Bürgermeister Andreas Spörl - hier im Rohbau des neuen Rathauses Anfang Mai 2017 - will Gemeindeoberhaupt von Mittelstetten bleiben.

Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl 2020:„Ich bin von früh bis spät in Mittelstetten“

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„Für nur sechs Jahre macht’s zu viel Spaß“: Das hatte A. Spörl (CSU) schon zur Hälfte seiner Bürgermeister-Amtszeit in Mittelstetten gesagt. Jetzt will er weitermachen.

Mittelstetten  Er habe mit dem Gemeinderat so viele Sachen angefangen, die für die Gemeinde wichtig sind – das wolle er weiterführen, auch wenn’s zwischendurch ziemlich schwierig für ihn war.

Nach seinem deutlichen Wahlsieg mit 60 Prozent über den Gegenkandidaten der Wählergruppe Bürgernah/Unabhängig (BU) hatte Spörl zunächst eine ruhige Zeit, auch noch als der Umbau einer alten Lehrerwohnung zur Gemeindekanzlei und der Neubau eines Sitzungssaals im Gemeinderat für heftigen Streit sorgte. Schwieriger wurde es für den heute 43-Jährigen erst, als über die Finanzierung der notwendigen Klärwerkssanierung zunächst hinter verschlossenen Türen entschieden wurde und ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Gewerbegebiet vor dem Ort geplant wurde. Auf einer Bürgerversammlung wurde der Rathauschef frontal angegangen, schließlich gründete sich eine Initiative, die einen Bürgerentscheid zu der Neuansiedlung erzwang. Fast zwei Drittel der Mittelstettener stimmten gegen Gewerbe in der Prärie und damit gegen ihren Bürgermeister.

„Wenn der Bürger mitreden will, dann soll er das bitte und sehr gerne tun“, sagt Spörl heute dazu. Schließlich sei er Demokrat. Gestört hat ihn auch nicht die inhaltliche Auseinandersetzung. Anstrengend seien nur die persönlichen Angriffe gewesen. Aber das sei geklärt. Man habe sich zusammengesetzt und beschlossen, künftig nicht übereinander, sondern miteinander zu reden. Erste Feuerprobe dafür sei die Klausur zur Gemeindeentwicklung demnächst im Kloster Thierhaupten.

Die strittigen Themen könnten nichts ändern an seiner Entscheidung, wieder antreten zu wollen: „Wenn mich das abhalten würde, dann wäre ich kein guter Bürgermeister.“ Vielmehr seien die Projekte eine Herausforderung. Er habe weiterhin sehr viel Elan und wolle noch viel anpacken. Nach der Eröffnung des Radwegs von Tergernbach in den Nachbarlandkreis gehe es jetzt um einen Radweg nach Hattenhofen, einen Fußweg Richtung Tegernbach und die Sanierung von Kanalnetz und Kläranlage. Sein Fazit: „Es wird nicht langweilig die nächsten Jahre.“

Mittlerweile sei er jeden Tag im Rathaus, die immer höhere Schlagzahl erfordere das. Zuletzt absolvierte er 500 Termine pro Jahr.

Als ehrenamtlicher Bürgermeister kann Spörl nebenher Geld verdienen, „wenn ich denn Zeit dafür habe“. Er hat unter anderem eine Firma, von der die Buchhaltung für Zahnarztpraxen übernommen wird.

Obwohl sein Fell dicker geworden ist, betont der 43-Jährige, wie sehr er sich reinhängt. Die Attacken haben ihm zugesetzt. Vor allem die Gerüchte, er wohne gar nicht mehr in der Gemeinde.

Es sei ein „offenes Geheimnis“, so Spörl, dass er und seine Frau sich getrennt haben. Trotzdem ist der Vater zweier Kinder noch in Tegernbach gemeldet, zudem hat er mittlerweile ein kleines Appartement in Mittelstetten, wenn es abends nach Terminen sehr spät ist.

Weil es in der Gemeinde selbst aber derzeit keine passend große Immobilie gibt, wohne er auch im Nachbarlandkreis. „Ich bin aber von früh bis spät in Mittelstetten“, betont er. Und auch sonst dort verwurzelt: als Vorsitzender des Schützenvereins Burgfrieden und im heimatlichen Tegernbach als aktives Mitglied der Feuerwehr.

Dass er auch woanders als in Mittelstetten wohnt, sei im Übrigen mit der Kommunalaufsicht abgeklärt. Denn während ein hauptamtlicher Bürgermeister nicht in seiner Kommune leben muss, galt das früher für einen ehrenamtlichen Rathauschef. Doch es gab eine Lockerung vor den Kommunalwahlen 2014. Seitdem genügt es, wenn ein Bewerber mindestens drei Monate vor einer Wahl im Wahlkreis eine Wohnung hat, die aber nicht Hauptwohnung sein muss, oder sich, ohne eine Wohnung zu haben, gewöhnlich im Wahlkreis aufhält.

Spörl hat auch schon bei seiner CSU vorgefühlt, die muss ihn schließlich nominieren. „Dort zählt meine Arbeitsleitung als Bürgermeister“, sagt er stolz, „und nicht mein Privatleben.“ Er hat sich zudem bei der CSU dafür beworben, für den Kreistag kandidieren zu dürfen, um dort Mittelstetten mehr Gewicht zu verleihen.

Nun lässt der heftige Gegenwind der letzten Zeit erwarten, dass Spörl nicht der einzige Bewerber sein wird. Der wohl kompetenteste Gegenkandidat wäre sein eigener Vize Franz Ostermeier (SPD). Der aber hat momentan „keine besondere Lust“, wie er dem Tagblatt sagte. Auch bei der Wählergruppe Bürgernah/Unabhängig, die seit der letzten Wahl die Hälfte ihrer einst vierköpfigen Fraktion verloren hat, ist kein Aspirant in Sicht.

Die neue Bürgerinitiative wiederum könnte zwar mit einer eigenen Liste antreten, aber auch hier drängt sich kein Bürgermeister-Kandidat auf. Der müsste schon wie „Phoenix aus der Asche“ kommen, heißt es etwas resigniert.

Alle Infos und News zur Kommunalwahl 2020 im Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie immer aktuell auf unserer großen Themenseite.

von Olf Paschen und Helga Zagermann

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