Fachtagung

Mit Prävention gegen Salafismus

Nach den Anschlägen von Brüssel, Paris und Berlin ist die Unsicherheit groß. Im Brucker Landratsamt beschäftigten sich daher Experten mit dem Thema Salafismus.

Fürstenfeldbruck – Der Fachtag stand unter dem Motto „Prävention gegen Salafismus“. Initiator der Aktion ist die Abteilung Kultur und Soziales des Landratsamts. Als Gastredner waren Vertreter des Verfassungsschutzes, des Bayerischen Sozialministeriums sowie des Landeskriminalamts eingeladen. Außerdem hat sich das Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus vorgestellt.

Der Salafismus ist eine Unterform des Islamismus und orientiert sich an der Lebens- und Denkweise der ersten drei Generationen der Muslime vom 7. bis zum 9. Jahrhundert, den sogenannten „rechtschaffenen Altvorderen“. Der Islamismus wie auch der Salafismus sei keine Religion, sondern eine Form des politischen Extremismus, der sich aber am Islam orientiere, hieß bei der Tagung. Von den rund fünf Millionen Muslimen in Deutschland sei nur ein sehr geringer Anteil islamistisch ausgerichtet. In Bayern sind 670 Salafisten dem Verfassungsschutz bekannt. Nur ein geringer Teil sei gewaltbereit.

Einer der Gründe, warum Islamisten und insbesondere Salafisten vom Verfassungsschutz überwacht werden, sei ihre Ablehnung der Demokratie und des deutschen Rechtsstaats. Für Salafisten sei es essenziell, den Worten im Koran und in der Scharia, dem islamischen Recht, zu folgen, ohne sie zu hinterfragen. Für sie seien auch viele andere Muslime Ungläubige, wenn sie sich nicht strikt an die Regeln halten. Meist seien diese Extremisten in kleinen Gruppen miteinander verbunden und über ganz Deutschland vernetzt.

„Durch das Zurückdrängen des IS und dessen Finanzproblemen ändert sich die Lage deutlich. Früher wurden Anhänger aufgefordert nach Syrien und in den Irak zu reisen. Heute sollen sie in ihrem derzeitigen Land bleiben und dort kämpfen“, referierte der Vertreter vom Verfassungsschutz. Tunesien sei in diesem Zusammenhang eine Hochburg für sogenannte Rückkehrer. Auch der Attentäter von Berlin Amri kam von dort. (ted)

Mit dem „Bayerischen Präventions- und Deradikalisierungsnetzwerk“ soll schon vor der Radikalisierung eingeschritten werden und bereits radikalisierten Extremisten zurück in die Gesellschaft geholfen werden. Mitglieder des Netzwerks sind diverse Bayerische Ministerien, das Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz.

Ziel ist es unter anderem, mit Workshops, Aufklärungsseminaren und der Unterstützung von regionalen Netzwerken die Radikalisierung zu verhindern und Alternativen aufzuzeigen. „Es gibt zum Beispiel eine Aktion, bei der wir direkt auf Mütter zugehen und ihnen erklären, wie gefährlich solche Extremisten und ihre Ideologien für ihre Kinder sind, so dass die Prävention schon in der eigenen Familie stattfinden kann“, erklärte Dr. Christiane Nischler-Leibl vom Sozial-Staatsministerium.

Auch auf Asylbewerber wurde auf dem Fachtag im Landratsamt eingegangen. Die unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge seien ein beliebtes Ziel für salafistische Propaganda. Hier sei Prävention und Integration von großer Bedeutung. Im Fokus stünden hier nicht die gläubigen, muslimischen Flüchtlinge, sondern die unentschlossenen, die vielleicht alles verloren haben. Denn gerade solche Personen seien empfänglich für eine neue Denkweise und Gruppen, die sich ihrer annehmen wollen.

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