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Beim Workshop für den anstehenden Slam „Mauern einreißen“ des Vereins Turmgeflüster bekamen Jugendliche in der Haeusler-Villa Tipps und Anregungen.

Poetry Slam 

Mit Reimen gegen Rassismus und Hass

Poetry Slam heißt die moderne Form des Dichter-Wettstreits, zu dem der Verein Turmgeflüster Jugendliche immer wieder einlädt. Bald sollen sich die jungen Poeten auf der Bühne mit Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung auseinandersetzen. 

Fürstenfeldbruck – „In meiner Klasse sagen immer alle: „Nein, ich diskriminiere doch niemanden“, sagt Lisa M. „Aber dann werden sie sofort gemein zu Mitschülern, die etwa Harry Potter nie gelesen haben: ,Wie kann man denn Harry Potter nicht mögen?’ und so etwas. Warum jemanden fertig machen, nur weil der etwas anderes mag?“ Diese und andere Gedanken, die sie sich zu Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus, gemacht hat, will die 16-Jährige nun in einen rhythmisch klingenden, wortgewaltigen Text verwandeln.

Zusammen mit neun anderen jungen Menschen ist Lisa in die Haeusler-Villa in Fürstenfeldbruck gekommen, um sich in einem Workshop auf einen Poetry Slam – einen Dichter-Wettstreit – des Vereins Turmgeflüster vorzubereiten. Das Thema lautet: Mauern einreißen.

Worum es ihr bei dem Projekt geht, erklärt Christine Dietzinger, Vorsitzende des Vereins Turmgeflüster. „Mir ist besonders wichtig, dass die Teilnehmer nicht gegeneinander antreten,“ sagt sie. „Sie sollen nicht das Gefühl haben, im Wettbewerb miteinander zu stehen.“

Zur Unterstützung hat sich die Lese- und Literaturpädagogin deshalb die Bühnen-Poetin Meike Harms ins Boot geholt. Geschickt und immer positiv macht die professionelle „Slammerin“ die Teilnehmer beim Workshop mit der Wortakrobatik bekannt und erklärt ihnen die Spielregeln des Poetry Slams: „Die Texte sind selbst geschrieben, ihr dürft keine Utensilien auf der Bühne benutzen, haltet die Zeit ein, es darf nicht durchgehend gesungen werden – und das Wichtigste: respect the poet.“

Vor allem die gegenseitige Wertschätzung liegt der 37-jährigen Slammerin am Herzen. Das ist auch für Dietzinger das Wichtigste an dem Workshop: „Im Vordergrund steht immer, gemeinsam etwas zu erreichen, aber auch Gesicht zu zeigen und seine Stimme zu erheben.“ Gerade bei Themen wie Rassismus oder Diskriminierung. Das unterstützt auch Karin Wolfrum, Geschäftsführerin der Kester-Haeusler-Stiftung: „Wir wollen den Jugendlichen so weit es geht dabei unter die Arme greifen, sich schwierigen Themen zu nähern, eine Meinung zu bilden und für diese einzustehen.“

Doch dass das mit der eigenen Meinung im Poetry Slam oftmals gar nicht so einfach ist, diese Erfahrung hat Lisa Strömsdörfer schon gemacht: „Beim Poetry Slam muss man immer einen Ausgleich finden zwischen Unterhaltung einerseits und der Tiefe eines Themas andererseits.“ Oftmals fiele ihr so viel zu einem Thema ein, dass es fast unmöglich erscheine, alle Aspekte und Blickwinkel in einem fünfminütigen Slam einzufangen, sagt die 18-Jährige.

Wirklich Sorgen um das Ergebnis macht sich aber niemand am Workshop-Tag, die meisten Teilnehmer wollen sich einfach überraschen lassen. Die 17-jährige Mia etwa, hatte noch keine Erfahrungen mit dem Slammen. „Ich habe auch noch keine Idee, über was ich schreiben könnte, aber das wird schon.“

Für den Notfall hat Karin Wolfrum noch eine Geheimwaffe für Schreibblockaden im Garten der Haeusler Villa liegen: „ Wir haben ein Stück Berliner Mauer erworben. Perfekt, um geistige Mauern zu überwinden und einzureißen.“

Slam-Termin noch offen

Der Workshop war schon vor einigen Wochen. Der Poetry Slam sollte ursprünglich im Zuge der Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfinden, die wegen der Coronakrise – wie viele andere Veranstaltungen – abgesagt wurden. Sobald die Situation es wieder zulässt, wird es einen neuen Termin für den Poetry Slam geben. Jeder kann sich noch anmelden und mitmachen. 

Vor dem neuen Veranstaltungstermin findet eine finale Textschmiede mit Meike Harms statt. Die wird wie der Workshop ebenfalls kostenlos sein. Infos dazu gibt es ab dem 19. April auf der Homepageww.turmgefluester-verein.de oder auf Anfrage per Mail an die Adresse turmgefluester.e.v@gmail.com.

VON ANNABELL PAZUR

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