Im Rohbau des neuen Rathauses der Gemeinde Mittelstetten: Andreas Spörl (CSU) packt gerne mit an. 

Das aktuelle Interview

„Für nur sechs Jahre macht’s zu viel Spaß“

Er ist ein Macher. Da widerspricht Andreas Spörl nicht. Das ist ein Grund, warum ihm der Bürgermeister-Job in Mittelstetten so viel Spaß macht: 

Mittelstetten– Er kann mit dem Gemeinderat und den Bürgern etwas bewegen. Und weil da sechs Jahre nicht reichen, möchte der 42-Jährige gerne bei den Kommunalwahlen 2020 wieder antreten, wie er Tagblatt-Mitarbeiter Olf Paschen verraten hat.

-Herr Spörl, Sie sind seit drei Jahren Bürgermeister. Haben Sie sich den Job so vorgestellt?

Das Amt ist genauso abwechslungsreich, wie ich mir dachte. Was ich nicht dachte: Es bedeutet wirklich ein hohes Maß an Zeitaufwand, deutlich über einer 40-Stunden-Woche. Es gibt viele Baustellen, man muss in viele Richtungen denken, um Sinnvolles beizutragen. Aber es ist in der Tat ein schöner Beruf, eine schöne Aufgabe.

-Was ist das Schönste daran?

Ein bisschen kreativ sein zu können, eigene Ideen einbringen zu können.

-Und worauf könnten Sie verzichten?

Es gibt Bereiche, da ist man mit Leidenschaft dabei, anderes muss halt sein, da beißt man die Zähne zusammen. Aber der Ehrgeiz treibt einen dann voran.

-Zum Beispiel?

Bei einem Radwegkonzept beispielsweise mit vielen Verhandlungspartnern muss man dicke Bretter bohren. Der Erfolg ist dann aber auch eine Genugtuung.

-Hat sich Ihr Privatleben verändert?

Ja, wegen der vielen Abend-Termine, nicht nur in Mittelstetten. Da ist man dann nur ein paar Stunden zuhause. Meine Kinder unter der Woche ins Bett gebracht hab’ ich in der letzten Zeit nicht mehr. Sie sind aber auch nicht mehr so klein.

-Und was sagt Ihre Frau?

Sie hat sich, glaub’ ich, schon gedacht, dass das mit zeitlichem Aufwand verbunden ist. Ich will aber auch nicht nur meine Kanzleistunden absitzen. So ein Typ bin ich nicht. Wenn, dann will ich das mit Ehrgeiz machen.

-Und meckern die Kinder?

Die sind mittlerweile in einem Alter, mit elf und 14, in dem sie eigene Interessen haben. Da muss nicht jeden Abend Kuscheln mit dem Papa sein.

-Wie viele Fehler haben Sie gemacht?

Wenn es um Beschlüsse und Projekte gibt, habe ich ja eine Kontrollinstanz, den Gemeinderat, hinter mir. Ich bin sehr gut kritikfähig, solange die Kritik konstruktiv ist. Aber eine falsche Entscheidung habe ich in meinen Augen in den drei Jahren noch nicht getroffen. Als Neu-Bürgermeister habe ich ganz einfach zu lernen. In der freien Wirtschaft, aus der ich ja komme, entscheidet man heute und morgen wird es umgesetzt. In der Kommunalpolitik dauert es lange, bis eine Idee zum Beschluss des Gemeinderats wird und noch mal lange bis zur Durchführung.

-Genießt man Ansehen als Bürgermeister?

Ja, durchaus. Wenn ich zum Beispiel zum Essen gehe, werde ich freundlicher gegrüßt als früher als Privatperson. Man wird auch auf der Straße angesprochen, „Herr Bürgermeister, das hams gut gemacht“. Das geht runter wie Öl.

-Hören Sie das ständig?

Nein, von einigen wenigen. Für die meisten gilt der Grundsatz „Nicht gemeckert ist genug gelobt“. Man macht sich aber auch manchmal Gedanken bis in die Nacht, manches, gerade aus dem Gemeinderat, verfolgt einen bis nach Hause. Das können routiniertere Bürgermeister vielleicht eher ablegen. Aber selbstredend ist der Bürgermeister irgendwo Respektsperson. Das sehe ich an den Seniorennachmittagen, wenn die Leute klatschen. Das muss nichts mit mir als Person zu tun haben.

-Werden Sie noch mit Ihrem Vorgänger verglichen?

Auf persönlicher Ebene nicht. Höchstens noch wegen seiner bekannt rasanten Wahlleitung, wenn die Vereine ihre Vorstände gewählt haben. Dann heißt es manchmal: „Ach beim Ernst ist das aber viel schneller ganga.“ Aber nachdem ich selber Vereinsvorstand bin, halt’ ich es für ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man einer Wahl auch die nötige Zeit einräumt.

-Ein neue Gemeindekanzlei, die bald fertig ist, und ein Gewerbegebiet, das entstehen könnte – Sie hatten und haben einiges vor. Reichen denn da sechs Jahre?

Ganz klar nein. Um solche Projekte zu Ende zu bringen, braucht es mehr als eine Amtsperiode. Und für nur sechs Jahre macht’s mir viel zu viel Spaß.

-Sehen Sie das Dorf heute in einem anderen Licht?

Nein, aber vielleicht intensiver. Man weiß um die Zusammenhänge. Wenn ich heute über eine Brücke fahre, denk ich an die letzte technische Überprüfung.

-Sind Sie stolz auf Ihre Gemeinde?

Sonst wäre ich kaum Bürgermeister von Mittelstetten. Ich bin stolz, dass wir eine Gemeinde sind, die mit engagierten Bürgern nach vorne schaut. Es gibt hier ein Zusammenspiel aus ländlicher Prägung und neuester Infrastruktur.

-Wenn Sie eine halbe Stunde Zeit hätten, einer ausländischen Delegation Mittelstetten zu zeigen. Wohin würden Sie sie führen?

Ich würde sie zuerst im repräsentativen neuen Gemeindezentrum empfangen, dann durch den Ort führen, am Maibaum vorbei. Dann wahrscheinlich in die Wirtschaft und am Schluss eine Runde Golf spielen.

-Spielen Sie?

Wenn ich die Zeit mal finden sollte, mit Sicherheit. Ich hab schon ein paar Mal den Schläger in der Hand gehabt und sogar den Ball getroffen.

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