juli sei sie manchmal mit einem Arbeitskollegen vor dem Lokal gewesen. Einmal habe er gesehen, wie sie sich in den Arm geritzt habe. Daraufhin sei er hingegangen und habe sie gefragt, warum sie das tue. Sie habe von Problemen mit den Eltern gesprochen.

Er habe ihr dann geraten, zur Polizei oder zurück zu den Eltern zu gehen. Eine zweite Begegnung habe es im September am Bahnhof in München gegeben, wo sich ihre Eltern für Anschuldigungen gegen ihn entschuldigt hätten.

Seit 24. Oktober 2016 sitzt der 29-Jährige in Untersuchungshaft. Die Richterin am Landgericht fragte ihn, was er sich während der Haft gedacht habe. „Ich bin da auch nicht schlau draus geworden“, antwortete der 29-Jährige. Auch eine mögliche Racheaktion, nach der die Richterin fragte, konnte er sich nicht vorstellen: „Ich habe ihr nichts getan, wofür sie sich rächen müsste.“ Er habe nur gehört, dass sie gesagt habe, dass er ihr gefalle. „Sie sagte zu mir, dass ich nett sei und dass ich ein gutes Herz habe.“

Der Verteidiger des Angeklagten fordert, dass ein aussagepsychologisches Gutachten über das Mädchen erstellt wird. Der Prozess dauert an. (gut)

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