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Vor dem Bürgerentscheid

Befürworter treffen auf Gegner des Gewerbegebiets

Soll ein Gewerbegebiet südlich der Ortsgrenze von Mittelstetten entstehen oder nicht? Darüber entscheiden am 22. Juli die Bürger der Gemeinde. Bei einer Informationsveranstaltung der CSU, die für die Entwicklung an diesem Standort ist, wurde einmal mehr deutlich: Die Diskussion über das Gewerbegebiet polarisiert.

Mittelstetten– 

Mit der Veranstaltung im Gasthof zur Post wollte die CSU den Vorwurf an den Gemeinderat ausräumen, die Bürger bislang nur ungenügend über das geplante Gewerbegebiet informiert zu haben. „Dass heiß diskutiert wird, ist weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt“, sagte eingangs der CSU-Vorsitzende Sebastian Klingl. Die abschließende Diskussionsrunde mit den Zuhörern sollte ihn in seiner Annahme bestätigen. Zunächst aber äußerten sich einige Mitglieder der CSU zu den Vorteilen des Gewerbegebiets, das nahe der B 2 in Richtung Längenmoos entstehen soll und außerhalb des derzeitigen Bebauungsgebietes liegt. Ein mehrmals genanntes Argument: Die Einkommenssituation der Gemeinde müsse dringend verbessert werden – und das könne durch Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer erreicht werden. Außerdem will man lokale Betriebe langfristig an den Ort binden.

„Das Gewerbegebiet ist kein Alleingang der CSU“, betonte Bürgermeister Andreas Spörl und verwies darauf, dass es eine Gewerbeflächen-Diskussion in Mittelstetten schon seit 2001 gibt. Damals stand die Fläche an der alten Ziegelei zur Debatte. Daher bezeichnete Spörl den neuen Anlauf in Sachen Gewerbegebiet als „überfälliges Projekt“.

Sollten die Mittelstettener beim Bürgerentscheid ihr „Ok“ geben, will die Gemeinde auf der Fläche das sogenannte Miteigentumsmodell anwenden. Das beinhaltet den Erwerb des Grundstückes durch die Gemeinde zu nur 50 Prozent. Heißt: Sowohl die Erschließungskosten als auch eventuelle Risiken werden mit dem Grundstücksbesitzer geteilt.

Unterdessen versuchte auch Michael Robeller vom gleichnamigen Sägewerk im Ortsteil Vogach die rund 100 Zuhörer von der Wichtigkeit ortsansässiger Betriebe zu überzeugen. Nicht zuletzt, weil viele von ihnen etwa auch bei der Feuerwehr aktiv seien und nur so eine Mannschaft untertags zur Verfügung stehe.

Nicht alle Anwesenden allerdings konnten die Argumente der Gewerbegebiet-Befürworter überzeugen. Das wurde in der anschließenden Diskussionsrunde deutlich, bei der sich etliche Zuhörer zu Wort meldeten und bei der es auch immer wieder Zwischenrufe und Wortgefechte gab, wie etwa zwischen dem ehemaligen Bürgermeister Ernst Presser und dem Planungsreferenten der Gemeinde, Hans Lais.

Auch wenn sich die Diskussion immer wieder auch auf die Ortsentwicklung allgemein und speziell auf ein sich in Kirchenbesitz befindendes Grundstück gegenüber des Rathauses verschob, wurden die Argumente der Gegner doch deutlich. So wurden Fragen nach einer Kostenschätzung und -entwicklung ebenso laut wie die Frage nach der Bodenbeschaffenheit im entsprechenden Planungsgebiet oder eventuelle Bemühungen seitens der Gemeinde bezüglich der Suche nach einem alternativen Standort. Einige Bürger befürchten im Falle einer Realisierung des Gewerbegebietes zudem einen erhöhten Lkw-Durchgangsverkehr im Ort sowie erhebliches Lärmaufkommen.

Nicht auf alle Fragen konnten die CSU-Vertreter eine genaue Antwort geben. „Momentan ist durch das Bürgerbegehren alles auf Eis gelegt“, so die Begründung von Sebastian Klingl. 

MIPM nach Mittelstetten?

Überraschende Nachrichten hatte Mittelstettens Bürgermeister Andreas Spörl (CSU) im Zuge der Informationsveranstaltung: Der Inhaber des renommierten Mammendorfer Instituts für Physik und Medizin (MIPM), Michael N. Rosenheimer, habe sich mit ihm zu einem Gespräch getroffen und dabei sehr großes Interesse an einer Gewerbefläche in Mittelstetten bekundet, sofern denn das Gewerbegebiet gebaut wird. „MIPM ist einer der Top-Gewerbesteuerzahler in Mammendorf“, sagte Spörl, der das Unternehmen in höchsten Tönen lobte. Zwar sei natürlich nichts unterschrieben und man wisse auch nicht, was in ein paar Jahren sei, so Spörl. Doch er schenke den Worten Rosenheimers Glauben. 

Sollte es zum Umzug von MIPM nach Mittelstetten kommen, „ist eine Gewerbesteuer im sechsstelligen Bereich möglich“. Michael N. Rosenheimer bestätigte das Treffen mit Spörl auf seine Initiative hin sowie das grundsätzliche Interesse an einer Gewerbefläche in Mittelstetten. Gerade die Preise für Gewerbeflächen seien dort sehr lukrativ, und das Einzugsgebiet seiner mittlerweile über 60 Mitarbeiter ist nach Westen ausgerichtet. „Aber ich führe auch mit Mammendorf Gespräche und wir fühlen uns dort sehr wohl“, sagte Rosenheimer im Gespräch mit dem Tagblatt. Als Unternehmer müsse er allerdings einen „Plan B“ in der Tasche haben, falls die notwendige Erweiterung des Unternehmens am nach wie vor präferierten Standort in Mammendorf nicht realisierbar sei. „Wir haben uns super entwickelt und wollen unsere Einheiten verbinden“, erklärte Rosenheimer. Derzeit sei nicht die gesamte Firma unter einem Dach untergebracht. Zudem sei am Standort in Mammendorf trotz einer Erweiterung vor vier Jahren erneut die Kapazitätsgrenze seines Unternehmens erreicht. (Von Sebastian Öl)



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