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Glockengeläut in Hanshofen: Bitte kräftig am Seil ziehen

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Von: Ulrike Osman

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Muss sich ins Zeug legen, damit sich die Glocke bewegt: Valentin (9) mit Vater Sebastian Klingl.
Muss sich ins Zeug legen, damit sich die Glocke bewegt: Valentin (9) mit Vater Sebastian Klingl. © Peter Weber

Im Mittelstettener Ortsteil Hanshofen ist nur selten Glockengeläut zu hören – und wenn das doch einmal der Fall ist, dann steht etwas Besonderes an. Es gibt sogar eine zweite große Glocke in dem Weiler. Aber die kann gar nicht mehr läuten, weil sie nicht mehr hängt.

Hanshofen – Die Glocke der Filialkirche St. Katharina in Hanshofen schweigt fast das ganze Jahr über. Wenn sie doch einmal läutet, bedeutet das eins von drei Dingen – es ist Zeit für die Andacht nach dem jährlichen Bittgang aus Günzlhofen, es ist gerade Patrozinium oder es ist jemand gestorben. Als die Glocke zum Pressetermin an diesem August-Vormittag außerplanmäßig ertönt, kommt sofort ein Nachbar herbei geeilt. Er hat sich erschrocken, als er das Läuten hörte. Und ist sehr erleichtert, als er erfährt, dass im Weiler nirgendwo ein Todesfall zu beklagen ist. So familiär und freundlich geht es zu in Hanshofen.

St. Katharina: Der spätgotische Bau wurde um 1700 barockisiert.
St. Katharina: Der spätgotische Bau wurde um 1700 barockisiert. © Weber

Drei Anwesen gibt es an diesem idyllischen Fleckchen in der Gemeinde Mittelstetten, zwei davon sind überregional bekannt – der Spielgerätehersteller Klingl und die Reitanlage Tashina Haila, auf der sogar schon Georg Gänswein, Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt, eine Messe samt Pferdesegnung gefeiert hat. Sie fand unter freiem Himmel statt – die fünf Bankreihen in der kleinen Kirche hätten nicht einmal einen Bruchteil der Besucher fassen können.

Klein, aber oho: Nur fünf Bankreihen hat die Kirche, aber einen reich geschmückten Altar und Wandmalerei.
Klein, aber oho: Nur fünf Bankreihen hat die Kirche, aber einen reich geschmückten Altar und Wandmalerei. © Weber

Den Mesnerdienst in St. Katharina teilen sich die drei Hanshofener Familien im dreijährigen Turnus, derzeit sind die Klingls dran. Viel Arbeit ist das nicht für Sebastian Klingl und seine Frau – ab und zu putzen und den Kirchenraum zu den wenigen Anlässen herrichten, wenn sich Gläubige versammeln.

Und dann eben auch die Glocke läuten. Das ist nicht so einfach. Man muss schon kräftig ziehen an dem mehrfach zusammengeknoteten, 14 Meter langen Glockenseil, das hinter dem Altar im Erdgeschoss des Kirchturms aus der Decke hängt. Mesner-Sohn Valentin, neun Jahre alt, muss sich ganz schön ins Zeug legen, bis der erste helle Ton zu hören ist. Aber es macht ihm Spaß, ebenso wie seinem Bruder Moritz – die nächste Mesner-Generation scheint zumindest in der Familie Klingl gesichert.

Schwierig im engen Turm zu fotografieren: die Glocke der Filialkirche St. Katharina in Hanshofen.
Schwierig im engen Turm zu fotografieren: die Glocke der Filialkirche St. Katharina in Hanshofen. © Andreas Gamperling

Die Glocke ist fast 100 Jahre alt. 1928 wurde sie im schwäbischen Lauingen gegossen – zusammen mit einer zweiten, größeren, die während des Zweiten Weltkriegs als Metallspende für die Waffenproduktion abgeliefert werden musste. Das gleiche Schicksal hatte schon eine der Vorgängerglocken 1917 ereilt.

Kirche Hanshofen: Eine Glocke für die Waffenproduktion abgegeben - die verbliebene ist der Patronin der Kirche gewidmet

Die verbliebene Glocke ist der Patronin der Kirche gewidmet. „Hl. Katharina, Bitte für uns“ steht im oberen Bereich. In der Mitte ist eine Darstellung der Heiligen zu sehen. Am unteren Rand wird – wesentlich irdischer und profaner – an den Stifter der Glocke erinnert. „Innozenz Nässl zahlt den Guss“, heißt es dort.

Eine der Vorgängerglocken: Sie wurde 1992 abgehängt und steht seitdem auf einem Hof an der Ringstraße.
Eine der Vorgängerglocken: Sie wurde 1992 abgehängt und steht seitdem auf einem Hof an der Ringstraße. © Weber

Und es gibt noch eine Glock im Weiler Hanshofen: 1922, hatte der Hanshofener Josef Bramberger eine Stahlglocke für die Kirche in Günzlhofen finanziert. Sie wurde 1992 wieder abgehängt, da ihr Klang nicht zu dem der übrigen, bronzenen Glocken passte. Bramberger hatte bestimmt, dass in diesem Fall seine Spende auf seinen Hof an der Ringstraße zurückgebracht werden sollte. Dort steht sie noch heute.

Die Serie

In der Serie „Die Glocken von Mittelstetten“ stellt das Tagblatt in Zusammenarbeit mit dem Verein Dorfbelebung die Glocken aller sechs Gotteshäuser und ihre Geschichte vor. Der Verein wird seine Recherchen als Broschüre veröffentlichen.

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