Eine „schöne Aktion“ ist für den Bürgermeister der Corona-Maibaum in Mittelstetten.  Foto: Elke Loibl
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Eine „schöne Aktion“ ist für den Bürgermeister der Corona-Maibaum in Mittelstetten.

Mittelstetten

Wer hat den Corona-Maibaum aufgestellt? Sachdienliche Hinweise führen zu Brotzeit

Seit über einem halben Jahr steht er nun schon da – und immer noch weiß niemand, wer ihn aufgebaut hat: Der Corona-Maibaum an der Kreisstraße in Mittelstetten, der in der Nacht zum 1. Mai installiert worden war.

Mittelstetten – Bürgermeister Franz Ostermeier, der an diesem Tag sein neues Amt übernommen hatte, nahm jetzt seinen ersten Rechenschaftsbericht – der statt auf einer Bürgerversammlung vorgetragen zu werden auf der gemeindlichen Homepage veröffentlicht wurde – zum Anlass, den „unbekannten Künstlern“ ausdrücklich für ihr Werk zu danken. Sogar eine Brotzeit würde der Rathauschef den Urhebern spendieren. Gemeldet hat sich aber auch nach diesem Aufruf niemand.

Manche Mittelstettener dürften an dem damaligen Freitag nicht schlecht gestaunt haben. Zwar war die eigentliche feierliche Aufstellung durch den Burschenverein wegen der Pandemie abgesagt, trotzdem war über Nacht ein Brauchtumsstangerl aus der kleinen öffentlichen Rasenfläche neben der Straße gewachsen. Ganz traditionell weht an dem Schwarzbau oben eine bayerische Fahne mit Löwe, auch das Gemeindewappen fehlt nicht. Noch immer aktuell sind die Aufschriften und Bildchen auf den kleinen Schildern: Ein durchgestrichener stacheliger Virus, rot umrandet, soll wohl Corona den Aufenthalt verbieten. „Bleibt’s gsund“ heißt es trotzdem an einer anderen Stelle. Und auf die offenbar fehlenden Sponsoren verweist eine weitere Inschrift: „Hier könnte Ihre Werbung stehen.“

Die anonymen Spaßvögel hatten ihren rund acht Meter hohen Aufbau ziemlich professionell am Eisenträger für den eigentlichen Baum befestigt. Ostermeier, vom Tagblatt um eine Rüttelprobe gebeten, bestätigte erst dieser Tage wieder, dass an der Standsicherheit nichts fehle: „Keinen Millimeter“ bewege sich die mit drei starken Spanngurten befestigte Stange. Der TÜV wurde zwar noch nicht um ein Gutachten gebeten, aber wenn es nach dem Rathauschef geht, kann der alternative Maibaum stehen bleiben – jedenfalls bis wieder ein offizieller aufgerichtet werden kann. Das Thema ist ja auch noch nicht durch.

Bleibt die Frage, wer dahinter steckt: Die Burschen lehnten glaubwürdig jede Verantwortung ab. Ostermeier, der nach eigenen Worten „überall gefragt“ hat, geht davon aus, dass wahrscheinlich höchstens zwei Leute für die „schöne Aktion verantwortlich sind“. Denn: Wenn mehrere am Werk gewesen wären, wäre vermutlich nicht so eisern dichtgehalten worden.

Sachdienliche Hinweise könnten jedenfalls zu Bier und Leberkäs führen. Sollten auch Frauen daran beteiligt gewesen sein, lässt der Bürgermeister sogar einen Sekt springen. OLF PASCHEN

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