Karl Rössle hatte die Idee, in das alte Trafohäuschen Nisthelfen einzubauen.
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Karl Rössle hatte die Idee, in das alte Trafohäuschen Nisthelfen einzubauen.

Trafohäuschen umfunktioniert

Der Vater der Greifvogel-Kinderstube

Seit etlichen Jahren dient das alte, gerade frisch renovierte Trafohäuschen bei Mittelstetten als Brut- und Aufzuchtplatz für Greifvögel. Die Idee dazu hatte Karl Rössle. Er betreut die Kinderstube noch heute.

Mittelstetten – Eigentlich sollte es ein Refugium für eine selten gewordene Art werden. Aber in der alten Transformatoren-Station der Isar-Amper-Werke nahe der ehemaligen Ziegelei, die der Landesbund für Vogelschutz (LBV) vor über 35 Jahren übernommen hatte, wollte partout keine Schleiereule heimisch werden.

Sicher, etwas Gewölle – ausgewürgte Nahrungsreste – wurde schon mal entdeckt, das die Fachleute der Eule zuordneten. Offenbar wurde unter dem Dach des Trafohäuschens also schon mal gerastet und verdaut, vielleicht auch der ganze Tag verbracht, bevor es wieder auf die Jagd ging. Aber dauerhaft nutzten nur Turmfalken die hergerichtete Kinderstube zur Aufzucht der nächsten Generation. Immerhin: Auch diese Vogelart findet immer seltener offene Scheunen oder unvergitterte Kirchtürme, auch Falken können menschengemachte Nisthilfen gebrauchen.

So war es jedenfalls bis voriges Frühjahr, als die Falken Nachmieter bekamen. Kaum waren deren Kinder ausgeflogen, nistete sich eine Schleiereule ein, die ihre Eier in dem schon bewährten hölzernen Kasten ablegte und dort das Brüten begann. Diese Nachnutzung halten auch die Vogelschützer für äußerst ungewöhnlich, auch wenn Eulen später im Jahr an die Aufzucht gehen als ihre Verwandten. „Das kann mir keiner erklären, wie das gegangen ist,“ sagt Karl Rössle, der das ehemalige Umspannwerk seit dem Umbau 1983 betreut. „Normal haut die Eule den Falken raus“, meint er.

Der 80-jährige Olchinger ist einer der Gründerväter der LBV-Kreisgruppe und einer der Wenigen von damals, die noch aktiv dabei sind. Er war es, der damals auf das leere Trafo-Häuschen aufmerksam wurde und den Abbruch verhindern konnte. Das Dach war schon abgedeckt, die Biberschwänze aber noch nicht entsorgt. Er und ein Spezi bewährten sich daraufhin auch als Dachdecker. Zwei Holzkästen – jeweils mit Eingang für die Tiere und rückwärtiger Klappe für kontrollierende Menschen – wurden auf einem Podest unter dem Dach als Nisthilfen aufgestellt. Einer davon ist seit Jahrzehnten unberührt. Im anderen sind seitdem über hundert Turmfalken geschlüpft.

Die große Frage ist jetzt, ob die Eulenmutter für die nächste Brut zurückkehrt. Sie würde sich womöglich etwas über das veränderte Aussehen ihres Turms wundern. Der Efeu, der bis aufs Dach hochwucherte, wurde ebenso entfernt wie Moos am Sockel des Gebäudes. Die Löcher im Putz wurden zugespachtelt, die Fassade neu gestrichen.

Naturschützer zerstören Natur? Zum einen, sagt Rössle, biete die „Riesenhecke drumrum“ genügend anderen Lebensraum. Und zum anderen war der Efeu, ursprünglich vom LBV selbst gepflanzt, eigentlich eine fatale Pflanze für den Vogel-Nachwuchs. Anfangs nutzte ein Marder das Klettergewächs als Aufstiegshilfe, zwei Jahre lang gab es keine piepsenden Kinder. Und auch ein dritter Grund spielt für die Runderneuerung wohl eine Rolle. Den romantisch zugewachsenen Turm, der sein Alter nicht verleugnete, hielten einige Mittelstettener offenbar für wenig ansehnlich. Von einem „Schandfleck“ soll die Rede gewesen sein.

Aber der Geruch von frischer Farbe ist verflogen, die Einfluglöcher blieben ebenso unberührt wie die Nistkästen im Inneren. Die Eule braucht nur noch zurückkommen. Soweit bekannt, wäre es einer von nur zwei Brutplätzen im Landkreis. Der andere ist in Jesenwang.

von Olf Paschen

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